Irgendwann kann sich die Regisseurin Yvonne Andrä nicht zurückhalten. Aus dem Off ist ihr Seufzen zu hören: Nie, nie, nie würde sie sich diesen Job in diesem Umfeld antun. Sie adressiert die Politikerin Katja Wolf – sie war nach 30 Jahren bei den Linken und zwölf Jahren als Eisenacher Oberbürgermeisterin zum BSW übergetreten und führte als Thüringer Landesvorsitzende die neue Partei durch den Wahlkampf 2024, um jetzt vor der Entscheidung einer Regierungsbeteiligung zu stehen. Wolf antwortet nicht, wie man es erwartet, sie feiert nicht die verpflichtenden Werte der Demokratie und spricht nicht über die Gestaltungsfreuden und die Dankbarkeit, die ihr Beruf mit sich bringt. Sie sagt, aus tiefster Brust und mit empathischer Untröstlichkeit: „Ist schlimm, oder?“

Das ist so ein ehrlicher Moment in der Fernsehserie „Brombeerland“, die Yvonne Andrä zusammen mit ihrem Mann Wolfgang Andrä aus dem Boden gestampft hat. Die beiden haben die Filmproduktionsfirma 1meter60-Film gegründet und, mit gelegentlicher technischer Unterstützung durch ihren Kompagnon Stefan Petermann, sämtliche Aufgaben selbst übernommen: von der Disposition und Kontaktanbahnung über die wenig ertragreiche Fördermittelakquise, das Crowdfunding, die Dreharbeiten, Schnitt, Werbung, Pressearbeit, Postproduktion, Buchhaltung und die Organisation des Vertriebs über eine eigene Streamingplattform. Sie haben sieben Thüringer Spitzenpolitiker ein Jahr lang durch den Wahlkampf begleitet, waren bei der Abstimmung dabei, die am 1. September mit einem Patt endete, verfolgten die Optionsgespräche und Koalitionsverhandlungen bis zur Ministerpräsidentenwahl am 12. Dezember 2024.