Im März 2031 sitzt Christian Vogt in Palo Alto und liest in einem News-Ticker Nachrichten aus Berlin. Vogt ist Deutscher, Gründer eines schnell wachsenden KI-Unternehmens. Sein Unternehmen gibt es noch, seine Heimat als Industriestandort kaum.Die Autohersteller, denen sein Vater sein Berufsleben widmete, wurden von einem amerikanischen KI-Konzern aufgekauft. Nicht wegen ihrer Marken, sondern wegen ihrer Hallenflächen und ihrer Industriedaten, die für das Trainieren von KI-Modellen und die Produktion von Robotern genutzt wurden. Die Wertschöpfung fließt heute nach Kalifornien.Christian Vogt ist eine erfundene Figur. Er ist der deutsche Protagonist von „Europe 2031“, einem Szenario über Europas drohenden Abstieg in die Bedeutungslosigkeit, das ich gemeinsam mit sieben europäischen Co-Autoren veröffentlicht habe. Das Szenario ist keine Prognose, sondern disziplinierte Fiktion: eine plausible Geschichte über Europas Zukunft, deren Elemente sich allesamt aus Trends und Entwicklungen ergeben, die heute schon sichtbar sind.Deutschland steht im Zentrum dieser Geschichte. Kein anderes europäisches Land hat so viel industrielle Substanz zu verlieren, während gleichzeitig kein anderes Land größere institutionelle und wirtschaftliche Hebel hat, um Europas Niedergang zu verhindern. Genau dafür gibt es in Deutschland aber weder ein wirklich ernsthaftes Bewusstsein noch einen konkreten Plan.