Als ein Polizeiwagen in die Niddastraße fährt, leert sich der Bürgersteig schnell. Soeben hat hier noch eine größere Gruppe Crack konsumiert, direkt vor der Tür der Integrativen Drogenhilfe, einer der großen Drogenhilfeeinrichtungen der Stadt. Als sich der Streifenwagen nähert, verschwinden die Männer und Frauen um die Ecke. Die vielen Baustellen, die sich derzeit fast durch das gesamte Bahnhofsviertel ziehen, machen es ihnen leicht. Polizei ist in dem Viertel nicht gerne gesehen. Schon gar nicht an der Niddastraße, wo sich seit Wochen ein Hotspot gebildet hat.An diesem Abend jedoch ist die Polizei mit etwa 100 Einsatzkräften im Viertel unterwegs. Ursprünglich, um gegen Dealer vorzugehen. Der Drogenkonsum im öffentlichen Raum jedoch nimmt seit vielen Jahren schon überhand. Gegenüber der Integrativen Drogenhilfe, auf der anderen Seite der Straße, stehen Innenminister Roman Poseck (CDU) und Timothy Giese, der den Einsatz im Bahnhofsviertel koordiniert. Giese sagt, die Situation an der Niddastraße habe sich vor allem in den vergangenen Wochen noch einmal verschärft. Mehr muss er nicht sagen. Als der Bürgersteig wieder frei ist von Abhängigen, sodass Fußgänger die Straße passieren können, bleiben Unmengen an Müll zurück. Verpackungen, Taschentücher, Kleidungsstücke, Fetzen von Papier. Einige Meter weiter stochert ein Mann in einem Gully herum, offenbar auf der Suche nach Resten von Crack. Fast überall riecht es nach Urin.„Die Polizei darf nicht wegschauen“Während der Großteil der Beamten an diesem Abend Personen kontrolliert, die sie der Dealerszene zuordnen, widmen sich andere Polizisten den Abhängigen. Die Kontrollen werden zu einer immer größeren Herausforderung. Giese sagt, die Polizei könne nicht wegschauen. Der offene Konsum sei nun einmal nicht erlaubt. Die Polizei erteile deshalb Platzverweise und zeige den Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz an. Zudem griffen die Beamten dort ein, wo Gehwege blockiert würden und kein Durchkommen mehr sei. Auf die Frage, inwiefern er die Integrative Drogenhilfe in der Pflicht sehe, vor deren Haustür sich das Geschehen abspiele, antwortet er: „Natürlich haben auch die Drogenhilfeeinrichtungen die Verpflichtung, für Ordnung vor ihren Türen zu sorgen.“Das jedoch geschieht an der Niddastraße vor der Integrativen Drogenhilfe nach Ansicht des Landes nicht in ausreichendem Maß. Giese sagt, dort seien zuletzt dreistellige Zahlen von Personen beobachtet worden, die auf den Bürgersteigen lagerten. Viele von ihnen brauchen medizinische Hilfe. Innenminister Poseck zufolge hat sich die Zahl der Abhängigen um 50 Prozent erhöht. Viele der „Neu-Konsumenten“ kämen aus anderen Bundesländern oder sogar aus dem Ausland. Natürlich müsse es für drogenkranke Menschen Hilfsangebote geben. Und natürlich müsse denen geholfen werden, die aus Frankfurt seien. „Aber Frankfurt darf nicht die Stadt sein, die Abhängige aus ganz Deutschland anzieht.“Poseck wendet sich an diesem Abend deshalb abermals an die Stadt. Es sei „deutlich, dass sich im Bahnhofsviertel etwas ändern muss“. Baustellen und Straßensperren prägten das Viertel. Wegen der aktuellen Bauarbeiten konzentrierten sich die Schwerstabhängigen nun auf wenige Straßen. Dadurch entstünden neue Konflikte und Eskalationsrisiken.„Das Bahnhofsviertel hat zudem wieder eine neue Anziehungskraft auf Drogensüchtige gewonnen“, so Poseck. Dadurch habe sich die Verwahrlosung gesteigert, außerdem werde Kriminalität angezogen. Die Gesamtsituation sei vor allem für Anwohner und Gewerbetreibende nicht zumutbar. Die Polizei hat angekündigt, die Kontrollen fortzuführen – auch in der offenen Drogenszene. Allerdings, sagte Poseck, stoße die Polizei langsam an ihre Grenzen. Deshalb müsse die Stadt dringend für Lösungen sorgen.