Eine aktuelle Studie des MIT Media Lab zeigt: Wer sich einen Monat lang auf KI-Systeme zur Faktenprüfung verlässt, wird anschließend schlechter darin, Falschinformationen selbst zu erkennen, sobald der Chatbot nicht mehr zur Verfügung steht. Dieses Phänomen erinnert an das sogenannte „Deskilling“: So wie Taschenrechner die mathematischen Fähigkeiten oder Navigationssysteme den Orientierungssinn schwächen können, scheint KI das kritische Denken zu beeinträchtigen.Anzeige

Chatbots würden als kognitive Krücke genutzt

Beim Wiedergeben von Nachrichten sind Chatbots oft unzuverlässig. Eines der zentralen Probleme bestehe darin, dass sie Fakten kaum von Meinungen trennen können. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie, in der ChatGPT, Microsoft Copilot, Google Gemini und Perplexity AI von 22 internationalen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten untersucht wurden. Fast die Hälfte aller KI-Antworten wies demnach mindestens ein erhebliches Problem auf: 31 Prozent hatten schwerwiegende Mängel bei den Quellenangaben und 20 Prozent enthielten schwere Sachfehler.

Laut MIT-Studie scheinen aber auch Nutzer:innen selbst durch den Einsatz von KI an Urteilsvermögen zu verlieren. Im Rahmen der Untersuchung wurden 67 Personen über einen Zeitraum von vier Wochen beim Bewerten von Schlagzeilen und Bildern beobachtet. Mit KI-Unterstützung erkannten sie Falschinformationen um 21 Prozent zuverlässiger. Ohne KI hingegen sank ihre Leistung in der vierten Woche um 15 Prozentpunkte unter das Ausgangsniveau. Etwa ein Viertel der Teilnehmer:innen glaubte dabei sogar, besser geworden zu sein – obwohl das Gegenteil der Fall war.Anzeige