Wir berichteten vor zwei Monaten über ein in Ludwigsfelde stadtbekanntes Phänomen. Die Frage war, wer das historisch belastete Areal der ehemaligen „Deutschlandhalle“ als Eigentümer bekommen sollte. Der Artikel wirbelte Staub auf, andere Medien folgten.

Die inzwischen getroffene Entscheidung zeigt nun exemplarisch, warum die Bürger der eigenen Gemeinde langsam den Glauben an die Tätigkeit örtlicher Politik verlieren. Denn die Frage ist: Werden die Einwohner überhaupt an wirklich sensiblen Entscheidungen ihrer Kommune beteiligt? Und könnte dieser interessante Fall auch in anderen deutschen Kommunen ähnlich passieren?

Standort historisch belastet

Die sogenannte Deutschlandhalle in Ludwigsfelde-Genshagen und der Umgang mit dem „historischen Erbe“ ist ein aktuelles Beispiel ostdeutscher Empfindungen. Die Geschichte dieser Halle ist dramatisch: Auf dem Werksgelände des Daimler-Benz Flugmotorenwerkes befand sich ab 1940 eine Endmontagehalle mit dem Namen „Deutschlandhalle“. Diese Halle war Teil eines großflächigen Rüstungsstandorts.

Mit dem Kriegsausbruch verschärfte sich der Arbeitskräftemangel im Werk. Deshalb wurden dort ab 1940 Kriegsgefangene und seit 1941 auch „Fremdarbeiter“ oder auch „Zwangsarbeiter“ in der Produktion eingesetzt. Dafür entstanden auf dem Betriebsgelände und in der unmittelbaren Umgebung mehrere Lager. Wie viele Menschen dabei starben, ist nicht genau bekannt.