Beim Bau des neuen Gutenberg-Museums, das spätestens 2032 am Mainzer Liebfrauenplatz wiedereröffnet werden soll, klafft eine große Lücke. Nicht nur auf dem Gelände selbst, sondern – im übertragenen Sinn – auch bei der Finanzierung. Die auf etwa 90 Millionen Euro geschätzten Kosten für die Umstrukturierung des Museums, das weiterhin an Johannes Gutenberg, die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern und mehr als 500 Jahre Mediengeschichte erinnern soll, scheinen zwar gedeckt. Wo genau das Geld für die Innenausstattung und vor allem den Betrieb des Museums herkommen soll, ist allerdings noch ungewiss. Das hat die aus einem Förderverein hervorgegangene Gutenberg-Stiftung am Dienstag in einem Pressegespräch deutlich gemacht.Nachdem das alte Gutenberg-Museum, konkret der bis dato als zentrale Ausstellungsfläche genutzte Schell-Bau von 1961, nun ja abgerissen sei, drohe „ein finanzielles und organisatorisches Fiasko“, sagte der Vorsitzende der Stiftung, Günter Jertz. Denn die Frage, wie eine funktionierende Trägerschaft für das zuletzt jährlich gut 150.000 Besucher zählende Museum aussehen könne, sei bisher unbeantwortet. Ebenso offen sei die Finanzierung des Betriebs des aus mehreren Gebäuden bestehenden Ensembles in direkter Nachbarschaft zum Dom. Hierfür seien rund vier Millionen Euro im Jahr zu veranschlagen.Gutenberg-Stiftung sieht Land in der PflichtVerärgert zeigten sich Jertz und seine Vorstandskollegen vor allem darüber, dass SPD und CDU bei den Koalitionsgesprächen auf Landesebene „kein einziges Wort“ über Modernisierung und Umgestaltung der weltweit bekannten Kultureinrichtung verloren hätten. Dabei gebe es schon seit Jahren den in einer eigens dafür geschaffenen Arbeitswerkstatt entwickelten Vorschlag, die Trägerschaft über eine Zuwendungsstiftung bürgerlichen Rechts zu regeln – an der sich außer der Stadt Mainz und dem Land Rheinland-Pfalz gerne auch der Bund sowie weitere Partner beteiligen könnten.Augenweide: Auch am Interimsstandort, der vermutlich noch bis 2032 gebraucht wird, zählen die Gutenberg-Bibeln bei Besuchern zu den Hauptattraktionen.Frank RöthWährend die Freunde und Förderer des Museums es für überfällig halten, dass sich das Land zu einem „klaren Bekenntnis für Gutenberg“ durchringe, sieht sich die Stadt bei den bisher offenbar eher im Hintergrund geführten Gesprächen über eine mögliche gemeinsame Trägerschaft noch im Zeitplan. Allerdings sei mit der Landtagswahl und den neuen Zuschnitten in den Ministerien „ein kurzes Einhalten“ verbunden gewesen, sagte der ehrenamtliche Dezernent Ludwig Holle (CDU) am Dienstag. Aktuell ist er noch für Bauen, Denkmalpflege und Historisches Erbe zuständig. Die Verantwortung für das Gutenberg- und das Naturhistorische Museum soll nach den Vorstellungen der Union im Lauf des Jahres an die ebenfalls ehrenamtlich arbeitende neue Beigeordnete Claudia Siebner (CDU) übergehen.Holle versicherte, dass die Stadtspitze die Sorgen hinsichtlich der künftigen Trägerschaft und der Betriebskosten nachvollziehen könne. Er sagte aber auch, dass der Bund gerade erst einen Zuwendungsbescheid in Höhe von 7,5 Millionen Euro für das erforderliche Szenographie-Konzept nach Mainz geschickt habe. Auch der Umbau des von der Kommune zusätzlich erworbenen, an das Museum angrenzenden Hotels Schwan werde mit einer Million Euro vom Bund unterstützt. Für die Modernisierung der in der Altstadt gelegenen Kultureinrichtung stehen laut Holle außerdem bis zu 25 Millionen Euro zur Verfügung, die in den nächsten Jahren aus einem Extratopf für die Landeshauptstadt entnommen werden dürften. Befürchtungen, dass sich die Kommune den teuren Neubau am Ende womöglich ganz sparen wolle und sich mit der beengten Interimslösung im Naturhistorischen Museum zufriedengeben könnte, wies Holle zurück.Aus Sicht der Stiftung sollte sich nun der ganze Stadtvorstand und allen voran der parteilose Oberbürgermeister Nino Haase dafür einsetzen, dass das Gutenberg-Museum seinem Ruf als „Aushängeschild“ auch gerecht werde. So könne die Medien- und Demokratiegeschichte dort künftig mithilfe von Digitaltechnik und Künstlicher Intelligenz erzählt werden. Noch klafften Anspruch und Wirklichkeit bei dem Großprojekt auseinander, so das Fazit der Stiftung. Sie warnt davor, mit einem verkleinerten Weltmuseum der Druckkunst fortan lediglich die „touristische Grundversorgung“ sicherstellen zu wollen.