Es gibt Sätze, die ein Berufsleben beenden können. Kay-Achim Schönbach hat das im Januar 2022 in Neu-Delhi am eigenen Leib erfahren: Wenige Bemerkungen über Respekt gegenüber Russland und Wladimir Putin – und der damalige Inspekteur der Marine war seinen Posten los. Knapp vier Jahre später, mit Krieg in der Ukraine, einer Nato-Ostflanke in Habachtstellung und einem multinationalen Marinehauptquartier der Nato in Rostock, das Moskau als Vertragsbruch geißelt, bekommt jeder dieser Sätze ein neues Gewicht. Grund genug, mit dem Vizeadmiral a.D. ausführlich zu sprechen – über das CTF Baltic, den Zwei-plus-Vier-Vertrag, die Versäumnisse deutscher Russlandpolitik und die Frage, was ein pensionierter Admiral heute klar benennen kann, was ein aktiver niemals dürfte.

„Chance vertan“ – Rückblick auf 2022

Herr Schönbach, Sie selbst mussten 2022 als Inspekteur der Marine zurücktreten, nachdem Sie öffentlich für mehr diplomatische Augenhöhe gegenüber Russland plädiert hatten. Mit knapp vier Jahren Abstand und Blick auf die heutige sicherheitspolitische Lage in der Ostsee: Würden Sie Ihre damaligen Einschätzungen heute anders formulieren?Nein. Man darf nicht vergessen: Meine Aussagen erfolgten vor dem Kriegsausbruch und waren die Antwort auf die Frage, wie man einen Krieg in der Ukraine verhindern bzw. die Beziehungen mit der Russischen Föderation so gestalten könnte, um die verschiedenen Konfliktfelder auszugleichen. Das absurde Framing, mich zum über Nacht radikalisierten Russlandunterstützer zu stempeln, den man besser aus der Bundeswehr entfernte, stand im krassen Widerspruch zu allem, was ich bis dato zu Russland gesagt hatte. Das wussten auch meine Vorgesetzten. Wenige Jahre zuvor, als spätere Bundesministerinnen noch Trampolin gesprungen sind, habe ich im deutschen Fernsehen auf die Bedrohung durch die stärker werdende russische Marine, insbesondere in der Ostsee, aufmerksam gemacht und vor ihr gewarnt. Aber sei’s drum.