PfadnavigationHomeWissenschaft„Außergewöhnlicher Fund“Ein jahrzehntelang verschütteter Mittelalter-Keller unter Berlin erstaunt ExpertenStand: 11:31 UhrLesedauer: 3 MinutenEin Steinkeller eines bislang unbekannten Gebäudes aus dem Spätmittelalter wurde in Berlins historischer Mitte ausgegrabenQuelle: Jens Kalaene/dpaBei Ausgrabungen stoßen Archäologen mitten in Berlin auf einen erstaunlich gut erhaltenen Keller aus dem Mittelalter. Die Experten finden neben den Mauern noch andere Gegenstände und Merkmale, die auf das dazugehörige Haus schließen lassen.Mittelalterliche Bauwerke oder deren Überreste haben sich im Berliner Stadtbild nur an wenigen Orten erhalten. Neben der Nikolaikirche, der Marienkirche und den Ruinen des Franziskanerklosters zählen hierzu vor allem die Reste der Berliner Stadtmauer an der Littenstraße.Nun haben Archäologen in Berlins historischer Mitte die Überreste eines bislang unbekannten mittelalterlichen Bauwerks entdeckt. Bei Ausgrabungen am Molkenmarkt wurde ein großer Steinkeller aus dem 14. oder frühen 15. Jahrhundert freigelegt, wie das Landesdenkmalamt mitteilte.„Der Steinkeller diente möglicherweise als Kauf- und Handelskeller und gehörte zu einem bislang unbekannten, großen und repräsentativen Bauwerk des späten Mittelalters“, erklärte der wissenschaftliche Projektleiter Eberhard Völker vom Landesdenkmalamt Berlin bei einem Presserundgang. Lesen Sie auchBemerkenswert sei dabei die exponierte Lage des Gebäudes in unmittelbarer Nähe zum mittelalterlichen Rathaus und zum Hohen Haus, dem Sitz der askanischen Markgrafen.Der Fund gilt als ungewöhnlich, weil der Keller für die damalige Zeit vergleichsweise groß ist und über Jahrhunderte erhalten blieb. Er misst mindestens 8,50 Meter in der Länge und fast 7,50 Meter in der Breite. Entdeckt wurden unter anderem Mauerreste, Nischen sowie Licht- und Lüftungsöffnungen. Trotz mehrerer Um- und Ausbauten blieb der Keller demnach in seinen Grundzügen weitgehend erhalten. So war der Keller ursprünglich vermutlich mit einer Balkendecke ausgestattet, die bereits im 16. Jahrhundert durch ein Tonnengewölbe ersetzt wurde.Lesen Sie auchErst durch Kriegseinwirkungen wurde das Bauwerk zerstört. Die Verfüllung und Versiegelung des Geländes nach 1945 trugen dem Landesdenkmalamt zufolge dazu bei, dass die Überreste ungewöhnlich gut erhalten blieben.„Der freigelegte Steinkeller ist ein außergewöhnlicher Fund von großer Bedeutung für die Berliner Stadtgeschichte“, erklärte Christoph Rauhut, Landeskonservator und Direktor des Landesdenkmalamtes Berlin. „Aufgrund seines guten Erhaltungszustandes eignet sich das Bauwerk in besonderer Weise, als archäologisches Fenster dauerhaft sichtbar und erlebbar gemacht zu werden. Diesen Vorschlag werden wir in den weiteren Planungsprozess einbringen.“Seit 2019 wird am Molkenmarkt gegraben. Bis zum geplanten Grabungsende 2027 werden zusammenhängend etwa 25.000 Quadratmeter bis in eine Tiefe von vier Metern untersucht sein. Das Befund- und Fundspektrum reicht von der mittelalterlichen Stadtgründung bis in das 20. Jahrhundert hinein. Dazu gehören bisher ein bis zu sieben Meter breiter und 50 Meter langer Bohlendamm (um 1230), über 100 Brunnen und Latrinen (13. bis 18. Jahrhundert), mittelalterliche Keller- bzw. Hausreste aus Holz, Lehmkuppelöfen und Schmieden sowie mehrere parallel zueinander verlaufende Gräben aus dem 13. Jahrhundert. Weiterhin konnten urgeschichtliche und vor allem steinzeitliche Bereiche erfasst werden.Laut Bausenator Christian Gaebler gehört das Projekt zu den größten stadtarchäologischen Untersuchungen Deutschlands. In den kommenden Tagen soll der nun freigelegte Keller zunächst wieder verfüllt werden, um ihn vor Umwelteinflüssen zu schützen.lpi mit dpa
Archäologie: „Außergewöhnlicher Fund“ – Mittelalter-Keller unter Berlin erstaunt Experten - WELT
Bei Ausgrabungen stoßen Archäologen mitten in Berlin auf einen erstaunlich gut erhaltenen Keller aus dem Mittelalter. Die Experten finden neben den Mauern noch andere Gegenstände und Merkmale, die auf das dazugehörige Haus schließen lassen.






