PfadnavigationHomeRegionalesHamburgBlock-ProzessErmittlungen gegen mutmaßliche Helfer der Kindesentführer wieder aufgenommenStand: 11.06.2026Lesedauer: 4 MinutenChristina Block, Rechtsanwalt Ingo Bott (2.v.l., vorne) und ihr Lebensgefährte Gerhard Delling (l., hinten) im Gerichtssaal im StrafjustizgebäudeQuelle: Georg Wendt/dpa-pool/dpaAm 54. Verhandlungstag im Entführungsprozess gegen Christina Block wird Kinderpsychologe Stefan Rücker weiter befragt. Parallel nehmen die Ermittler drei früher entlastete Personen aus Baden-Württemberg erneut ins Visier.Der Prozess um die mutmaßliche Entführung der Block-Kinder nimmt an zwei Fronten Fahrt auf: Im Gerichtssaal des Hamburger Landgerichts wurde am Donnerstag der Kinderpsychologe Stefan Rücker weiter als Zeuge vernommen. Gleichzeitig hat die Hamburger Staatsanwaltschaft im Umfeld des Verfahrens die Ermittlungen gegen einen Mann aus der Region Pforzheim und zwei seiner Familienangehörigen wieder aufgenommen.Lesen Sie auchAm 54. Verhandlungstag steht erneut die Rolle Rückers im Mittelpunkt. Der Psychologe hatte Christina Block im Jahr 2022 über mehr als 100 Stunden beraten und dabei fachliche Einschätzungen zum Thema „Eltern-Kind-Entfremdung“ erstellt. Darin kam er zu dem Ergebnis, die beiden jüngsten Kinder Klara und Theo seien „vom Vater eindeutig manipuliert“ worden. Zudem erarbeitete Rücker ein sogenanntes „Rückführungskonzept“, in dem unter anderem empfohlen wurde, einen Reisebus für den Transport der Kinder zu verwenden. Vor Gericht betonte Rücker bereits, dieses Konzept sei stets unter der Prämisse erstellt worden, dass eine Rückführung auf legalem und freiwilligem Weg erfolge. Am Donnerstag wird er vor allem von den Anwälten der Verteidigung befragt.Die Aussage des Psychologen gilt als brisant, weil das von ihm erstellte Konzept in Teilen Parallelen zur späteren Entführungsaktion aufweist. Laut Medienberichten zahlte Block für Rückers Arbeit Honorare in Höhe von rund 40.000 Euro.Lesen Sie auch„Es war für mich ein Anliegen, Brücken zu bauen“, sagte der 54-Jährige am Donnerstag vor dem Landgericht Hamburg. Er habe die Eltern wieder an einen Tisch bringen wollen. Dazu habe er mehrmals Gespräche mit dem Familienanwalt des Ex-Mannes geführt, da er den Juristen schon lange gekannt habe. Jedoch habe man keine gemeinsame Lösung gefunden.Der Psychologe setzte am 54. Prozesstag seine Aussage fort, die er bereits im Januar begonnen hatte. Die Verteidigung der angeklagten Unternehmerin Christina Block hatte Gelegenheit, Fragen zu stellen. Der Psychologe aus Bremen hatte Block lange Zeit beraten, nachdem ihr Ex-Mann die beiden jüngsten Kinder nach einem Wochenendbesuch im August 2021 in Dänemark nicht zurück nach Hamburg gebracht hatte. Der Zeuge ist nach seinen Worten auf die Beratung von „Trennungseltern“ spezialisiert.Christina Block, Tochter des Gründers der Steakhaus-Kette „Block House“, Eugen Block, soll nach einem erbitterten Sorgerechtsstreit die Entführung ihres damals zehn Jahre alten Sohns und der 13-jährigen Tochter aus Dänemark in Auftrag gegeben haben. Sie bestreitet das. Eine israelische Sicherheitsfirma, die die Kinder in der Silvesternacht 2023/2024 gewaltsam nach Deutschland geholt haben soll, habe auf eigene Faust gehandelt, hatte sie erklärt. Es gibt noch sechs weitere Angeklagte.Lesen Sie auchParallel zu den Verhandlungen sorgt die Wiederaufnahme der Ermittlungen gegen den Pforzheimer und zwei Verwandte für Aufsehen. Die Hamburger Staatsanwaltschaft hatte die Ermittlungen gegen damals vier Personen im vorigen Jahr eingestellt. „Vier weitere Personen, die in den Ankauf des Wohnmobils verwickelt waren und den mutmaßlichen Entführern mit den Kindern bis zum 2. Januar 2024 Unterschlupf in Baden-Württemberg gewährten, hatten nach dem Ermittlungsergebnis unwiderlegbar nichts von den Tathintergründen gewusst“, hieß es damals. Nun habe die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen drei der vier Personen wiederaufgenommen, bestätigte Sprecherin Mia-Christine Sperling-Karstens. Anlass seien Erkenntnisse aus einem gesonderten Ermittlungsverfahren, das weitere mutmaßlich Beteiligte an den Geschehnissen in der Silvesternacht 2023/24 betreffe. Hinsichtlich eines Familienmitglieds sei es bei der Verfahrenseinstellung geblieben. Zuvor hatten die „Badischen Neuesten Nachrichten“ berichtet.Seit Juli 2025 laufender MammutprozessIn der Silvesternacht 2023/24 waren die beiden jüngsten Kinder der Gastronomie-Unternehmerin Christina Block vom Wohnort des Vaters Stephan Hensel in Dänemark nach Deutschland gebracht worden. Die Kinder wurden zunächst auf einen Bauernhof in Baden-Württemberg und von dort nach Hamburg zu ihrer Mutter gebracht. Nach wenigen Tagen mussten sie aufgrund einer Gerichtsentscheidung wieder zum Vater zurückkehren.Lesen Sie auchIn dem seit Juli 2025 laufenden Mammutprozess muss sich Christina Block (53), Tochter des Gründers der Steakhaus-Kette „Block House“, Eugen Block, gemeinsam mit sechs Mitangeklagten vor dem Hamburger Landgericht verantworten. Unter ihnen ist auch ihr Lebensgefährte, der frühere „Sportschau“-Moderator Gerhard Delling (66), dem Beihilfe vorgeworfen wird. Die Staatsanwaltschaft wirft Block vor, eine israelische Sicherheitsfirma nach einem jahrelangen Sorgerechtsstreit mit der Entführung der Kinder beauftragt zu haben. Block bestreitet die Vorwürfe.Das Verfahren wurde zuletzt bis zum 18. Dezember 2026 terminiert – mit mittlerweile 54 Verhandlungstagen ist es eines der umfangreichsten Strafverfahren, die Hamburg in den vergangenen Jahren erlebt hat.dfe