PfadnavigationHomeSportFußballWMWM-Pressekonferenz„Trumpsches Geschwafel ...“ – was die Medien von Infantinos Auftritt haltenStand: 10:13 UhrLesedauer: 5 MinutenDie Fußball-Weltmeisterschaft in Mexiko startet mit dem Eröffnungsspiel zwischen Gastgeber Mexiko und Südafrika. Rund um das Aztekenstadion ist die Vorfreude groß. WELT-Reporter Steffen Schwarzkopf hat die Stimmung vor dem WM-Auftakt in Mexiko-Stadt eingefangen.Gianni Infantino gibt zum Start der WM eine Pressekonferenz. Auf dieser reagiert der Fifa-Chef trotzig, geht auf heikle Punkte nicht ausreichend ein – und agiert zunehmend wie sein Vertrauter Donald Trump. Die internationalen Pressestimmen im Überblick.Fifa-Chef Gianni Infantino hat eine seiner seltenen Pressekonferenzen abgehalten, sich zur Wehr gesetzt und Kritik an den hohen Ticketpreisen bei der Weltmeisterschaft zurückgewiesen. Die Preise seien „angemessen“, sagte der Präsident des Fußball-Weltverbandes in Mexiko-Stadt, wo an diesem Donnerstag das WM-Auftaktspiel zwischen Mexiko und Südafrika stattfindet (21.00 Uhr, im Sport-Ticker der WELT). Zugleich bezeichnete er den Fall eines von den USA an der Grenze abgewiesenen Schiedsrichters aus Somalia als „unglücklich“ – und verteidigte seine Freundschaft zu US-Präsident Donald Trump. Die Fifa steht wegen der hohen Ticketpreise massiv in der Kritik, diese liegen in Einzelfällen bei mehr als 30.000 Dollar (26.000 Euro). Mehrere US-Bundesstaaten untersuchen bereits möglichen Ticketwucher. Infantino verwies nun in seiner von Beobachtern als „trotzig“ bezeichneten Pressekonferenz in Mexiko-Stadt darauf, dass auch Tickets für 60 Dollar angeboten worden seien. Davon gab es allerdings nur wenige.Zu dem von den USA nicht ins Land gelassenen Schiedsrichter Omar Artan sagte Infantino: „Es ist unglücklich, was dem Schiedsrichter aus Somalia widerfahren ist.“ Offensichtlich mit Blick auf die breite Kritik an dem Fall riet der Schweizer der Öffentlichkeit, „sich zu entspannen“. Es bringe nichts, sich „anzuschreien und zu brüllen“. Infantino verwies zugleich darauf, dass die Fifa den Regierungen der Gastgeberländer nichts vorschreiben könne.Der Fifa-Chef verteidigte zudem erneut seine enge Beziehung zu Trump. Er sei „sehr froh“ über das „sehr gute Verhältnis“ zum US-Präsidenten. Ohne dessen Engagement und Einbindung „wäre es meiner Meinung nach schlicht unmöglich gewesen, eine WM in den Vereinigten Staaten zu organisieren“. Infantinos Vorstellung wird von den internationalen Kommentatoren kritisch gesehen. Ein Überblick.EnglandIndependent: „Gianni Infantinos Trumpsches Geschwafel ist ein chaotischer Start in die Weltmeisterschaft. (...) All dies verdeutlichte nur, wie sehr Infantino im Umfeld von Trump verankert ist, bis hin zu dem Punkt, an dem er tatsächlich wie dieser klingt. Er kann alles sagen. Ernsthafte Einwände werden nicht zugelassen. Infantino hatte seit drei Jahren keine richtige Pressekonferenz mehr abgehalten, und man hat leicht den Eindruck, dass dies immer noch nicht der Fall ist.“Lesen Sie auchThe Sun: „Im krassen Gegensatz zu seiner viel verspotteten Rede ,Heute fühle ich mich homosexuell‘ vor der Weltmeisterschaft 2022 in Katar versuchte der Chef des Weltfußballs, die Fifa als die Guten darzustellen.“BBC: „Wenn man Fifa-Präsident Gianni Infantino zuhört, könnte man meinen, die Kontroverse um die WM in den letzten Tagen sei unbedeutend gewesen. ,Einfach mal die Ruhe bewahren, sich entspannen‘, sagte Infantino. Schließlich ist es ja nicht so, als wäre einem seiner Schiedsrichter die Einreise in die Vereinigten Staaten verweigert worden. Oder als wäre der irakische Stürmer Aymen Hussein mehrere Stunden lang an einem Flughafen in Chicago befragt worden, bevor er ins Land gelassen wurde. Und schon gar nicht, als wäre der Iran gezwungen worden, sein Quartier nach Mexiko zu verlegen, als wären die Tickets aller Fans von den US-Behörden storniert worden und als wären den Mitgliedern der Delegation die Visa verweigert worden.Natürlich sind all diese Vorfälle tatsächlich eingetreten, und dies war Infantinos Chance, sich für die Fifa einzusetzen und den somalischen Schiedsrichter Omar Artan zu unterstützen, dem der Höhepunkt seiner Karriere entrissen worden war. Die US-Regierung für die Art und Weise zu kritisieren oder in Frage zu stellen, wenn nicht gar zu verurteilen, wie das Turnier vor seinem Beginn gehandhabt wurde, das ist nicht geschehen.“USAThe Athletic: „Der Gedanke kam auf, dass es vielleicht tatsächlich unmöglich sei; dass die Zugeständnisse, die Reibungen und die menschlichen Kosten bereits eine unsichtbare Schwelle überschritten hätten; dass es, wenn es so weit ist, kein Zurück mehr von dieser brisanten Weltmeisterschaft geben wird, die einem Todesstern gleicht, keine Rückkehr in die Zeit vor dem Weltuntergang. Für Infantino sind das jedoch alles nur Diskussionspunkte, kleine Hürden, die es auf dem Weg zu unserer glorreichen FIFA-Zukunft zu überwinden gilt.“MexikoMediotiempo: „Obwohl die WM 2026 als teuerste in der Geschichte der Weltmeisterschaften gilt, verteidigte Fifa-Präsident Gianni Infantino die Ticketpreise mit dem Hinweis, es handele sich um ,ein einzigartiges Erlebnis‘“.Récord: „Es ist nur noch eine kurze Zeit bis zum Beginn der Weltmeisterschaft, doch an keinem der Austragungsorte ist eine allgemeine Euphorie zu spüren. Proteste in Mexiko, Razzien gegen Migranten in den Vereinigten Staaten und Schießereien in Kanada prägen die Zeit vor dem Start des Turniers. (...) In diesem Zusammenhang sind vor allem die hohen Ticketpreise auf heftige Kritik gestoßen, doch Fifa-Präsident Gianni Infantino blieb bei seiner Haltung, die Preise zu rechtfertigen.“ESTO: „Gianni Infantino versicherte, dass er keinen Einfluss auf geopolitische Entwicklungen habe, die über die Zuständigkeit der Fifa hinausgehen.“SchweizBlick: „So spektakulär und kontrovers wie vor dreieinhalb Jahren in Katar ist die Pressekonferenz vor der WM-Eröffnung dieses Mal nicht. Dennoch hält sich Gianni Infantino mit Lob für die eigene Arbeit nicht zurück. (...) Doch im Gegensatz zu 2022, als er in Katar versuchte, eine epische Rede zu halten, verzichtete der Walliser auf allzu viel Pathos.“Tagesanzeiger: „Iran, Tickets und Visa – alles kein Problem für Gianni Infantino.“