PfadnavigationHomePolitikAuslandEskalation am GolfUS-Militär bombardiert Iran mit 49 Tomahawks – Teheran meldet Sperre der Straße von HormusStand: 06:56 UhrLesedauer: 5 MinutenUS-Streitkräfte haben „iranische militärische Überwachungsfähigkeiten, Kommunikationssysteme und Luftverteidigungsanlagen im gesamten Iran“ ins Visier genommen, wie das zuständige Regionalkommando (Centcom) mitteilte.Der militärische Konflikt zwischen den USA und dem Iran ist in der Nacht zum Donnerstag erneut eskaliert. Beide Seiten überzogen sich mit Angriffen – und widersprüchlichen Behauptungen.Das US-Militär hat eigenen Angaben zufolge seine jüngste Runde von Luftangriffen gegen den Iran abgeschlossen. Die Streitkräfte haben „iranische militärische Überwachungsfähigkeiten, Kommunikationssysteme und Luftverteidigungsanlagen im gesamten Iran“ ins Visier genommen, wie das für den Nahen Osten zuständige Regionalkommando (Centcom) am Donnerstag mitteilte. „Die Angriffe erfolgen als Reaktion auf die unbegründete und anhaltende Aggression des Irans“, erklärte Centcom. „US-Streitkräfte bleiben wachsam, schlagkräftig und einsatzbereit.“Die USA hätten den Iran mit 49 Tomahawk-Marschflugkörpern angegriffen, sagte Trump nach Angaben eines Reporters des Fernsehsenders Fox News. Einige der ins Visier genommenen Ziele lagen demnach nur rund 60 Kilometer von Teheran entfernt. Lesen Sie auchDer Iran drohte mit Vergeltung. Irans Streitkräfte attackierten nach eigenen Angaben als Reaktion auf die US-Angriffe im Süden des Landes Ziele in den Golfstaaten Bahrain und Kuwait. In Bahrain sei das regionale Hauptquartier der US-Marine mit Kamikazedrohnen attackiert worden, hieß es in einer vom staatlichen Rundfunk verbreiteten Erklärung der Armee. Der Angriff zielte demnach auf Flugabwehrsysteme vom Typ Patriot. Kuwait schloss am Morgen vorerst seinen Luftraum. Ankommende Flüge würden zu anderen Airports umgeleitet, erklärte die Luftfahrtbehörde. Später meldeten die Revolutionsgarden auch noch einen Raketenangriff auf ein US-Kommandozentrum in Jordanien. Iran erklärt Straße von Hormus für „komplett geschlossen“ – USA widersprechenZwischenzeitlich überzogen sich die USA und der Iran mit völlig gegensätzlichen Darstellungen zur derzeitigen militärischen und politischen Lage. Während staatliche iranische Medien meldeten, die strategisch wichtige Straße von Hormus sei gesperrt und US-Schiffe seien attackiert worden, dementierte das US-Militär umgehend. Es seien keine US-Kriegsschiffe getroffen worden, teilte das US-Zentralkommando mit. Auch die iranische Behauptung, die strategisch wichtige Meerenge sei gesperrt, wies das Centcom zurück und erklärte dagegen, Handelsschiffe passierten die Meerenge weiterhin. Auch auf politischer Ebene bleiben die Aussagen widersprüchlich: US-Präsident Donald Trump erklärte, er stehe in direktem Kontakt mit der Führung in Teheran und wolle die Angriffe bald stoppen, weil der Iran ihn darum gebeten habe. Ein hochrangiger iranischer Regierungsvertreter wies dies als falsche Behauptung und Vorwand Trumps zurück, um einen Krieg zu vermeiden.Berichte über Angriffe bei TeheranNahe der iranischen Hauptstadt Teheran ereigneten sich mitten in der Nacht mehrere Explosionen. Der staatliche iranische Rundfunk meldete Explosionen in der Pendlermetropole Karadsch, die nur wenige Kilometer von der Millionenstadt Teheran entfernt liegt. Weiter westlich von Karadsch seien Kampfdrohnen gesichtet worden. In den sozialen Medien gab es mehrere Berichte über eine Angriffswelle nahe der Hauptstadt, nachdem das US-Militär zuvor Ziele an der mehr als 1000 Kilometer entfernten Südküste des Irans bombardiert hatte. Ein als Vahid bekannter Online-Journalist berichtete auf Telegram über mehrere Explosionen bei Karadsch, die Gebäude und Fenster zittern ließen und Bewohner aus dem Schlaf rissen.„Zwei furchtbare Explosionsgeräusche kamen aus Richtung Karadsch. Sie haben wieder zugeschlagen“, zitierte er einen Bewohner. „Sie haben wohl den Pajam-Flughafen getroffen. Ich bin drei Meter hoch aus dem Schlaf gesprungen“, habe ihm ein anderer Iraner geschrieben.Auch südöstlich von Teheran in Waramin gab es Explosionen, wie die staatliche Nachrichtenagentur Irna berichtete. Offiziell äußerten sich die Behörden nicht zur Ursache.„Wir werden sie heute wieder hart treffen“Centcom bezeichnete die US-Angriffe als „Selbstverteidigungsschläge“. Kurz zuvor hatte Trump bereits weitere Angriffe für „heute“ angekündigt. „Sie haben zu lange gebraucht, um einen für sie großartigen Deal auszuhandeln, jetzt müssen sie die Konsequenzen tragen!“, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social mit Blick auf die sich seit Wochen hinziehenden Verhandlungen über ein Rahmenabkommen zwischen den beiden Ländern.„Wir werden sie heute wieder hart treffen“, sagte Trump dann wenige Stunden später im Weißen Haus. „Wir standen kurz vor einem Abkommen, aber sie halten uns hin, sie halten uns weiterhin zum Narren.“ Er wollte sich nicht dazu äußern, ob das auch Angriffe auf Brücken und zivile Infrastruktur beinhalten würde. Damit hatte Trump dem Iran zu Beginn des Kriegs gedroht und war dafür international scharf kritisiert worden. Er forderte den Iran auf, ein Abkommen mit den USA zu unterzeichnen. „Wir standen kurz vor einem Abkommen, aber sie halten uns immer wieder hin“, sagte Trump. In der Nacht zum Mittwoch hatten sich die beiden Seiten nach dem Absturz eines US-Kampfhubschraubers Gefechte geliefert.Auch in den vergangenen Tagen AngriffeIn den vergangenen Tagen kam es trotz einer Waffenruhe im Iran-Krieg zu gegenseitigem Beschuss. Am Sonntag feuerten Irans Streitkräfte gut zwei Monate nach Beginn der Feuerpause erstmals wieder Raketen auf Israel. Israel griff daraufhin Ziele im Iran an. Trump rief beide Staaten zu einer sofortigen Waffenruhe auf, woraufhin beide Seiten erklärten, ihre Angriffe einzustellen.In der Nacht zu Mittwoch bombardierte das US-Militär als Reaktion auf den Abschuss eines Apache-Kampfhubschraubers eigenen Angaben zufolge im Iran Flugabwehranlagen, Bodenkontrollstationen und Radaranlagen. Trump hatte zuvor den Iran für den Absturz verantwortlich gemacht und Vergeltung angekündigt. Iranischen Angaben zufolge wurden bei den Bombardierungen mit zwei Wasserspeichern auch zivile Infrastruktur zerstört.Lesen Sie auchDerweil hat das US-Militär hat nach Angaben von US-Präsident Trump Öltanker und andere Handelsschiffe in einer „geheimen Mission“ dabei unterstützt, die Straße von Hormus zu durchqueren. Er habe dies im vergangenen Monat angeordnet, schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social, ohne genauere Angaben zu der Unterstützung zu machen. „Heute freue ich mich, bekannt zu geben, dass diese Bemühungen dazu geführt haben, dass mehr als 100 MILLIONEN Barrel Öl die Straße durchquert haben und auf den freien Markt gelangt sind“, schrieb er. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur wurden im vergangenen Jahr pro Tag im Schnitt 20 Millionen Barrel an Rohöl und Ölprodukten durch die Meerenge transportiert. Trump schrieb weiter, dass mehr als 200 Handelsschiffe die Meerenge sicher durchquert hätten. Eine unabhängige Bestätigung für seine Angaben gab es zunächst nicht. Zuvor hatte der Präsident im Weißen Haus bereits vor Reportern vage von dem US-Vorgehen gesprochen und gesagt, dass er nun offen darüber reden könne, weil der Iran es herausgefunden habe. AP/Reuters/dpa/lay/saha/ceb/ll