SpaceX wird der grösste Börsengang der Geschichte: Das sind die zehn wichtigsten Fragen und Antworten dazuDas Raumfahrtunternehmen SpaceX kommt an die Börse und heizt die Euphorie im Technologiesektor weiter an. Anleger hoffen auf Kurssteigerungen, doch der Börsengang hat auch einige Risiken.11.06.2026, 05.30 Uhr7 LeseminutenEine Starship-Rakete von SpaceX auf dem Weg zur Abschussrampe für einen Testflug im vergangenen August.Steve Nesius / ReutersEs ist ein Debüt der Superlative: Am Freitag kommt SpaceX an die Börse. Die Firma ist in den Bereichen Raumfahrt, Satelliten und künstliche Intelligenz (KI) tätig und wird von Elon Musk kontrolliert. Mit der Transaktion könnte SpaceX rund 75 Milliarden Dollar einnehmen.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Damit würde der Börsengang zum bisher grössten der Welt. Bisher liegt hier das Initial Public Offering (IPO) des Erdölkonzerns Saudi Aramco aus dem Jahr 2019 vorne, dieser Börsengang spielte 29,4 Milliarden Dollar ein.Der Gesamtwert von SpaceX würde in der Folge rund 1800 Milliarden Dollar betragen. Mit dem SpaceX-IPO werden nur rund 5 Prozent der Anteile an dem Unternehmen frei handelbar. Das Unternehmen bietet 555,6 Millionen Aktien zu einem festen Preis von 135 Dollar pro Aktie an. An der Technologiebörse Nasdaq soll SpaceX zukünftig unter dem Kürzel «SPCX» gehandelt werden. Das sind die wichtigsten Fragen und Antworten zu dem Börsengang.1. Was gehört alles zu SpaceX?SpaceX ist eine Art Konglomerat, ein Mischkonzern verschiedener Firmen. Die einen sind erfolgreich, die anderen weniger. Zur Firma gehört einerseits die Raketensparte, der es als erster gelang, Raketen ins All zu schicken und Teile davon wieder kontrolliert auf der Erde landen zu lassen und wiederzuverwenden.Im Februar dieses Jahres kaufte SpaceX zudem Elon Musks KI-Firma xAI für 250 Milliarden Dollar auf, zu der auch das soziale Netzwerk X, ehemals Twitter, gehört. Hinzu kommt die Sparte Connectivity mit dem Satellitennetzwerk Starlink. Dieses bringt Satelliteninternet in die entlegensten Orte der Welt. Es ist die einzige Sparte, die profitabel ist, der Rest befindet sich in der Verlustzone.Anlageexperten der liechtensteinischen VP Bank kommentieren, SpaceX vereine statt eines homogenen Geschäftsmodells mehrere Segmente mit sehr unterschiedlicher Ertragslogik. Bisher hätten die grössten US-Technologieunternehmen mit Geschäftsmodellen überzeugt, die wenig Kapital benötigt und hohe Margen abgeworfen hätten. Nun verschiebe sich der Fokus im Sektor «von stabilen Cashflows zu unsicheren Zukunftserwartungen».Dafür stehe SpaceX exemplarisch. Das Satelliten-Internet-Geschäft Starlink sehen die Experten der Bank als den einzig planbaren Pfeiler des Konzerns. Das Weltraum-Geschäft mit Raketenstarts sei strukturell schwächer und kapitalintensiv. Bei den Zukunftsprojekten – also den Raketensystemen und der KI-Rechenzentren – würden hohe Investitionen auf lange Entwicklungszyklen und eine unsichere Monetarisierung treffen.2. Wie ist die hohe Bewertung von SpaceX einzuordnen?SpaceX machte im vergangenen Jahr 18,7 Milliarden Dollar Umsatz und einen Verlust von 4,9 Milliarden Dollar. In diesem Kontext ist die erwartete Bewertung von rund 1800 Milliarden Dollar extrem hoch. Zum Vergleich: Unternehmen des Börsenindexes S&P 500 waren Ende 2025 etwa mit dem Dreifachen ihrer Jahresumsätze bewertet – die geschätzte Bewertung von SpaceX entspräche dem Hundertfachen des Jahresumsatzes der Firma.Anleger, die in SpaceX investieren, sollten sich bewusst sein, dass sie sich in eine grosse Wette einkaufen. Diese kann aufgehen – aber auch nicht.Im Börsenprospekt nennt SpaceX astronomisch hohe Ziele: Das Unternehmen will unter anderem Systeme und Technologien herstellen, um Leben interplanetar zu machen und «das Licht des Bewusstseins zu den Sternen tragen».Zuerst soll eine Mondbasis entstehen und danach der Mars kolonialisiert werden. Im Weltraum sollen zudem Rechenzentren entstehen, die für das Trainieren und Betreiben von künstlicher Intelligenz gebraucht werden könnten. Für den Transport ins All will SpaceX auf seine Raketen zurückgreifen, die Sparte Starlink liefert die nötigen Satelliten.Künftige Märkte sieht das Unternehmen etwa im Weltraumtourismus, in der Raumfracht, industrieller Produktion im Weltraum oder im «Asteroidenbergbau» – dem Abbau von Metallen wie Nickel, Kobalt oder seltenen Erden auf Kleinplaneten.3. Wie viel Kontrolle wird Elon Musk ausüben?SpaceX hat zwei verschiedene Aktienkategorien. Bei Aktien der Klasse A erhalten Anleger eine Stimme pro Aktie, bei jenen der Klasse B erhalten sie zehn Stimmen pro Aktie. Da Elon Musk fast 94 Prozent der B-Aktien erhält, vereint er damit besonders viel Stimmrecht auf sich und kann den Konzern dadurch faktisch kontrollieren.Es stellt sich die Frage, wie unabhängig SpaceX wirtschaften kann. Musk hat viele seiner Firmen miteinander verwoben. So wird etwa die KI von xAI auch für Tesla genutzt, zu xAI gehört seit einem Jahr auch das soziale Netzwerk X, ehemals Twitter. Analysten vermuten, dass Musk eine Fusion von Tesla und SpaceX anstreben könnte. Das dichte Firmengeflecht birgt ein Klumpenrisiko, die Machtkonzentration bei Musk könnte zu Interessenkonflikten führen.4. Wie reich wird Elon Musk durch den Börsengang?Musks Kapitalanteil an SpaceX dürfte durch den angestrebten Ausgabepreis von 135 Dollar pro Aktie ungefähr 866 Milliarden Dollar wert sein. Da er zusätzlich Tesla-Aktien im Wert von etwa 350 Milliarden Dollar hält, könnte Musk dadurch zum ersten Dollarbillionär der Welt werden.Über eine Milliarde der an Musk ausgegebenen SpaceX-Aktien sind jedoch an Gewinnziele geknüpft und mit einer Sperrfrist versehen: Im Börsenprospekt ist aufgeführt, dass Musk eine Milliarde leistungsbasierte Aktien der B-Klasse erhält, wenn SpaceX gewisse Marktkapitalisierungs-Ziele erreicht und «eine dauerhafte menschliche Kolonie auf dem Mars mit mindestens einer Million Einwohner» errichten kann. Weitere 302 Millionen Aktien erhält er, wenn er neben Marktwertzielen Rechenzentren im All fertiggestellt hat, die 100 Terawatt Rechenleistung pro Jahr liefern.5. Welche Chancen bietet der Börsengang von SpaceX für Anleger?Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters vom Dienstag betrug das Volumen der Nachfrage von Investoren nach den SpaceX-Aktien bereits 250 Milliarden Dollar.Die Börsengänge von grossen US-Technologieunternehmen sind derzeit ein beherrschendes Thema an der Börse. Weitere Techfirmen stehen mit geplanten IPO in den Startlöchern. Dazu zählen die KI-Firmen Anthropic und Open AI. Der SpaceX-Börsengang könnte zu einer Art Lackmustest werden, ob der Markt mehrere Mega-IPO innerhalb kürzerer Zeit absorbieren kann, heisst es bei der VP Bank.Wird das IPO von SpaceX ein Erfolg, könnte dies für gute Stimmung an der Börse sorgen. Und die Türen für weitere Börsengänge öffnen.6. Welche Risiken gehen Anleger bei einer Investition in SpaceX ein?Der Börsengang weckt derweil ungute Erinnerungen an die Internet-Blase Ende der neunziger Jahre. Firmen wie SpaceX nutzten derzeit das Umfeld, «um zu ambitionierten Bewertungen Kapital am Markt einzusammeln», kommentieren die Anlageexperten des Vermögensverwalters Feri. In der Phase des New-Economy-Booms seien die damaligen Mega-Börsengänge Vorboten des Platzens der Dotcom-Blase gewesen.Sollten die derzeit geplanten Börsengänge zu den erwarteten Bewertungen erfolgen, drohten bei diesen Unternehmen mittelfristig enttäuschende Renditen, heisst es bei Feri weiter.Vertreter des Finanzinstituts Bantleon weisen indessen darauf hin, dass der Anteil der Sektoren Technologie und Kommunikation am US-Standardwerte-Barometer S&P 500 mittlerweile knapp 50 Prozent beträgt. Während der Zeit der Dotcom-Blase habe der entsprechende Wert «nur» 40 Prozent betragen. Mittelfristig sei dies zweifellos ein Risikofaktor. Nur leichte Zweifel an der KI-Wette könnten schon spürbare Kursrückschläge an den Börsen zur Folge haben.Das Umfeld für Börsengänge ist im Allgemeinen gut, wenn an der Börse gute Stimmung oder idealerweise gar eine gewisse Euphorie herrscht. Für Anleger kann dies aber aufgrund der zyklischen Entwicklung der Börse ein schlechter Einstiegszeitpunkt sein.7. Wie können Privatanleger in SpaceX investieren?Es sind aber vor allem US-Investmentbanken, die SpaceX an die Börse bringen. Schweizer oder deutsche Privatanleger sind hier im Allgemeinen keine Kunden. Von daher ist es schwierig, direkt bei dem Börsengang dabei zu sein.Nach dem IPO können Privatanleger die SpaceX-Aktien an der Börse kaufen. Allerdings sollten sie sich dabei der Risiken einer solchen Investition bewusst sein. Auch steuerliche Aspekte sind zu beachten.8. Welche Auswirkungen hat der Börsengang auf die gängigen Börsenindizes?Normalerweise werden Aktien nach einem Börsengang erst nach einer gewissen Zeit in Aktienindizes aufgenommen. Den Anbietern der Indizes geht es dabei darum, zu schauen, wie sich das entsprechende Unternehmen entwickelt. Die genauen Fristen und die Methodik für die Aufnahme sind von den Indexreglementen der verschiedenen Anbieter abhängig.Laut den Anlageexperten der VP Bank haben wichtige Indexanbieter angekündigt, ihre Regelwerke zu lockern, um eine schnellere Aufnahme der SpaceX-Titel in die Indizes zu gewährleisten. Der Anbieter S&P hingegen werde SpaceX erst frühestens zwölf Monate nach dem IPO aufnehmen und verzichte auf eine beschleunigte Indexanpassung. Der Weg in das US-Standardwerte-Barometer S&P 500 könnte für SpaceX und die anderen an die Börse kommenden US-Technologiefirmen folglich etwas länger werden.Die Titel dürften aber auch rasch in einigen Welt-Aktienindizes auftauchen. Laut einer Analyse des Beratungsunternehmens PPCmetrics dürften die Aktien von SpaceX in die relevanten Barometer des Indexanbieters MSCI aufgenommen werden. Dazu zählen beispielsweise die Welt-Aktienindizes MSCI World, MSCI ACWI oder das US-Barometer MSCI USA. Schweizer Grossinvestoren nutzen vor allem MSCI-Indizes, um die Entwicklung von globalen Aktien abzubilden.In den MSCI-Indizes wird laut PPCmetrics aber nicht der gesamte Unternehmenswert von SpaceX berücksichtigt, sondern nur der Streubesitz – also die an der Börse gehandelten Titel.9. Was bedeutet die Aufnahme in die Indizes für Anleger?Die Folgen für passiv investierende Anleger – also solche, die in Indexfonds und in ETF investiert sind – sind vorerst noch überschaubar. SpaceX dürfte zum Zeitpunkt des Börsengangs voraussichtlich weniger als 0,13 Prozent der gängigen MSCI-Indizes ausmachen, schätzt PPCmetrics. Musks Unternehmen dürfte folglich nicht unter die 100 grössten Unternehmen des Welt-Aktienindexes MSCI World fallen. Das Beratungsunternehmen sieht deshalb auch keinen Handlungsbedarf für Anleger, deren Portfolios auf MSCI-Indizes basieren.Dies wäre aber nur der Stand zum Zeitpunkt des Börsengangs. Falls Musk später Anteile an SpaceX in den Streubesitz übergibt oder der Aktienkurs des Unternehmens deutlich steigt, könnte sich dies ändern.Die starke Nachfrage von Indexfonds und Exchange-Traded Funds (ETF) nach den SpaceX-Aktien könnte den Kurs der Titel derweil nach oben treiben. Laut einem Bericht von Bloomberg könnten passiv investierende Investoren nach 15 Handelstagen rund 30 Prozent des Streubesitzes von SpaceX-Aktien halten.10. Was bedeutet der Börsengang für die Wirtschaft?Dass die Wirtschaft mit SpaceX den grössten Börsengang der Geschichte erwartet, hat auch einen Einfluss auf andere Firmen. Auf dem Kapitalmarkt wird das IPO viel Liquidität auf sich vereinen – Kapital, das anderen Firmen fehlt, die neu an die Börse gehen wollen oder bereits gelistet sind.Hinzu kommt: Nach dem Mega-Börsengang von SpaceX werden mit Open AI und Anthropic noch zwei weitere Mega-Börsengänge für dieses Jahr erwartet. Diese IPO-Welle bei den Techfirmen legt nahe, dass bei ausserbörslichen Investoren allmählich nicht mehr genügend Geld für die Investitionen in KI zu holen ist. Und sie deshalb an die Börse gehen, wo auch private Anleger investieren können.Passend zum Artikel
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