PfadnavigationHomeSportFußballWMNationalmannschaft„Der Trainer fragte mich, ob ich betrunken bin“Stand: 22:13 UhrLesedauer: 3 MinutenGute Laune: Assan Ouedraogo (r.) und David Raum auf dem Weg zur PressekonferenzQuelle: Federico Gambarini/dpaNach der Verletzung von Lennart Karl musste Julian Nagelsmann den Kader umbauen. Er nominierte Assan Ouédraogo nach. Der Jungstar von RB Leipzig berichtet jetzt, wie kurios der Anruf des Bundestrainers ablief.Der Jüngste war der erste. Assan Ouédraogo kam bereits zwei Tage vor der Fußball-Nationalmannschaft im WM-Quartier in Winston-Salem an. „Es war etwas langweilig. Ich habe mich sehr gefreut, als die anderen kamen“, sagte der 20-Jährige von RB Leipzig am Mittwochvormittag, der am Wochenende als nachnominierter Spieler in North Carolina eingetroffen war, während die Mannschaft noch im Trainingslager in Chicago weilte.Nach dem Training der Auswahl hielt er am Mittwoch mit seinem Kollegen David Raum eine Pressekonferenz ab. Es war die erste „Spieler-PK“ seit der Ankunft der Mannschaft. Und sie war sehr launig. So witzig, offen und sympathisch wie Ouedraego hat sich schon lange kein Nationalspieler mehr eingeführt.Für Ouédraogo ist die WM eine Last-Minute-Reise. Bundestrainer Julian Nagelsmann nominierte ihn erst sechs Tage vor Turnierstart nach, der Offensivspieler rückte für den verletzten Lennart Karl vom FC Bayern in den Kader. Nun sprach der Jungstar über die kuriosen Umstände seines Nachnominierungsanrufes, der ihn im Marbella-Urlaub erreichte.„Ich lag tatsächlich gerade auf der Liege und war, wie soll ich sagen, unfassbar am Chillen“, sagte Ouédraogo. Gelächter im Pressesaal am Trainingsgelände. Er fuhr lächelnd fort: „Dann kam der Anruf des Bundestrainers, da war ich direkt von null auf 180. Ich bin dann um die Ecke gerannt, damit mich keiner hört. Er hat mir gesagt, dass er mich gern nachnominieren würde. Das hat mich sofort unfassbar gefreut. Und dann hat er mich noch gefragt, ob ich betrunken bin. Aber ich trinke ja so oder so nicht. Da habe ich gesagt: ‚Nee, passt alles.‘ Und dann bin ich direkt rübergeflogen.“Lesen Sie auchAn wen ging sein erster Anruf nach der Nominierung? Ouédraogo antwortete: „Ich habe gleich meine Mama angerufen, die hat es nicht gehört. Dann meinen Papa, der ging auch nicht ran. Dann habe ich meine große Schwester erreicht, die hat es mir am Anfang gar nicht geglaubt.“ Wieder Gelächter im Saal. „Es ist eine unfassbare Ehre, die WM spielen zu dürfen. Ich habe nicht mehr damit gerechnet. Es war eine Emotionsexplosion.“Assan Ouédraogo bezeichnet sich als „unberechenbar“Auf der Pressekonferenz sorgte Ouédraogo mit Raum für etliche Lacher. Jetzt will er auch sportlich für Unterhaltung sorgen. „Ich würde mich selbst als ein bisschen unberechenbar beschreiben. Es ist für mich auch schwer zu beschreiben, was ich mache, es ist Freestyle, einfach im Flow.“Lesen Sie auchOuédraogo hatte bisher kaum Urlaub, war mit Leipzig im Anschluss an die vergangene Saison auf einer PR-Reise in Südafrika und absolvierte dort ein Testspiel. „Ich habe eine Woche keinen Fußball gespielt, brauche jetzt also nicht lange, um voll da zu sein.“Einen Austausch mit Karl habe es nicht gegeben. „Wir sind uns ehrlich gesagt noch nie über den Weg gelaufen. Wir kennen uns gar nicht richtig. Das eine Mal, als er bei der U21 war, da war ich nicht da. Und als ich da war, war er nicht da. Dann war er hier, da war ich nicht da. Da war ich hier dabei, da war er nicht da“, sagte der offensive Mittelfeldspieler, der im November 2025 in der A-Nationalmannschaft debütiert hatte.Samstag reist er mit der Mannschaft nach Houston, in der texanischen Stadt steht Sonntag (19 Uhr, ARD, MagentaTV und Liveticker bei WELT) das erste Gruppenspiel gegen Curacao an. Wenn er weiter im Urlaub geblieben wäre, hätte er wohl Tag und Nacht vor dem Fernseher gesessen: „Ich hätte fast alle mitgenommen“, sagte Ouedraogo zum XXL-Turnier mit 48 Mannschaften und insgesamt 104 Partien.Julien Wolff und Lars Gartenschläger sind Redakteure im Sportkompetenzcenter. Sie berichten für WELT seit vielen Jahren über die Nationalmannschaft. Seit einer Woche sind sie für die Redaktion in den USA und schreiben von dort aus über die WM-Vorbereitung der deutschen Auswahl.