Der ehemalige ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba hat mit ungewöhnlich deutlichen Worten die in Teilen der ukrainischen Politik und westlichen Öffentlichkeit verbreitete Darstellung zurückgewiesen, die Ukraine habe auf dem Schlachtfeld einen entscheidenden Wendepunkt erreicht. Die Aussagen des früheren Chefdiplomaten sorgen in ukrainischen Medien und sozialen Netzwerken für mächtig Diskussionen, weil sie im Kontrast zur optimistischen Rhetorik von Präsident Wolodymyr Selenskyj und Außenminister Andrij Sybiha stehen.

In einem Interview mit einem ukrainischen Fernsehsender bezeichnete Kuleba Behauptungen, die Ukraine habe den Kriegsverlauf bereits grundlegend zu ihren Gunsten verändert, als „Unsinn“. „Ich möchte nicht der Spielverderber sein, der den Menschen die Freude nimmt, aber im November werden wir wieder darüber sprechen, wie wir alle den Winter überstehen“, so Kuleba.

Wendepunkt im Ukraine-Krieg?

Damit spielte der ehemalige Selenskyj-Gefolgsmann auf die weiterhin schwierige militärische und wirtschaftliche Lage des Landes sowie auf die anhaltenden Probleme der Energieversorgung an. Kulebas Botschaft: Trotz einzelner militärischer Erfolge entlang der Donbassfront im Osten des Landes gebe es keinen Anlass für Euphorie.