Der Essener Spezialchemiekonzern Evonik produziert in einer Pilotanlage eine neu entwickelte Membran, die helfen soll, grünen Wasserstoff günstiger herzustellen. In der Elektrolyse wird Wasser mit Strom in die Bestandteile Wasserstoff und Sauerstoff gespalten. „Grün“ ist der Wasserstoff, wenn der Strom aus erneuerbaren Energien stammt. Das ist heute je nach Region noch etwa zwei- bis viermal so teuer wie grauer Wasserstoff aus fossilen Quellen.Aber nicht nur die Energiepreise, auch die Elektrolysetechnik hat Einfluss auf die Kosten. Da sieht Evonik mit seiner neuen Membran das Potential, die AEM-Elektrolyse attraktiver zu machen. AEM steht für „Anion Exchange Membrane“. Diese Art der Elektrolyse könne die Investitionen um ein Viertel senken, heißt es. Die Pilotanlage fertigt eine Polymer-Membran, die Beschichtungsanlage ist rund 20 Meter lang und damit eine der größten auf der Welt.Die Membran leitet Ionen, sie trennt aber auch Wasserstoff und Sauerstoff und verhindert so, dass sich Knallgas bildet. Die Pilotanlage in Marl im Ruhrgebiet könne Membranen im kommerziellen Maßstab fertigen, heißt es, für eine Elektrolyseleistung von bis zu 2,5 Gigawatt. Das entspricht einem Viertel der bis 2030 insgesamt geplanten Kapazität in Deutschland.Neue Innovationseinheit soll Produkte schneller marktreif machenInteresse an der Technik besteht vor allem in China, wo grüner Wasserstoff heute schon in großer Menge erzeugt wird. Deshalb eröffnet Evonik ein Anwendungstechnikzentrum in Shanghai, um lokale Partner und Kunden bedienen zu können.Der Fokus auf Kunden passt zur neuen Innovationsstrategie von Evonik. Der Spezialchemiekonzern teilte am Mittwoch mit, seine Forschung und Entwicklung in einer neuen Einheit zu bündeln. Die „Evonik Innovation Factory“ soll bis zum Jahr 2032 bis zu 300 Millionen Euro zum Umsatzwachstum beitragen. Vor zwei Jahren hatte der Konzern mitgeteilt, bis 2032 mit biobasierten Lösungen und Materialien für die Energiewende und Kreislaufwirtschaft 1,5 Milliarden Euro zusätzlichen Umsatz erzielen zu wollen.Gleichzeitig steht die Chemieindustrie seit geraumer Zeit unter Druck, durch hohe Energiekosten, geringe Nachfrage und hohe Wettbewerbsintensität. Evonik steckt derzeit mitten in einem Umbauprogramm und baut in diesem Jahr rund 2000 Stellen ab.Evonik will Risiko bei Innovationen verringernDie neue Innovationseinheit soll wichtige Entwicklungsprogramme bündeln und beschleunigen. „Unser Ziel ist es, Projekte innerhalb von durchschnittlich fünf Jahren zur Marktreife zu führen“, sagte der „Chief Innovation Officer“ Christian Eilbracht. Evonik will stärker mit externen Partnern zusammenarbeiten und mitunter bei bestimmten Innovationen auch erst später einsteigen, um das Risiko zu minimieren, dass die eigene Forschung scheitert und nur Geld kostet, statt Umsatz zu generieren.Mit der engeren Bindung an Partner stärke man die Kundennähe, sagte Lauren Kjeldsen, die im Vorstand von Evonik für Innovation zuständig ist. Zudem reagiere man auf veränderte Rahmenbedingungen in der Industrie: „In der heutigen Zeit gewinnt Resilienz zunehmend an Bedeutung“, sagte Kjeldsen. Evonik steckt im Jahr rund drei Prozent seines Umsatzes in Forschung und Entwicklung, 2025 waren es rund 418 Millionen Euro.
Evonik: Wie grüner Wasserstoff günstiger werden soll
Eine neue Membran hat der Spezialchemiekonzern Evonik entwickelt. Sie soll die Elektrolyse von grünem Wasserstoff günstiger machen. Eine neue Innovationseinheit soll Produkte schneller an den Markt bringen.











