Die Fußballweltmeisterschaft verspricht, ein Sportereignis der Superlative zu werden. Erstmals treten 48 Teams an, das Finale wird das 104. Spiel der WM sein – und auf jedes einzelne lässt sich wetten. Wahrscheinlich wird die Sportwettenindustrie Rekorde aufstellen. Aber wie erstellen Buchmacher Wettquoten, und wie viel Umsatz machen Wettanbieter bei dieser WM?Die Investmentbank Macquarie geht davon aus, dass für jedes einzelne Spiel eine halbe Milliarde US-Dollar gesetzt wird. Auch auf die Frage, wer Weltmeister wird, lassen sich natürlich Wetten platzieren. Über das gesamte Turnier hinweg werden global 50 Milliarden Dollar Wetteinsätze platziert, rechnet die Bank vor. Bei der WM vor vier Jahren in Qatar waren es 35 Milliarden Dollar.Sechs Milliarden Menschen schauen laut FIFA die WMLaut der Deutschen Bank sind Anbieter von Sportwetten im Unterhaltungsbereich neben Fernsehsendern und Streamingdiensten die größten Profiteure des Turniers. Die Bank rechnet damit, dass allein in den USA, Heimatland der Sportwetten und Mitgastgeber, bis zu 4,1 Milliarden Dollar gesetzt werden – bei einem unteren Ende der Prognosespanne von 2,5 Milliarden Dollar. Mehr als eine Milliarde Dollar Umsatz machen ihr zufolge die beiden größten Anbieter Fan Duel und Draft Kings. Die Geschäftsführer der beiden Konzerne halten die WM für eine große Chance, Nutzer zu gewinnen.Die Deutsche Bank sieht als Wachstumsaspekte, dass es mehr Volljährige gibt, die offen für Wetten sind, und dass viele Menschen bei der WM zum ersten Mal wetten würden. Laut der Unternehmensberatung PwC wollen 58 Prozent der Amerikaner bei dieser WM wetten. Der Weltfußballverband (FIFA) geht davon aus, dass insgesamt sechs Milliarden Menschen Turnierspiele sehen werden – rund drei Viertel der Weltbevölkerung.Prognosemärkte wie Polymarket und Kalshi sind im KommenGewettet wird längst nicht mehr nur bei klassischen Wettanbietern. Zugelassene deutsche Glücksspielanbieter sehen sich vielmehr unfairem Wettbewerb durch illegale Anbieter gegenüber. Dazu zählen auch die immer beliebteren Prognosemärkte, von denen Polymarket und Kalshi die wohl bekanntesten sind. Das auf Sportwetten spezialisierte Datenportal Bookies.com, welches unter anderem Wettquoten aggregiert und Marktprognosen erstellt, rechnet damit, dass auf beiden Plattformen 2,37 Milliarden Dollar in den USA gehandelt werden, 3,1 Milliarden Dollar sollen es bei legalen Anbietern sein.Der Deutsche Sportwettenverband rechnet mit Wetteinsätzen von knapp einer Milliarde Euro in Deutschland. Bis zu 700 Millionen Euro der erwarteten Einsätze würden im regulierten Markt platziert. „Weitere 300 bis 400 Millionen Euro könnten hingegen bei illegalen Anbietern landen“, meldete der Verband Anfang Juni. Nach Daten der Aufsichtsbehörden nutze „ein Drittel der Spieler zumindest teilweise auch illegale Angebote“. So oder so sei die WM wie ein zusätzlicher Umsatzmonat, sagen der Verband sowie deutsche Wettanbieter.KI-Modell hilft bei WettquotenDer deutsche Marktführer Tipico dämpft die Erwartungen hingegen leicht. „Die Zeitverschiebung sorgt dafür, dass viele Spiele nachts und frühmorgens stattfinden. Das erschwert es den deutschen Fans, alle Partien live zu verfolgen“, heißt es dort. Dennoch soll sich die WM im Umsatz des Sportwettenanbieters bemerkbar machen: „Die Weltmeisterschaft liefert in einer Zeit, in der die großen Fußballligen Sommerpause machen, einen ganzen Monat lang ein attraktives Turnierprogramm.“ Tipico hofft auf eine „WM-Euphorie“.Die erwartet auch Manfred Niedermaier, der die Buchmacherabteilung von Merkur Bets leitet. Er analysiert die Mannschaften und errechnet zusammen mit einem Computermodell die Wettquoten. „Hundert Prozent KI-gesteuert ist das Modell nicht, aber es kommen immer mehr mathematische Hilfsmittel zum Einsatz“, sagt Niedermaier. Die Herausforderung bei der WM sei, Teams wie den deutschen Auftaktgegner Curaçao einzuschätzen. „Über Curaçao haben wir etwas weniger Daten“, sagt er.Weniger LivewettenJe näher der Anstoß rückt, desto mehr Daten liegen vor – beispielsweise auch über den Krankenstand der deutschen Mannschaft. „Je mehr Informationen ich habe, desto genauer wird die Wahrscheinlichkeit“, sagt der Buchmacher. Der Quotenschlüssel sei für Wettteilnehmer attraktiver, je näher das Spiel rückt. Je länger es dauere bis zum Anstoß, desto größer sei der Risikoaufschlag der Buchmacher.Obwohl es für Teilnehmer attraktiver sein kann, kurz vor Anstoß eine Wette zu platzieren, rechnet Niedermaier mit weniger Livewetten während des Spiels: „Die Nachtspiele sind nicht so attraktiv“, sagt er. „Wie viele Kunden wir haben werden, kann aber auch ich nicht vorhersagen.“Wer wird Weltmeister?Und wer wird nun Weltmeister? Laut der Prognoseplattform Polymarket stehen die Chancen für den amtierenden Europameister Spanien und für Frankreich, den WM-Zweiten von 2022, bei je 16 Prozent. Die Franzosen gewannen 2018 die WM in Russland und schieden bei der Europameisterschaft in Deutschland vor zwei Jahren im Halbfinale aus. Der amtierende Weltmeister Argentinien verteidigt den Titel mit einer Wahrscheinlichkeit von neun Prozent, Deutschland holt den Titel mit fünfprozentiger Wahrscheinlichkeit.Auch die Buchmacher von Tipico sehen Spanien und Frankreich vorne. Spanien siegt bei ihnen mit einer Wahrscheinlichkeit von 18,18 Prozent, Frankreich holt zu 16,67 Prozent den Titel. Die Wahrscheinlichkeit ergibt sich aus der angegebenen Tippquote. Setzt ein Nutzer einen Euro auf Frankreich, werden ihm sechs Euro ausgezahlt (das ist die Quote), der Spieler gewinnt also fünf Euro. Bei Tipico entfallen wenige Tage vor Turnierbeginn 17 Prozent der abgegebenen Wetten auf Deutschland, gefolgt von Spanien und Frankreich. Ganze 20 Prozent setzen darauf, dass Portugal Weltmeister wird.Der Ökonom Joachim Klement sagt seit 2014 mit einem eigenen Modell den Weltmeister voraus – und lag seitdem immer richtig: Deutschland, Frankreich und zuletzt Argentinien. Er bezieht unter anderem den Wohlstand eines Landes, die sportliche Infrastruktur, aber auch eine Zufallsvariable in sein Modell ein. In diesem Jahr sieht er die Niederlande nach dem Finale den WM-Pokal in den New Yorker Himmel recken. Bei Polymarket und Tipico hingegen haben die Niederländer gerade mal eine Siegchance von vier und von fünf Prozent.
Fußball-WM 2026: Weltmeisterschaft der Rekordwetten
Immer mehr Menschen setzen Geld auf Sportereignisse. Nun findet die Fußballweltmeisterschaft im Heimatland der Sportwetten statt. Wetteinsätze von insgesamt 50 Milliarden Dollar werden erwartet.












