Wie dankt ein Mann wie Friedrich Merz eigentlich Menschen, denen er etwas schuldet? 2004 wählte er als Dank an einen Obdachlosen, der ihm ein Notebook mit sämtlichen Regierungsdaten zurückgebracht hatte, sein eigenes Buch mit dem unfreiwillig komischen Titel „Vom Ende der Wohlstandsillusion“. 2026 wählt er als Antwort an eine an Hautkrebs erkrankte Bürgerin, der gegenüber er sich im Tonfall vergriffen hatte, eine Autogrammkarte mit den Worten „Alles Gute“.

Zwischen diesen beiden Episoden liegen 22 Jahre, ein Blackrock-Aufsichtsratsposten und der Aufstieg ins höchste Regierungsamt der Republik. Was sich nicht verändert hat: die bemerkenswerte Fähigkeit dieses Mannes, in Momenten menschlicher Bewährungsprobe ausgerechnet die entlarvendste Geste zu wählen.

Das Konterfei des Kanzlers als Trostpflaster

Man möchte fast meinen, der jüngste Vorgang um Silvia Dronsch aus Suhlendorf sei eine besonders bösartige Satire aus der Feder eines Drehbuchautors, der den Bogen bewusst überspannt, um die Empathielosigkeit des deutschen Politikbetriebs zu karikieren. Doch nein, es ist die Realität im Jahr 2026.

Eine todkranke Frau, die auf eine bevorstehende Operation zur Entfernung befallener Lymphknoten wartet, eine Frau, die den Kanzler bei seinem Auftritt in Salzwedel öffentlich auf die geplante Streichung der kostenlosen Hautkrebsvorsorge ansprach – während gleichzeitig ein Gesetzentwurf zur Erhöhung der Spitzengehälter durch die Frühkoordinierung im Kanzleramt lief –, erhält als Trostpflaster ein Stück Pappe mit dem Konterfei des Kanzlers.