PfadnavigationHomeRegionalesHamburgSieger vorgestellt„Der Entwurf fixt mich an“ – die neue Köhlbrandbrücke begeistertStand: 14:48 UhrLesedauer: 3 MinutenÄhnlich, aber doch anders: Die neue Köhlbrandbrücke wird filigraner und eleganter Quelle: GRASSL, sbp, WTM, gmp, PPL/Renderings Gärtner + ChristArchitektonisch gilt die Köhlbrandbrücke als Meisterwerk, bautechnisch als marodes Sorgenkind. Es soll eine neue Brücke geben – und wie die aussehen soll, wurde heute bekannt gegeben.Sie ist mehr als nur ein technisches Bauwerk, sie ist ein Wahrzeichen, für manche gar eine Ikone, für sehr viele die schnellste Möglichkeit, den Hafen zu queren. Nicht zuletzt ist die Hamburger Köhlbrandbrücke mit den markanten blauen Pylonen in der Mitte, jene zwei hochragende Träger, Sinnbild einer maroden Infrastruktur. Risse im Stahl und Schäden an den Betonrampen machen immer neue, teure Reparaturen nötig, die den Alterungsprozess jedoch nur bremsen, nicht stoppen können. Vor diesem Hintergrund wuchs über Jahre der Druck auf die Politik. Bis sich Senat und Bürgerschaft schließlich grundsätzlich für einen Ersatzneubau entschieden. Am Mittwoch stellte der Senat erstmals den Entwurf für die neue Köhlbrandbrücke vor – ein Projekt, das nicht nur eine zentrale Verkehrsader sichern, sondern auch das Erscheinungsbild des Hafens für Jahrzehnte prägen wird. Lesen Sie auchMit einer Länge von fünf Kilometern wird die neue Brücke deutlich länger als ihre Vorgängerin und auch höher. Auf 73 Metern thront sie, 20 Meter höher als die alte Brücke. Von Weitem scheint es, als weiche der neue Entwurf kaum vom alten Bauwerk ab. Doch von nah wird deutlich: Der Sieger-Entwurf zitiert die charakteristische Form und führt sie in die Moderne. Eleganter, lichter, filigraner spannt sich die Brücke, deren genauer Trassenverlauf noch nicht final feststeht, auf mehr als 40 sechseckigen, schmalen Stelzen über den Köhlbrand, wie ein weißes, schmales Band. Und ist dabei deutlich leistungsstärker als die alte Brücke. Hundert Jahre soll sie halten und gleichzeitig deutlich wartungsarmer sein, da sie ihren Materialzustand mit hunderten von Sensoren selbst überwacht. Der von der Bürgerschaft in 2024 bereits veranschlagte Kostenrahmen von 5,3 Milliarden Euro wird eingehalten, die Hälfte der Baukosten steuert der Bund bei. Was die meisten aber vor allem freuen wird: Die Querung wird sehr wahrscheinlich früher fertig. In 2030 soll das Planfeststellungsverfahren abgeschlossen sein, sodass die Brücke nicht erst in den 2040er Jahren für den Verkehr freigegeben wird, sondern wahrscheinlich 2039 oder gar noch zeitiger. Möglich wurde das zum einen dadurch, dass man in dem jetzigen Schritt den Gestaltungs- und Planungsauftrag zusammenlegte. „Und so haben wir es hier mit einem Entwurf zu tun, der nicht nur eine hübsche Idee ist, sondern sich auch technisch umsetzen lässt“, lobte Baudirektor Franz-Josef Höing die Arbeitsgemeinschaft, bestehend aus dem Ingenieurbüro Grassl mit WTM Engineers sowie den Architekten von gmp und PPL. Lesen Sie auchDer geplante Brückenneubau garantiere die langfristige Funktionsfähigkeit des Hamburger Hafens, sagte Hamburgs Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard (SPD). Das neue Bauwerk soll zudem einen Zusatznutzen erfüllen. „Mit der neuen Höhe von 73 Metern erfüllt der Hamburger Hafen einen internationalen Standard, der es ihm erlaubt, an der künftigen Schiffsgrößenentwicklung zu partizipieren.“Die neue Köhlbrandbrücke sei für die Wettbewerbsfähigkeit des Hafens von zentraler Bedeutung, sagte Jens Meier, Geschäftsführer, Hamburg Port Authority (HPA). Bei der Präsentation der Entwürfe im Hamburger Rathaus sagte er: „Der Entwurf fixt mich an.“Die Köhlbrandbrücke verbindet den Ost- und den Westteil des Hafens und schließt ihn zugleich ans Autobahnnetz an. Als sie 1974 eröffnet wurde, war sie für deutlich geringere Verkehrs- und Schiffsgrößen ausgelegt. Heute zählt sie zu den am stärksten belasteten Bauwerken im Hamburger Hafen – insbesondere durch den stark gestiegenen Schwerlastverkehr. Gleichzeitig ist die Brücke mit ihrer vergleichsweise geringen Durchfahrtshöhe zum Hindernis für moderne Großcontainerschiffe geworden. Die Köhlbrandbrücke wird täglich von rund 32.000 Fahrzeugen genutzt, darunter etwa 11.000 Lastwagen. Wegen baulicher Mängel ist sie seit Mai für Schwertransporte mit mehr als 44 Tonnen gesperrt.