Der Deutsche Wetterdienst (DWD) beschreibt die aktuelle Wetterlage gewohnt souverän mit Begriffen der Klimapoesie. Die kühle und sehr feuchte Luft in Bayern ist demnach auf starke Störungseinflüsse zurückzuführen sowie auf eine labile Schichtung der einströmenden Luft subpolaren Ursprungs.Konkret heißt das: Die Schneefallgrenze kann örtlich auf unter 1800 Meter sinken, Teile der Allgäuer Alpen wie das Nebelhorn und die Zugspitze sind bereits vom Junischnee bedeckt und auch in den Tälern steigt das Thermometer mancherorts nur noch auf zwölf Grad. Wenig verheißungsvoll klingen die Aussichten für die nächsten Tage: Das wechselhafte und kühle Juniwetter könnte sich bis weit in die zweite Monatshälfte fortsetzen.InstagramDie SZ-Redaktion hat diesen Artikel mit einem Inhalt von Instagram angereichertUm Ihre Daten zu schützen, wurde er nicht ohne Ihre Zustimmung geladen.Ich bin damit einverstanden, dass mir Inhalte von Instagram angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an den Betreiber des Portals zur Nutzungsanalyse übermittelt. Mehr Informationen und eine Widerrufsmöglichkeit finden Sie unter sz.de/datenschutz.Es ist keine Seltenheit, dass sich mitten im Juni Kaltluft über das Land breitet und Temperaturstürze herbeiführt. Der Volksmund spricht in solchen Jahren von der Schafskälte. Im Bayerischen Wald hatte das manchmal arge Auswüchse. Maria Sigl aus Böbrach (1899-1993) erzählte einmal, an Pfingsten habe sich mal abgerutschter Schnee als meterhoher Wall hinterm Haus getürmt. Der Vater habe im Wirtshaus um fünf Mass Bier gewettet, dass bei ihm daheim der Schnee noch bis zum Kammerfenster hinauf reiche und die Wette gewonnen. Fünf Mass Bier, das war damals ein hoher Wert. „Da is der damische Schnee do no zu ebbs guat gwen!“, sagte Maria Sigl.Schauerwetter und Schafskälte mögen zwar häufig die erste Junihälfte prägen, aber im Gegensatz zu den im Mai auftretenden Eisheiligen bringen sie für Bauern und Gärtner weniger Nachteile mit sich. Vor 100 Jahren ließen die Eisheiligen, wie der Landshuter Zeitung zu entnehmen war, „Schnee auf die üppige Baumblüte fallen“, und eines Nachts legte sich „schwerer Reif auf die Vegetation nieder“. Bis weit in den Juni hinein wurde es nicht mehr warm.SZ Bayern auf Whatsapp:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnierenVon Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.Heute ist es so, dass niedrige Temperaturen im Juni vor allem die Intensität der Gerüche dämpfen, welche die Natur um diese Zeit verschwenderisch verströmt. Nässe und Kälte mindern das wohlige Aroma, das die Blütendolden des Holunders an lauschigen Juniabenden abgeben. Nebenbei erwähnt: So gut riechend diese Pflanze sein mag, nicht jedem ist sie auch willkommen. Im Bairischen muss sie sogar für einen versteckten Fluch herhalten: „Kreuzbirnbaum und Hollerstauden!“ schimpfen jene Wutbinkel, die gotteslästerliche Originalflüche lieber doch vermeiden wollen.Minusgrade und haufenweise Schnee auf Deutschlands höchstem Berg. Foto: Bayerische ZugspitzbahnWenn das Wetter regelmäßig zu einer bestimmten Zeit kälter oder wärmer, trockener oder nasser ist als erwartet, sprechen Meteorologen von Singularitäten. Die Ursache für solche Regelfälle sind wiederkehrende Wellenbewegungen in der Atmosphäre. Die Bauern hatten diese Schwankungen schon im frühen Mittelalter genau verfolgt und sich darauf gefasst gemacht. Sie wussten, dass es am 8. Juni gerne regnet. Es ist der Tag des Sankt Medardus, der deshalb auch Heubrunzer genannt wird. Eine Bauernregel besagt: „Regnet’s am Medardustag, regnet’s nachher 40 Tag!“Manche Bauernregeln haben immer noch eine ziemlich hohe TrefferquoteAlte Bauernregeln bringen jahrhundertealte Erfahrungen mit Singularitäten und Wetterkapriolen zum Ausdruck. Manche erzielen immer noch eine erstaunlich hohe Trefferquote, ungeachtet der Veränderungen durch die Klimaerwärmung. Zu den Witterungsereignissen, die einigermaßen regelmäßig auftreten, zählen neben der Schafskälte vor allem die Eisheiligen (11. bis 15. Mai), die oft Nachtfrost bringen. Außerdem heißt es, das Wetter am Siebenschläfertag (27. Juni) setze sich sieben Wochen lang fort.Tatsächlich kann sich um diese Zeit eine stabile Schlechtwetterlage bilden. Nach Aussagen von Meteorologen trifft diese Regel in Bayern mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent zu. Recht zuverlässig kommt auch das Weihnachtstauwetter: Pünktlich zu Weihnachten verwandeln sich Frost- und Schneeböden häufig in Matsch.Die Temperaturen an Weihnachten und während der Schafskälte im Juni sind recht ähnlich. Da Schafe aus der Weihnachtskrippe nicht wegzudenken sind, führt das endlich zu der Frage, was hinter dem Namen Schafskälte steckt. In der Krippe tragen die Tiere ihr volles Wollkleid, im Juni aber werden sie geschoren, ausgerechnet im Zeitraum der Schafskälte. Kälte setzt geschorenen Schafen ziemlich zu, das Entfernen des wärmenden Fells ist für sie unter Umständen sogar lebensgefährlich. Die Schäfer tun also gut daran, die Schafschur aufzuschieben und bis zum Ende der Schafskälte lieber Schafkopf zu spielen.