Eine Predigt soll sich ja nach der Zielgruppe richten, und ein Publikum wie neulich bei der 125-Jahr-Feier des Burschen- und Arbeitervereins im oberbayerischen Laufen an der Salzach hat der örtliche Stadtpfarrer Simon Eibl schon rein zahlenmäßig nicht jeden Sonntag. Außerdem haftet so einem Burschenverein – in dem Fall trotz etlicher weiblicher Mitglieder – immer noch etwas eher Junggeselliges und jedenfalls ausgesprochen Männliches an.Also hat Eibl seine Predigt beim Festgottesdienst, nach der es laut seiner eigenen Beschreibung für längere Zeit „mucksmäuschenstill“ gewesen ist, so begonnen: „Liebe Männer, wir Männer haben ein Imageproblem.“ An dem besagten Problem und dessen Ursachen wird Eibls Predigt zwar bestenfalls langfristig etwas ändern. Das Imageproblem hat dafür jetzt Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber.SZ Bayern auf Whatsapp:Nachrichten aus der Bayern-Redaktion – jetzt auf Whatsapp abonnierenVon Aschaffenburg bis Berchtesgaden: Das Bayern-Team der SZ ist im gesamten Freistaat für Sie unterwegs. Hier entlang, wenn Sie Geschichten, News und Hintergründe direkt aufs Handy bekommen möchten.Kaniber, die den Burschen wie gewohnt im Dirndl die Ehre gab, ist dort im Berchtesgadener Land nämlich auch Kreisvorsitzende der CSU. Als solche hat sie sich schon bei vielen Gelegenheiten veranlasst gesehen, Eibl nach dessen Predigten öffentlich abzukanzeln, sei es bei der Eröffnung einer Polizeiinspektion, der Einweihung eines Feuerwehrhauses oder beim „Biosphärentag“ des Landkreises.In seiner Predigt zum Burschenjubiläum hat der Pfarrer nun ausführlich dargelegt, woher das Imageproblem der Männer kommt. Die allermeiste Gewalt gehe von Männern aus. Kriege, Zerstörung, Unterdrückung, Ausbeutung, Hasskommentare, sexuelle Gewalt – alles meistens Männersache, sagte Eibl sinngemäß und sparte seine eigene, ja auch nicht wirklich weiblich dominierte Organisation keineswegs aus. „Missbrauch in der Kirche: Jeder siebte Pfarrer war in irgendeiner Weise beteiligt! Und die Oberhirten – Männer – haben geschwiegen.“Die CSU, ein falscher Robin Hood? Das war Kaniber dann doch zu viel Politik in der PredigtAll dem müsste auch eine CSU-Kreisvorsitzende nicht unbedingt widersprechen. Aber jene Passage, wonach es ihre Partei genau andersherum mache wie Robin Hood, also von unten nach oben verteile und den Armen nehme, um den Reichen zu geben, das war Kaniber dann offenbar doch zu viel Politik in der Predigt.Das habe der Burschenverein nicht verdient, schimpfte Kaniber nach der zwischenzeitlichen Mucksmäuschenstille und ein paar anderen Grußworten. Um dann dem Männerbild aus der Predigt noch ein ganz anderes Rollenbild entgegenzusetzen, das eher an den angeblich neuen Trend zum Tradwife erinnert. Schließlich, so überliefert es die Südostbayerische Rundschau, spielten in der heutigen Welt auch die Frauen eine wichtige Rolle.Und, so fragte demnach die Ministerin, was wäre wohl so ein Burschenfest ohne Frauen und Freundinnen? Die hätten schließlich dafür gesorgt, dass die Burschen „g'schneizd“ und „kamped“ seien, also geschneuzt und gekämmt, und dass ihre Hemden gebügelt seien und man Kuchen für den Nachmittag habe. Wer bloß immer ihre eigenen Dirndlblusen bügelt, das hat Kaniber nicht gesagt. Aber der Kuchen wird schon geschmeckt haben.
Plädoyer für die Tradwives: Warum Michaela Kaniber jetzt ein Imageproblem hat
Der Stadtpfarrer von Laufen an der Salzach geigt den Männern die Meinung – zum Missfallen von Bayerns Landwirtschaftsministerin.







