„A Bird That Cannot Land“. So titelt die Kyiv Biennale 2026 in Berlin: „Ein Vogel, der nicht landen kann“. Ist das Galgenhumor? Nach dem Motto: Humor ist, wenn man trotzdem lacht! Aber es klingt auch poetisch und nach einem widerständigen „Dennoch!“Und genau so ist die große Ausstellung vom Keller über die Halle bis zum Dach des KW Institute for Contemporary Arts zu sehen, zu deuten, zu verstehen. Seit Putins Überfall auf die Ukraine im Februar 2022 findet die Kyiv Biennale im Exil statt, über Europa verteilt, ein wahrer Flickenteppich der Solidarität, oder man könnte auch sagen: ein sicherndes Tarnnetz. Eingeflogen und festgezurrt für ein Vierteljahr in Berlin-Mitte. Anfangs war es trotz der russischen Attacken noch möglich, in der Ukraine Kunst zu zeigen und Podien abzuhalten, so im Dnipro Center for Contemporary Culture, im Dovzhenko Centre Kyjiw. Aber bei weitem sicherer war es im Museum of Modern Art in Warschau, im MHKA in Antwerpen, im Lentos Kunstmuseum Linz. Und in der Berliner ngbk.

Lisa Abdul: „ In Transit“ (nahe Kabul, Afghanistan), Videostill

© Kyiv Biennale

Unfreiwillig nomadisch

Jetzt öffnet Berlins Institut KW, seit 1998 Zentrale der Berlin Biennale, die Türen weit für das 2012 in Kiew gegründete, nun erzwungenermaßen nomadische Projekt. Der Support ist nicht zuletzt auch zurückzuführen auf das Engagement des ukrainischen Kurators Vasyl Cherepanyn, der die Kyiv Biennale seit 2015 leitet und für 2027 auch zum künstlerischen Chef der 14. Berlin Biennale berufen ist. Er weiß aus eigenem Erleben, wie wichtig es ist, diesem Auftritt weltweit eindrückliche Wirkmacht zu verleihen. Auch – und gerade – aus der Diaspora heraus. Seite an Seite mit ihm kuratiert die aus Kopenhagen stammende Sofie Krogh Christensen, webt einen „fliegenden Teppich“ aus Bildkunst, Musik und Debatten und verknüpft sozusagen Fäden von der gepeinigten Ukraine über das postsowjetische Osteuropa mit Zentral-/Südwestasien und mit dem Mittelmeerraum.