Die Millionärsmaschine: Der SpaceX-Börsengang macht auch Handwerker und Ingenieurinnen reich – und die Banken liegen auf der LauerBeim wohl grössten Börsengang der Geschichte wird am Freitag so viel Privatvermögen geschaffen wie noch nie. Die SpaceX-Mitarbeiter wissen, wie begehrt sie plötzlich sind.10.06.2026, 05.30 Uhr5 LeseminutenIm Zuge des Börsengangs werden zahlreiche SpaceX-Mitarbeiter reich.Eric Gay / APAm Freitag werden so viele Leute auf einmal zu Millionären wie noch nie in der Geschichte. Wenn Elon Musks Raumfahrtunternehmen SpaceX seinen Börsengang erfolgreich hinter sich bringt, winkt vielen altgedienten Mitarbeitern der grosse Zahltag.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Beim Hype um SpaceX vergisst man derzeit leicht, dass es sich dabei um kein blutjunges Startup mehr handelt. Die Firma ist bereits 24 Jahre alt. Sie hat ihren Mitarbeitern im Laufe der Jahre immer wieder die Möglichkeit geboten, sich Anteile am Unternehmen zu sichern. Manche erhielten Gratisaktien als Teil ihres Bonuspakets zugeteilt, wenn sie sich im Gegenzug für einige Jahre beim Unternehmen verpflichteten.Niemand macht so viele MillionäreDer Börsengang gibt diesen Mitarbeitern die Möglichkeit, diese Beteiligung zu versilbern. Bis zu 4000 heutige und frühere SpaceX-Angestellte dürften auf einen Schlag zu Dollarmillionären werden, viele sogar zu Multimillionären. Dazu gehören auch Handwerker sowie Ingenieurinnen ohne Führungsaufgabe.Bis 2024 bestand dieser Pool vor allem aus Mitarbeitern, die sich um die Raketenprogramme und um das bereits profitable Satellitennetzwerk Starlink kümmerten. 2025 stieg die aktienbasierte Vergütung an Mitarbeiter von etwas unter 1 Milliarde auf rund 2 Milliarden Dollar an, wie der Börsenprospekt von SpaceX zeigt. Nach dem Zusammenschluss mit Elon Musks KI-Firma xAI profitierten die Mitarbeiter aus der neuen Geschäftssparte KI am stärksten.Rund 400 Mitarbeiter könnten bald sogar mehr als 100 Millionen Dollar auf dem Konto haben. Dabei soll es sich zum einen um Führungskräfte handeln, zum anderen um Mitarbeiter, die schon in den 2000er Jahren an Bord waren, bevor das Unternehmen seine erste Falcon-1-Rakete in die Erdumlaufbahn brachte. Der Grund: Weil SpaceX damals nach internen Schätzungen viel niedriger bewertet war als heute, erhielten manche Angestellten ihre Aktien zu einem Rechnungswert von unter 2 Dollar zugeteilt.Firmengründer und Chef Elon Musk peilt nun einen Ausgabepreis von 135 Dollar pro Aktie an. Das entspricht einer Marktkapitalisierung von knapp 1800 Milliarden Dollar. Die SpaceX-Angestellten (mit Ausnahme von Musk) halten gemäss Schätzungen zwar nur etwa 7 Prozent aller Anteile an der Firma. Das wären aber dennoch mehr als 100 Milliarden Dollar an Vermögen, die plötzlich verfügbar werden.Aktien hinterlegen statt verkaufenUm den Aktienkurs zu stabilisieren, dürfen die Mitarbeiter ihre Titel erst gestaffelt nach einer gewissen Sperrfrist verkaufen: 20 Prozent ihrer Anteile können sie spätestens im September nach der Publikation des ersten Quartalsresultats veräussern, den Rest dann in Tranchen bis 180 Tage nach dem IPO (Initial Public Offering). Der mit über 40 Prozent grösste Aktionär von allen – Elon Musk selbst – hat zugesichert, dass er frühestens in einem Jahr nach dem Börsengang Aktien verkaufen wird. Auch viele weitere Angestellte haben nicht vor, ihre Titel sofort abzustossen.Die Mitarbeiter können die Aktien auch anders zu Geld machen: Banken gewähren ihnen sogenannte Lombardkredite, wenn sie ihre SpaceX-Aktien als Sicherheit hinterlegen. Auf diesem Weg können sie einerseits die Kapitalgewinnsteuern aufschieben, die beim Verkauf fällig würden. Andererseits können sie ihr Vermögen – das ja vorrangig aus SpaceX-Titeln besteht – etwa in Indexfonds investieren und dadurch diversifizieren.Auch für die Banken ist das lukrativ. Zum einen verdienen sie Zinsen auf den gewährten Lombardkrediten, zum anderen binden sie die Kunden eng an sich.Da es sich bei SpaceX um einen sehr volatilen Titel handelt, dürften die meisten Banken die Kredithöhe zwar stark beschränken, beispielsweise auf 25 oder 30 Prozent des nominellen Werts der Aktien. Wer SpaceX-Titel im Wert von 100 000 Dollar hinterlegt, erhält also bloss einen Kredit von 25 000 Dollar. So stellen die Banken sicher, dass die Kunden den Kredit später selbst bei einem massiven Kursverlust noch zurückzahlen können.Ein lukratives GeschäftFür die Banken ist der SpaceX-Börsengang eine goldene Gelegenheit, können sie doch gleich mehrfach profitieren. Zunächst einmal kassieren die beteiligten Investmentbanken Gebühren für ihre Arbeit. Gemäss Börsenprospekt wirken 23 Institute mit – fast alle, die in den USA Rang und Namen haben. SpaceX hat es dank seiner Grösse allerdings geschafft, diese Gebühren deutlich zu drücken; den Banken wird insgesamt nur etwa eine halbe Milliarde Dollar zufliessen.Langfristig noch wichtiger ist für die Banken jedoch, dass sie dank dem Börsengang ihre Beziehung zu SpaceX und zu den neureichen Mitarbeitern stärken können. Das sogenannte Wealth-Management, die Betreuung von reichen Privatpersonen, wurde an der Wall Street früher belächelt – die grossen Deals ins Trockene zu bringen, war lukrativer.Seit der Finanzkrise hat sich das geändert: Die Betreuung von Superreichen bindet kaum Eigenkapital der Banken und sorgt für sehr verlässliche Einnahmen. Sie ergänzt damit das sehr volatile Kerngeschäft der Investmentbanken ideal.Die USA sind der wichtigste Markt für das Wealth-Management: Nirgendwo auf der Welt gibt es mehr Reiche und Superreiche. Und wie der SpaceX-Börsengang zeigt, wird auch nirgendwo so viel neues Vermögen geschaffen wie hier.Sich ein Stück von diesem Kuchen abzuschneiden, ist für Finanzinstitute aber gar nicht so einfach. Grossbanken wie Morgan Stanley, Goldman Sachs oder die UBS weisen Vorteile auf, da sie regelmässig Firmen beim Börsengang begleiten und seit längerer Zeit Vermögensverwaltung für reiche Kunden anbieten. Sie haben elaborierte Prozesse oder ganze Abteilungen aufgebaut, um möglichst viele Neureiche, die bei einem IPO Kasse machen, in die eigene Privatkundenbetreuung zu lotsen.Banken treten zum Schönheitswettbewerb anDie SpaceX-Angestellten wissen, wie begehrt sie sind – und drehen jetzt den Spiess um. Gemäss der Nachrichtenagentur Bloomberg haben sich mehr als 1000 von ihnen zusammengeschlossen, um gemeinsam aus über 20 Vermögensverwaltungsbanken ein Finanzinstitut auszuwählen, das ihnen derart gute Bedingungen anbietet, wie sie sonst nur den reichsten Kunden zuteilwerden.Ein Verhandlungspunkt sind offenbar die Gebühren für die Vermögensverwaltung: Die SpaceX-Mitarbeiter wollen weniger als 0,5 Prozent des verwalteten Vermögens pro Jahr zahlen statt der oft üblichen 1 Prozent. Ein zweiter Verhandlungspunkt sind die Konditionen für Lombardkredite und ähnliche Möglichkeiten, sofort und steuerfrei an flüssige Mittel zu gelangen, ohne die eigenen Aktien zu verkaufen.Weil diese Mitarbeiter, die sich auf der Kommunikationsplattform Slack organisiert haben sollen, zusammen offenbar rund 20 Milliarden Dollar an Vermögen in die Waagschale werfen können, haben sie gewichtige Argumente auf ihrer Seite.Das Vorgehen ist ungewohnt und könnte das Drehbuch verändern, wie Mitarbeiter das meiste aus einem Börsengang herausholen. Allerdings ist der SpaceX-IPO wegen seiner Dimensionen aussergewöhnlich. Ein Startup-Gründer, der seine Firma für ein paar Millionen verkauft, wird kaum ähnlich gute Bedingungen herausschlagen können.Mit Anthropic und Open AI drängen 2026 noch zwei weitere Technologieunternehmen an die Börse, die möglicherweise mit bis zu 1 Billion Dollar bewertet werden. Die Angestellten werden genau studieren, wie die SpaceX-Mitarbeiter die Banken gegeneinander ausgespielt haben.Passend zum Artikel