Florentino Pérez ist Präsident von Real Madrid, Bauunternehmer und der heimliche König in der spanischen HauptstadtPérez ist mehr als nur Präsident eines legendären Fussballvereins. Er ist einer der grössten Bauunternehmer weltweit und macht gerade ein Vermögen mit KI-Rechenzentren.Florian Haupt, Barcelona10.06.2026, 05.30 Uhr4 LeseminutenFlorentino Pérez im vorigen November. Trotz seinen 79 Jahren widmet er sich weiter mit vollem Eifer seinen Unternehmungen. Laut eigenen Angaben schläft er aber immerhin sechs bis sieben Stunden pro Nacht.Oscar J. Barroso / Europa Press via GettyNichts bringt Florentino Pérez, Präsident des Fussballklubs Real Madrid, so aus der Fassung wie Medienberichte, die Zweifel an seiner Vitalität säen. Das zeigte sich an einer Pressekonferenz im Mai, als er eine Zeitung beschimpfte, die ihm eigentlich nahesteht. Das Blatt mutmasste in einem Artikel, Pérez leide unter einer schweren Krankheit.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Während seiner Philippika proklamierte der 79-jährige Pérez mehrfach die Kündigung seines Abonnements der Zeitung. Den Zweiflern beschied er: «Jeden Tag präsidiere ich Real Madrid und ein weltweit führendes Unternehmen, das 50 Milliarden Euro im Jahr umsetzt.»Pérez wird beides auch weiter tun. Bei den vorgezogenen Neuwahlen um den Real-Vorsitz, die er während jener Pressekonferenz ausrief, wurde er am Sonntag von knapp 65 Prozent der Mitglieder bestätigt. Damit wird Pérez noch eine Weile der heimliche König Madrids bleiben. Diesen Ruf hat er auch seinem Erfolg als Bauunternehmer zu verdanken.Hohe Hürden für Gegenkandidaten eingebautWie einflussreich Florentino Pérez ist, zeigte sich einmal mehr beim Kampf um das Präsidentenamt bei Real Madrid. Erstmals seit 2004 hatte sich ein Gegenkandidat hervorgewagt. Pérez hatte hohe Hürden installiert, um sicherzustellen, dass ihm das Amt niemand streitig macht. So muss ein Präsidentschaftskandidat für das passive Wahlrecht mindestens zwanzig Jahre Mitglied des Klubs sein und bereit sein, persönlich für 15 Prozent des Jahresbudgets des Fussballvereins zu bürgen. Zuletzt betrug das Budget rund 1,2 Milliarden Euro.Der Mann, der binnen kürzester Zeit die nötige Bankbürgschaft von rund 187 Millionen Euro aufgestellt hat, heisst Enrique Riquelme. Er ist Gründer von COX Energy, einem Unternehmen im Bereich der erneuerbaren Energien. Riquelme kritisierte besonders Pérez’ Vorhaben, erstmals 5 Prozent der Vereinsanteile an einen externen Investor abzugeben. Der Herausforderer befürchtet einen Dammbruch. Doch seine Bedenken reichten nicht, um Pérez zu schlagen.Für eine Abwahl wogen Pérez’ Verdienste immer noch zu schwer. Mit 37 Titeln in seinen beiden Amtszeiten von 2000 bis 2006 und wieder seit 2009, darunter allein siebenmal in der Champions League, ist er der erfolgreichste Präsident in der Geschichte des wertvollsten Fussballklubs der Welt.Dennoch war die Gegenkandidatur ein Zeichen, dass Pérez nicht mehr unantastbar ist. Nach zwei titellosen Spielzeiten von Real Madrid, einem verlorenen Machtkampf mit der europäischen Fussballunion Uefa um sein Projekt einer unabhängigen Superliga und dem blamablen Auftritt vor der Presse schwanden seine Beliebtheitswerte.Die Ehrenloge als sagenumwobener Ort der GeschäftsweltAbseits des Fussballklubs lief es in letzter Zeit dagegen reibungsloser. Das Bauunternehmen ACS, das er aufgebaut hat, gehört seit Jahrzehnten zu den grössten der globalen Baubranche. In den letzten fünf Jahren hat sich der Umsatz auf rund 5 Milliarden Euro verdoppelt, der Börsenkurs auf rund 140 Euro verfünffacht. Grund für den Geldsegen sind vor allem die KI-Rechenzentren, die ACS derzeit baut. Pérez erkannte das Potenzial von KI und sicherte sich früh Aufträge in diesem Bereich.Mit 14 Prozent hält er bei ACS das grösste Aktienpaket. Sein Privatvermögen beträgt mittlerweile rund 6 Milliarden Euro. Er ist Verwaltungsratspräsident und gilt als tonangebend. Mit Isidro Fainé, dem Chef des zweitgrössten Anteilsinhabers, der Bank Caixa, ist er seit Jahrzehnten bekannt. Ebenso mit den drittgrössten Investoren, Alberto Cortina und Alberto Alcocer. Es ist seinem Talent als Netzwerker zu verdanken, dass er im Verwaltungsrat grosse Handlungsfreiheit geniesst.Welche fundamentale Rolle persönliche Beziehungen in seinem Denken einnehmen, zeigt sich auch daran, dass die Ehrenloge von Reals Bernabéu-Stadion mittlerweile als sagenumwobener Ort von Spaniens Geschäftsleben gilt. Hier tummeln sich Eliten aus Politik, Wirtschaft oder Justiz so gern, dass die Fotokünstlerin Paula Artés der Loge kürzlich eine eigene Ausstellung widmete.Der ehemalige Schatzmeister der konservativen PP-Partei, Luis Bárcenas, verteidigte sich in einem Korruptionsprozess einst mit den Worten, er selbst sei zur Vermittlung politischer Einflussnahmen gar nicht vonnöten gewesen: «Der PP hat die Loge des Bernabéu, um Geschäfte zu machen.»Als Gastgeber, Strippenzieher und Profiteur dieser Verbindungen gilt Pérez bei vielen Beobachtern als heimlicher Machthaber Spaniens.Von der Politik in die BaubrancheWie man sich richtig vernetzt, lernte Pérez bereits in den Anfängen seiner beruflichen Laufbahn. Nach dem Bauingenieurstudium begann er seine Karriere als Lobbyist und Ministerialbeamter. Ein Ausflug in die Politik scheiterte allerdings, weshalb er sich schliesslich der Geschäftswelt zuwandte. Dort fühlt er sich zu Hause. Auch weil er aus einer Madrider Unternehmerfamilie stammt.Pérez erwarb zunächst kriselnde Bauunternehmen. Als Spanien 1986 der EU beitrat, begann auf der iberischen Halbinsel ein langer Bauboom. Davon profitierte Pérez mit seinen Firmen. Ende der neunziger Jahre fusionierte er sie zum Konzern ACS und spezialisierte sich auf grosse internationale Infrastrukturprojekte. Er baute Flughäfen, Autobahnen, Eisenbahnschienen.Dabei verstand er es durchaus, die Interessen seiner beiden Leidenschaften zu verbinden. Beobachter unterstellten ihm immer wieder, gerne Fussballer aus Ländern zu verpflichten, in denen ACS einen Auftrag zu gewinnen hoffte. Der Glamour von Real Madrid erwies sich dabei als idealer Türöffner.Mittlerweile ist die amerikanische Firma Turner dank ihrer regen Beteiligung an Rechenzentrumsprojekten wie zum Beispiel von Meta zur auftragsstärksten ACS-Tochter avanciert. Die Strategie des Unternehmens ist es, ein globaler Akteur bei Rechenzentren und weiteren Technologiebranchen wie Halbleitern zu werden. Vorangetrieben wird das Projekt vom ACS-CEO Juan Santamaría, einem 48-Jährigen, der seinen Ingenieursabschluss an derselben Madrider Universität wie Pérez machte – und seine gesamte Berufskarriere bei ACS verbrachte. Auch er ist also ein fester Bestandteil von Pérez’ Netzwerk.Passend zum Artikel