Analyse

Seit einiger Zeit gehört Japans Börse zu den stärksten der Welt – trotz hoher Abhängigkeit von Energieimporten und steigender Zinsen. Schub gab zuletzt der klare Wahlsieg von Sanae Takaichi. Die Voraussetzungen für weitere Kursavancen sind intakt. Zölle, Krieg und steigende Energiekosten – nichts scheint die Hausse an den Aktienmärkten bremsen zu können. Seit Jahresbeginn ist der Weltaktienindex von MSCI in Franken bereits um 9% nach oben geklettert. Während derzeit vor allem Technologieaktien aus den USA sowie aus Taiwan und Korea im Rampenlicht stehen, geniessen auch japanische Valoren aussergewöhnlichen Schwung: Der Leitindex Nikkei 225 notiert derzeit rund 30% höher als noch zum Jahresbeginn (+28% in Franken). Der breit gefasste, kapitalgewichtete Topix hat 14% gewonnen.Optimieren Sie Ihre Browsereinstellungen

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Bitte passen Sie die Einstellungen an.Und das, obwohl das rohstoffarme Land stark von Energieimporten für den Transport und für die Industrie abhängig ist, wie eine Auswertung des kanadischen Analysehauses MRB Partners zeigt. Von den untersuchten Regionen und Ländern ist einzig Japan punkto Öl und Erdgas zu 100% von Einfuhren abhängig.Das spüren die Japaner auch in ihrem Portemonnaie. Vergangene Woche genehmigte das japanische Kabinett einen Nachtragshaushalt im Umfang von 3,11 Bio. Yen (rund 15,5 Mrd. Fr.), um die höheren Lebenshaltungskosten im Zusammenhang mit dem Krieg in Iran abzufedern. Gemäss Nachrichtenagentur Bloomberg zählen Subventionen für Gas und Strom zu den wichtigsten Massnahmen. Bereits im Dezember hatte das japanische Oberhaus einen Nachtragshaushalt von 18,3 Bio. Yen verabschiedet.Diese zusätzlichen Staatsausgaben sorgen insbesondere unter Anleiheninvestoren für Nervosität. Zwar hat die Staatsverschuldung relativ zum BIP dank der Wachstumsbeschleunigung in den vergangenen Jahren netto von über 160 auf rund 135% abgenommen, absolut bleibt sie dennoch sehr hoch.Stark gestiegene ZinsenIn einem Umfeld stark steigender Zinsen kann das zu einem Problem werden. Die Renditen zehnjähriger japanischer Staatsanleihen sind seit Ende 2025 deutlich gestiegen, und zwar von rund 2 auf derzeit gegen 2,7%. Vorübergehend notierte die Rendite zehnjähriger Anleihen auf 2,8%, was dem höchsten Stand seit 1997 entspricht. Dreissigjährige Bonds werfen zurzeit ca. 3,9% ab.Es spricht vieles dafür, dass der Auftrieb bei den Langfristzinsen anhält. «Die Lage im Nahen Osten, der niedrige reale Leitzins und die Besorgnis an den Finanzmärkten über das wachsende Haushaltsdefizit den Anstieg der Laufzeitprämie vorantreiben», schreibt Goldman Sachs.Zusätzliche Ausgaben drohen, weil etwa die Verteidigung gestärkt werden muss sowie eine dauerhafte Senkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel von 8 auf 1% diskutiert wird, um die Konsumenten zu entlasten. Wachsende Bedenken hinsichtlich der Tragfähigkeit der öffentlichen Finanzen könnten dadurch die Marktzinsen weiter in die Höhe treiben, was wiederum die Tragfähigkeit durch steigende Zinszahlungen untergraben würde: ein potenzieller Teufelskreis.Wie Goldman Sachs vorrechnet, müsste Japan, wenn die zehnjährigen Zinsen über einen längeren Zeitraum bei den jetzigen rund 2,7% verharren, einen Primärüberschuss von rund 1% erzielen, um einen künftigen Anstieg der Schuldenquote zu verhindern. Zur Berechnung des Primärsaldos werden die Auslagen für den Zinsdienst ausgeklammert.Im vergangenen Fiskaljahr betrug das Haushaltsdefizit rund 1,2% des BIP – deutlich weniger als die 7,2% in den USA oder die 3% der EU. Das Primärdefizit belief sich auf 0,9% (EU: 1,5% und USA: 3,7%). Takaichi und Finanzministerin Satsuki Katayama haben noch im Dezember das Ziel formuliert, dass Japan im kommenden Fiskaljahr erstmals seit fast drei Jahrzehnten in der Budgetrechnung einen Primärüberschuss erreichen soll. Die Gefahr eines Anleihen-Crash scheint demnach übertrieben zu sein.Nicht zuletzt, weil rund 50% aller ausstehenden japanischen Staatsanleihen von der Bank of Japan (BoJ) gehalten werden und weitere rund 40% im Besitz institutioneller inländischer Investoren wie Versicherungen, Banken und Pensionskassen sind. Der Anteil ausländischer Anleger erreicht bloss rund 7%, was gegen eine Kapitalflucht spricht.Straffere GeldpolitikTrotz der jüngsten Entspannung bei der Inflation liegt die Teuerungsrate seit Jahren über dem Leitzins – und der Krieg am Persischen Golf sorgt für neuerlichen Auftrieb bei den Konsumentenpreisen. Die Zentralbank dürfte daher die Leitzinsen weiter anheben und damit die geldpolitische Normalisierung fortführen.BoJ-Gouverneurs Kazuo Ueda äusserte sich zuletzt strenger als in der Pressekonferenz nach der geldpolitischen Sitzung im April. Er erklärte, dass Aufwärtsrisiken für die Konsumentenpreise früher eintreten könnten als wirtschaftliche Abwärtsrisiken. Seither ist an den Zinsderivatemärkten für die kommende Notenbanksitzung am 16. Juni eine Leitzinserhöhung um 25 Basispunkte auf 1% eingepreist.«Hoffentlich geschieht dies nun, da die Iranfrage dem äusserst vorsichtigen BoJ-Gouverneur Ueda den Vorwand liefert, die Geldpolitik proaktiver zu straffen», findet Christopher Wood vom Vermögensverwalter Jefferies. Behält der Marktkonsens recht, wird der Leitzins bis Ende des Jahres bei 1,25% notieren. Das könnte dem Yen, der derzeit zur Schwäche neigt, Auftrieb verleihen.Der unterbewertete Yen ist eine potenzielle RenditequelleWie ein Blick auf die von der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) ermittelten realen effektiven Wechselkurse zeigt, ist die japanische Valuta deutlich unterbewertet. Besonders eindrücklich ist die Diskrepanz in den Bewertungen zum Dollar und zu den wichtigsten europäischen Valuten. Die Strategen des Researchanbieters BCA schätzen die Unterbewertung auf ungefähr 40% zum Euro und bis fast 50% zum Dollar.Wie sie im Weiteren bemerken, übersteigt das Auslandsvermögen der Japaner ihre Verbindlichkeiten um hohe 86% des BIP. Kommt es zu einer verstärkten Repatriierung des Vermögens – was vor allem in Zeiten erhöhter Nervosität geschieht –, dürfte das den Yen unterstützen.Zuletzt aber belastete der Anstieg der Energiepreise die Währung, da diese Japans Aussenhandelsbedingungen (Terms of Trade) verschlechtert haben. Gleichzeitig gehen die Marktakteure zunehmend davon aus, dass in den USA und in der Eurozone in diesem Jahr keine Zinssenkungen mehr anstehen, sondern Erhöhungen drohen. Damit haben sich die Zinserwartungen zuungunsten des Yens entwickelt. Von der Yenschwäche profitieren immerhin die Exporteure.Einer weiteren Abwertung scheint die Notenbank allerdings entgegenwirken zu wollen, um die importierte Inflation zu bremsen. Wie das «Wall Street Journal» berichtet, soll Japan zwischen dem 28. April und dem 27. Mai die Rekordsumme von 11,735 Bio. Yen (etwa 73,7 Mrd. $) zur Unterstützung des Yens eingesetzt haben.Robin Brooks von der Brookings Institution sieht diese Interventionen jedoch kritisch: Das Einzige, was den Yen wirklich stützen und zu niedrigeren Bondrenditen führen könne, sei, die Verschuldung als Problem zu anerkennen und etwas dagegen zu unternehmen. Er schlägt vor, Staatsbetriebe zu privatisieren und inländische Vermögenswerte zu verkaufen.Aktienmärkte profitieren von ReformenFür Aktieninvestoren wichtiger sind jedoch die unter Premierminister Shinzo Abe 2014 angestossenen Unternehmensreformen, die Corporate Japan fitter gemacht haben. Der damals ins Leben gerufene Corporate Governance Code zielte darauf ab, die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen zu verbessern, die Kapitaleffizienz zu steigern sowie die Firmen zu einer aktionärsfreundlichen Politik zu ermuntern. Auch die notorischen, und im Ausland verpönten, Querverflechtungen zwischen Unternehmen wurden angegangen.Die Börse, die Tokyo Stock Exchange (TSE), setzte Druck auf, damit kotierte Unternehmen ihre Dividendenausschüttungen erhöhen sowie nicht benötigtes Kapital in Aktienrückkäufe lenken. Sie ermahnte zudem Unternehmen, die unter ihrem Buchwert handeln und deren Eigenkapitalrendite unterdurchschnittlich ist, konkrete Pläne zur Verbesserung vorzulegen.Kein Zufall, wurde 2014 der Nikkei 400 Index ins Leben gerufen, der im Gegensatz zum Nikkei 225 oder dem Topix Unternehmen auswählt, die eine hohe Kapitaleffizienz, solide Gewinne und eine gute Unternehmensführung (z.B. unabhängige Direktoren, IFRS-Regeln, Berichterstattung ist auch auf Englisch verfügbar etc.) aufweisen. Kurzum: Die Aktionäre rückten in den vergangenen Jahren ins Zentrum der Unternehmen.Diese Entwicklung spiegelt sich in einem eindrücklichen Wachstum der Unternehmensgewinne in den vergangenen zehn Jahren. «Das Gewinnwachstum in Japan war beeindruckend und stärker als in den ‹aussergewöhnlichen› USA», bemerken Rick Friedman und John Thorndike von GMO. Und: «Selbst nach der kräftigen Rally werden fast 40% der im Topix enthaltenen Unternehmen unter ihrem Buchwert gehandelt.»Eindrückliches Gewinnwachstum in Japan Die Grafik zeigt die Entwicklung des Gewinns pro Aktie (indexiert, dicke Linien) und das Kurs-Gewinn-Verhältnis (gestrichelte Linien, rechte Skala) für Japan (links) und die USA (rechts). Quelle: GMO Die eingangs erwähnten, kräftigen Kursavancen sind also durch operative Verbesserungen bei den Unternehmen gut unterstützt. Allerdings liess sich auch in Japan zuletzt eine Bewertungsexpansion beobachten. So ist z.B. das nach dem US-Nobelpreisträger Robert Shiller benannte, zyklisch adjustierte Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), das die inflationsbereinigten Gewinne über zehn Jahre glättet, innerhalb eines Jahres von 23 auf rund 30 geklettert. Damit notiert es jedoch immer noch 25% unter dem langfristigen Durchschnitt. Sowohl in Europa (+12%) als auch in den USA (+60%) liegt es über dem jeweiligen Mittelwert.Skeptische AnlegerTrotz der Kursavancen und steigender Gewinne bleiben die Marktteilnehmer bemerkenswert zurückhaltend, was japanische Valoren angeht. Einen Hinweis auf die Skepsis der Anleger liefert die regelmässige Umfrage, die Bank of America unter Fondsmanagern durchführt und die zeigt, dass Anlageprofis, die globale Fonds verwalten, japanische Aktien untergewichten.Marktstratege Wood bestätigt die Beobachtung für heimische institutionelle Anleger: «Bislang gibt es nach wie vor kaum Anzeichen dafür, dass institutionelle Anleger in Japan ihre Vermögensallokation von festverzinslichen Yenanlagen hin zu japanischen Aktien verlagern», schrieb er kürzlich in einem Marktbericht. Und das, obwohl Aktien seit der Einführung von «Abenomics» Ende 2012 deutlich besser abgeschnitten haben als japanische Staatsanleihen.Für ihn ist deshalb klar: Der Bullenmarkt ist nicht vorbei, bis die heimischen Marktakteure nicht ebenfalls in japanische Aktien umgeschichtet haben. Angesichts der starken Fundamentaldaten stehen die Chancen auf weitere Avancen gut.Wie in Japan investiert werden kannWer in japanische Valoren investieren möchte, kann das bequem via ETF machen. Die gängigen Börsenbarometer sind die folgenden: Nikkei 225: Der bekannteste Index ist der die 225 grössten Unternehmen umfassende Nikkei 225. Anders als in den meisten Börsenbarometern werden sie nach dem Aktienkurs gewichtet. D.h. je höher der Kurs einer Aktie, desto grösser ist ihr Gewicht im Nikkei 225.Nikkei 400: Der relativ junge JPX-Nikkei 400 umfasst die Aktien von vierhundert Unternehmen, die von der TSE gemäss diverser Qualitätskriterien (Eigenkapitalrendite, Corporate Governance, etc.) ausgewählt werden. Sie sind gemäss ihrer Marktkapitalisierung gewichtet.Topix: Der breiteste Index ist der Topix mit rund 1650 nach Marktkapitalisierung gewichteten Unternehmen.MSCI Japan: Dieser umfasst 179 Unternehmen, gewichtet nach Marktkapitalisierung.Interessanterweise hat der kursgewichtete Nikkei 225 in den vergangenen Jahren im Vergleich über ein, fünf und zehn Jahre am besten abgeschnitten. Wer vor zehn Jahren in den Leitindex investiert hat, darf sich heute über eine Gesamtrendite von 300% (inkl. Dividenden) freuen. Die Unterschiede zwischen den übrigen drei Barometern, die nicht annähernd mit dem Nikkei 225 mithalten konnten, sind vergleichsweise gering.Die Divergenz ist der unterschiedlichen Zusammensetzung geschuldet. Wie die folgende Übersicht zeigt, ist der Nikkei 225 viel stärker konzentriert als die übrigen Indizes. Nicht zuletzt dank dem hohen Gewicht der Halbleiterzulieferer Advantest und Tokyo Electron profitierte der Nikkei 225 überdurchschnittlich vom Boom der künstlichen Intelligenz. Dreht dieser Trend, dürften die anderen Barometer besser abschneiden.Ein Blick auf die Sektorzusammensetzung bestätigt das Bild: Die derzeit populären Branchen Technologie und Kommunikation haben im Nikkei 225 ein markant höheres Gewicht als in den übrigen drei Indizes. Bei diesen sind die Unterschiede bei den Sektoren gering, was die ähnliche Performance erklärt.Nachfolgend finden Sie eine Auswahl an UCITS-ETF für jeden Index. Alle Fonds reinvestieren die Dividenden, der – aus Sicht von The Market – unterbewertete Yen ist nicht abgesichert. Wem diese Selektion nicht zusagt, kann hier nach den gewünschten Kriterien suchen. Amundi JPX Nikkei 400 (ISIN: LU1681039050, TER: 0,18%, synthetische Nachbildung, Handelswährung: Yen, thesaurierend, verwaltetes Vermögen: 43 Mio. Fr.)Xtrackers Nikkei 225 (ISIN: LU0839027447 , TER: 0,09%, physische Nachbildung, Handelswährung: Yen, thesaurierend, verwaltetes Vermögen: 1,83 Mrd. Fr.)Amundi Japan Topix (ISIN: LU1681037781, TER: 0,2%, synthetische Nachbildung, Handelswährung: Yen, thesaurierend, verwaltetes Vermögen: 230 Mio. Fr.)UBS Core MSCI Japan (ISIN: LU0950671825, TER: 0,12%, physische Nachbildung, Handelswährung: Yen, thesaurierend, verwaltetes Vermögen: 3,74 Mrd. Fr.)