Auf die Frage, was ihn an der bisherigen Amtsführung des CDU-Politikers am meisten überrascht habe, verweist Kubicki auf dessen lange Zeit außerhalb der aktiven Politik. Merz wisse offenbar nicht mehr, »wie das Spiel funktioniert, also wie das System funktioniert.« Besonders kritisch sieht der FDP-Chef den Umgang des Kanzlers mit Erwartungen: »Das Erwartungsmanagement ist unterirdisch.«Gleichzeitig zieht Kubicki einen Vergleich zu Merz’ Vorgänger Olaf Scholz (SPD), der bis zum Regierungswechsel die Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP angeführt hatte. Der ehemalige Kanzler sei äußerst detailorientiert gewesen, so Kubicki, dessen Partei nach dem Scheitern der Ampel aus dem Bundestag geflogen ist.

Scholz sei besser als Merz gewesenScholz sei ein »Aktenfresser« gewesen und habe sich intensiv mit Sachfragen beschäftigt. »Er war wirklich im Detail, was man von Friedrich Merz nicht immer behaupten kann«, so Kubicki, der seit 2017 Vizepräsident des Bundestages war.Gerade diese mangelnde Detailversessenheit habe ihn überrascht. »Das habe ich definitiv nicht von Friedrich Merz erwartet«, sagt der neue FDP-Vorsitzende.

Auf dem FDP-Bundesparteitag in Berlin setzte er sich deutlich gegen Marie-Agnes Strack-Zimmermann durch und kündigte an, die Liberalen aus ihrer Krise zu führen und zu früheren Wahlerfolgen zurückzuführen.Parallel dazu profilierte sich Kubicki zunehmend als scharfer Kritiker des Kanzlers. Bereits im Mai sorgte er mit einer persönlichen Spitze für Aufsehen, als er Merz öffentlich als »Eierarsch« bezeichnete.