Eigentlich ist es ein Grund zum Jubeln für die US-Raumfahrtagentur Nasa, wenn sie eine neue Crew im Mondprogramm Artemis vorstellt. Vier Menschen hat die Nasa ausgewählt, die bis Mitte 2027 in den Erdorbit fliegen und dort das Andock-Manöver mit dem Landesystem für den Mond testen sollen – so der Plan für die Artemis-3-Mission. Die US-Astronauten Andre Douglas und Frank Rubio fliegen als „mission specialists“ mit, Pilot wird der Italiener und Esa-Astronaut Luca Parmitano, als „commander“ ist Nasa-Astronaut Randy Bresnik ernannt.Aber das Mondprogramm hat kürzlich einen Rückschlag hinnehmen müssen. Erst vor eineinhalb Wochen war eine New-Glenn-Rakete bei Tests vor dem Start explodiert. Die Startrampe am Cape Canaveral wurde dabei so stark beschädigt, dass die Reparatur Wochen dauern dürfte. Eine Ausweichmöglichkeit für eine Rakete dieser Größe gibt es nicht. Dieses Unglück schwingt also mit, als Nasa-Chef Jared Isaacman unter Applaus auf die Bühne am Johnson Space Center in Houston, Texas, läuft.Artemis-2-Mission:Die Schönheit des MondesIn der Nacht auf Dienstag ist Orion hinter dem Mond entlang geflogen – die Aufnahmen, die die Besatzung mitbringt, sind atemberaubend.Eine große Frage im Mondprogramm ist: Kann Blue Origin, der Hersteller der New Glenn, rechtzeitig liefern, damit der ambitionierte Plan aufgeht? Schließlich sollen noch während Donald Trumps zweiter Amtszeit US-Amerikaner auf dem Mond landen. Vorgesehen ist das für die Mission Artemis 4 frühestens im Jahr 2028. Die neue Zwischenmission Artemis 3, die das Docking der Mondlandefähren testen soll, hatte die Nasa im Februar als weiteren Schritt im Mondprogramm angekündigt. Jeremy Parsons von der Nasa sagt: „Wir werden diese Mission nutzen, um die Risiken einer Mondlandung zu verringern. Damit wir China bei der Rückkehr zum Mond schlagen können.“Die Schwerlastrakete von Blue Origin soll den Mondlander Blue Moon ins All bringen. Der Lander soll im Erdorbit die vier Menschen aufnehmen, die eines Tages zum Mond weiterfliegen. Blue Origin, die Raumfahrt-Firma von Amazon-Gründer Jeff Bezos, konkurriert mit Elon Musks Space-X um diesen Auftrag.Sowohl die Nasa als auch die Herstellerfirma zeichnen ein optimistisches Bild für New Glenn. John Couluris von Blue Origin sagt auf der Nasa-Pressekonferenz: „Wir machen herausragende Fortschritte bei den Nachforschungen und beim Wiederherstellen der Startrampe.“ Jeremy Parsons von der Nasa hatte kurz zuvor sagt: „Wir sind zuversichtlich, dass New Glenn für Artemis 3 bereit sein wird.“Die kühlende und gut belüftete Astronautenunterwäsche, wenn man so will, hat Prada mitentwickeltDie Nasa verkündet auch den Ablauf von Artemis 3: Erst startet der Blue-Origin-Mondlander in den Orbit, die neue Crew folgt mit einer SLS-Rakete in der Orion-Kapsel nach. Das Crew-Raumschiff soll sich für Hardware-Tests zwei Tage lang mit dem Mondlander verbinden, dann ablösen und Platz machen für das zweite Mond-Landesystem: HLS von Space-X soll mit einem Starship starten und im Orbit für einen Tag an die Orion-Kapsel andocken, bevor die Kapsel mit den vier Astronauten zur Erde zurückkehrt.Neben dem Docking-Manöver in der Erdumlaufbahn soll die Artemis-3-Crew die neuen Raumanzüge von Axiom Space testen. Die unterste Kleidungsschicht, die kühlende und gut belüftete Astronautenunterwäsche, wenn man so will, hat Prada mitentwickelt und am vergangenen Sonntag in Manhattan präsentiert. Die Crew soll auch testen, den Raumanzug in der Schwerelosigkeit anzuziehen.Der Axiom Raumanzug (l. ) und die unterste Kleidungsschicht (r. ) während einer Pressekonferenz in New York am vergangenen Sonntag. Heather Khalifa/REUTERSBlue Origins Rivale Space-X ist ebenfalls auf der Pressekonferenz vertreten. Die Space-X-Mitarbeiterin Jessica Jensen sagt: „Wir haben die dritte Version des Starship erfolgreich getestet und bauen mehrere Raumschiffe und Raketenstufen parallel.“ Das Ziel seien Flugbetrieb-ähnliche Starts und Landungen. Space-X plant eine unbemannte Landung mit dem Starship auf dem Mond, bevor Artemis 4 ansteht.2025 hat die Nasa das Versprechen von ihrer Webseite gestrichen, eine möglichst diverse Crew zum Mond zu schicken. Bei der kürzlich gelungenen Mondumrundung Artemis 2 war mit Christina Koch erstmals eine Frau so weit von der Erde entfernt und mit Victor Glover der erste Schwarze. Eine Frau ist bei Artemis 3 nun nicht dabei, dafür aber ein Europäer. Eine eindeutige Abkehr vom Diversitätsversprechen ist das noch nicht. Und mehr Prestige bringt sicherlich die Mondlandung mit Artemis 4. Die Crew für diese Mission steht noch nicht fest.
Nasa: Artemis-3-Crew mit europäischem Astronauten
Mit Luca Parmitano fliegt ein Esa-Astronaut auf der Artemis-3-Mission mit. Die Mission soll 2027 das Andocken der Crewkapsel an die Mondlandefähren im Erdorbit testen.











