Pech gehabt: Zwei Jahre in Folge war Kassel die Glückshauptstadt Deutschlands. Jetzt die Ernüchterung. Im jüngsten SKL-Glücksatlas findet sich die nordhessische Großstadt unter 40 bewerteten Kommunen nur noch auf Platz 13 wieder. Und als wäre das nicht genug, erklimmt ausgerechnet Erfurt den Gipfel des Glücks – eine ostdeutsche Stadt, der man gemeinhin kein Übermaß an Zufriedenheit und Optimismus zutrauen würde.Doch was ist in Kassel passiert? Bei genauerem Hinsehen relativiert sich der Absturz erheblich. Die Kasseler, Kasselaner und Kasseläner sind nicht unglücklicher geworden. Ihr Durchschnittswert sank von 7,44 auf 7,16 Punkte – das klingt dramatisch, erklärt sich aber vor allem dadurch, dass die anderen Städte aufgeholt haben. Der bundesweite Schnitt der 40 Großstädte stieg von 6,97 auf 7,02 Punkte. Kassel ist also nicht unglücklicher – die anderen sind glücklicher geworden.Weniger Euphorie, mehr ZufriedenheitHinzu kommt: Der Anteil der wirklich Unzufriedenen in Kassel ist mit 2,9 Prozent nach wie vor verschwindend gering – bundesweit einer der niedrigsten Werte überhaupt. Was sich verändert hat, ist die Spitze der Verteilung: Der Anteil der Hochzufriedenen sank von 55,9 auf 47 Prozent. Weniger Euphorie also, dafür mehr solide Zufriedenheit. Kassel hat aufgehört, sich noch schöner zu träumen, als es ist.Ohnehin wird Glück im Allgemeinen überbewertet. Die Wissenschaft spricht von einem stabilen Gefühl der Zufriedenheit mit dem eigenen Leben – nicht Euphorie, nicht Dauerbegeisterung, sondern das ruhige Empfinden, dass es einem gut geht. Oder, wie es Theodor Fontane einmal lakonisch formulierte: „Glücklich sein heißt vor allem: nicht unglücklich sein.“ Auch nach dieser Definition steht Kassel gar nicht so schlecht da.Wirklich trostlos sieht es dagegen andernorts in Hessen aus. Frankfurt (Platz 38) und Wiesbaden (Platz 39) verharren am Tabellenende, unterboten nur noch von Rostock. Der Wohlstand des Rhein-Main-Gebiets, so scheint es, macht seine Bewohner nicht glücklicher. Woran das liegt? Die Forscher vermuten unter anderem ausgeprägte Einkommensungleichheit.Hessen ist also kein Glücksstaat. Aber immerhin: Kassel hält sich wacker – nüchterner zwar als zuletzt, doch keineswegs unglücklich. Manchmal ist weniger Euphorie eben auch ein Zeichen von Reife.
Kassel im Pech: Absturz im Glücksatlas
Zwei Jahre Glücksgipfel, jetzt nur noch Rang 13. Die Kasseler müssen sich neu sortieren. Trost immerhin: Wirklich unglücklich ist in Nordhessen kaum jemand. Und die Frankfurter? Die waren noch nie ganz zufrieden mit sich und der Welt.













