Die marokkanischen Streitkräfte haben bei einem Drohnenangriff einen der wichtigsten Militärführer der Polisario getötet. Laut der Befreiungsfront, die für eine unabhängige Westsahara kämpft, kamen dabei auch zwei weitere bewaffnete Mitglieder ums Leben. Der Sohn des früheren Polisario-Generalsekretärs Mohamed Abdelaziz soll auf der Seite des 2700 Kilometer langen Sandwalls unterwegs gewesen sein, die Marokko für sich beansprucht. Hightech-Drohnen verschaffen Marokko in dem asymmetrischen Konflikt einen immer größeren Vorsprung.Eine offizielle Bestätigung aus Marokko gab es bisher nicht. Das marokkanische Onlineportal Le Desk berichtete über den Angriff unter Berufung auf „übereinstimmende Quellen“. Der Tod des 37 Jahre alten Lahbib Mohamed Abdelaziz bedeutet nicht nur eine gefährliche bewaffnete Eskalation, sondern belastet auch die Vermittlungsbemühungen der Vereinten Nationen. Laut Presseberichten sollte Abdelaziz nach dem Vorbild seines 2016 gestorbenen Vaters zu einem neuen Führer aufgebaut werden.Enge Beziehungen zu AlgerienZu der Drohnenattacke kam es, als der UN-Sondergesandte Staffan de Mistura im Polisario-Sitz in den Flüchtlingslagern im Südwesten Algeriens versuchte, die Gespräche zwischen der Polisario und Marokko wieder in Gang zu bringen. Ein Polisario-Angriff auf einen marokkanischen Militärstützpunkt hatte sie zum Stillstand gebracht. Mit massivem diplomatischem Druck versuchen vor allem die USA, die Befreiungsfront davon zu überzeugen, auf einen eigenen Staat zu verzichten und sich mit einer Autonomie unter marokkanischer Oberhoheit in der früheren spanischen Kolonie zufriedenzugeben.Der Polisario-Generalsekretär Mohamed Abdelazize bei der Eröffnung des Kongresses der Polisariofront im Dezember 2011picture alliance / dpaLahbib Mohamed Abdelaziz unterhielt enge Beziehungen zur Polisario-Schutzmacht Algerien, wo er militärisch ausgebildet worden war. Ohne die Unterstützung von Marokkos regionalem Rivalen Algerien ist keine Lösung des Konflikts möglich. Der Getötete war Kommandeur eines der wichtigsten Einsatzgebiete der Polisario, dessen Nationalem Sekretariat er angehörte.Nachdem die USA unter Donald Trump 2020 die marokkanischen Ansprüche auf die Westsahara anerkannt hatten, nahm Marokko im Gegenzug diplomatische Beziehungen zu Israel auf. Israel ist einer der wichtigsten Rüstungslieferanten Marokkos – besonders von Drohnen. Der jüngste Angriff, der nicht zum ersten Mal ein prominentes Polisario-Mitglied ins Visier nahm, erinnert einige Kommentatoren an gezielte Tötungsaktionen Israels gegen Hamas- und Hizbullah-Führer.Marokko verfügt mit israelischen, türkischen und amerikanischen Drohnen der Fachzeitschrift „Military Africa Magazine“ zufolge über das größte Arsenal von unbemannten Flugsystemen in Afrika, die 24 Stunden lang und bis 20.000 Meter hoch fliegen können. Mit 104 solchen Drohnen übertrifft es Ägypten und Algerien. Bei Drohneneinsätzen kamen immer wieder Zivilisten um – 2021 zum Beispiel drei algerische Lastwagenfahrer, worauf Algerien mit militärischer Vergeltung drohte.