Herr Maissen, am 14. Juni stimmen die Schweizer über eine Initiative der nationalkonservativen Schweizerischen Volkspartei (SVP) ab, die verlangt, die stetig wachsende Wohnbevölkerung in der Schweiz künftig auf zehn Millionen zu begrenzen. Wie werden Sie persönlich abstimmen?Ich werde mit Nein stimmen. Warum? Ich halte es für sehr wichtig, dass die Schweiz ein berechenbarer Partner der EU ist. Diese Initiative würde der Schweizer Regierung Fesseln anlegen. Sie wäre in der Zukunft zu Maßnahmen gezwungen, die sich als vollkommen falsch erweisen könnten. Das ist geradezu fahrlässig.Die Initiative erhält weit über rechte Kreise hinaus Zuspruch. Woran liegt das?Die Koalition der Befürworter reicht bis in das Lager der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz, also bis hin zu Leuten aus dem Arbeitermilieu, die weniger stark vom wirtschaftlichen Aufschwung der vergangenen 20 Jahre profitiert haben und stark betroffen sind von der Konkurrenz etwa auf dem Wohnungsmarkt. Auch unter den Grünen gibt es Sympathien für eine Zuwanderungsbremse. Sie sehen darin ein Vehikel zum Landschaftsschutz. In den zersiedelten Agglomerationsgebieten und in der konservativen Zentralschweiz fällt die Initiative bei Anhängern der liberalen FDP und der christdemokratischen Mitte-Partei auf fruchtbaren Boden, trotz der offiziell ablehnenden Linie der Parteispitzen.