Die Nachfrage aus dem Ausland ist hoch, aber der Konsum im eigenen Land schwach – so lässt sich die Lage der chinesischen Wirtschaft zusammenfassen. Chinas Exporte haben im Mai dank einer starken Nachfrage nach Halbleitern ​und Hardware für künstliche Intelligenz (KI) sowie vorgezogener Bestellungen aus dem Ausland überraschend ‌deutlich angezogen. Die Ausfuhren stiegen in Dollar gerechnet um 19,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat, wie die chinesische Zollbehörde mitteilte.

Ökonomen hatten lediglich mit einem Zuwachs von ​15 Prozent gerechnet. Auch die Importe legten mit einem Anstieg von 27,4 ⁠Prozent ⁠stärker zu als erwartet, der Handelsbilanzüberschuss kletterte auf 105,43 Milliarden Dollar. Ausländische Käufer zogen Bestellungen vor, um sich ‌gegen steigende Energiekosten infolge des Nahostkriegs abzusichern.Die Auslandsnachfrage bleibt für China weiter eine wichtige Konjunkturstütze. Die Exporte in die EU legten um 7,6 Prozent zu, während die Importe aus der EU um 1,3 Prozent zurückgingen. Im Handel mit Deutschland stiegen Chinas Ausfuhren um 9,3 Prozent. Die Einfuhren aus Deutschland sanken um 6,2 Prozent.

Die Ausfuhren aus China werden unter anderem gestützt vom Export von Elektronik und Technologieprodukten, die etwa für den Ausbau von Rechenzentren benötigt werden. Auch grüne Technologien wie Elektroautos, Lithium-Ionen-Batterien und Photovoltaikprodukte zählen zu Chinas wichtigen Exportbereichen. Zugleich könnten Unternehmen im Ausland Bestellungen vorgezogen haben, um sich gegen mögliche Störungen in Lieferketten abzusichern.