Es muss nicht immer „Rock“ am Ring sein. Das hat Sonntagabend am Nürburgring keiner so eindrucksvoll bewiesen wie Finch. Mit einem wilden Mix aus Rap, Partyschlager und Techno brachte der im Osten aufgewachsene 36-Jährige die Menge vor der Main Stage zum Kochen.
Band und Crew standen in Deutschland-Trikots auf der Bühne, als gegen Ende des Konzerts plötzlich alles anders wurde. Bundesadler im Hintergrund. Deutschlandfahnen links und rechts. Finch tritt ans Rednerpult und schlüpft in die Rolle des Bundeskanzlers.
Weil es Satire ist? Oder weil es die Wahrheit ist? Beides.
Er beginnt mit den Worten: „Bitte seien Sie jetzt ruhig. Bitte warten Sie. So, ihr Pisser, jetzt hört mir mal zu. Ich sage euch jetzt mal was ganz Wichtiges. Ihr wollt wissen, warum es in diesem Land aktuell so schlecht läuft? Dann schaut euch doch mal an.“ Der Wechsel ist abrupt und bewusst – von der förmlichen Anrede zur Publikumsbeschimpfung in einem Atemzug. Kanzler und Provokateur gleichzeitig. Was folgt, ist keine Ansage ans Publikum. Es ist eine vollständige Demontage politischer Rhetorik, Satz für Satz, vor mehr als 70.000 Menschen.
Finch erfindet nichts. Er nimmt die Sätze, die Merz und andere seit Jahren sagen, und stellt sie auf eine Bühne, vor der die Menschen stehen, die sie bezahlen. Jede Zeile hat eine reale Vorlage.









