Die Frage, ob Wind gut oder schlecht sei, wird ein Radfahrer unterschiedlich beantworten, je nachdem, ob er Rücken- oder Gegenwind hat. Ähnlich gelagert ist die Frage, ob eine Kampfkandidatur in der Politik Ausdruck von gelebter Demokratie oder zerstörerischer Spaltung sei. Insofern sagt die Antwort mehr über den, der sie gibt, als über den, der kandidiert. Immerhin: Sie sagt etwas.Viele derjenigen, die sich Kubicki als Chef wünschten, waren verärgert. Strack-Zimmermann wiegele Parteifreunde gegeneinander auf, ruiniere das Bild der Geschlossenheit, das die FDP so dringend abgeben müsse, gebe ihrem Ego nach. Viele derjenigen, die Vorbehalte gegen Kubicki als Chef hatten, frohlockten. Endlich fühle sich die Partei wieder lebendig an, in der Demokratie sei es wichtig, die Wahl zu haben, Wettbewerb gehöre zur DNA der FDP. So wurde auch die Besonderheit dieser Kampfkandidatur, ihre Verkündung im letzten Moment, verschieden kommentiert: tückischer Trick, fanden die einen; raffinierter Zug, meinten die anderen.Von der Erweiterung des HorizontsDer Gegensatz ließe sich auflösen, wenn jede Seite ihren Horizont erweitern könnte. Dann könnten beide Lager sehen, dass ein Zielkonflikt vorliegt. Eine Partei sollte beides sein, einig und lebendig, aber diese beiden Ziele sind oft unvereinbar. Um den Konflikt zu lösen, muss man die Ziele in eine Rangfolge bringen. Ein Hauptziel muss identifiziert werden; es leitet sich davon ab, was gerade das Hauptproblem ist.
Strack-Zimmermann gegen Kubicki: Über den Nutzen von Kampfkandidaturen
Kampfkandidaturen können einer Partei schaden. Aber sie können auch nutzen, wenn nach dem Kampf die Kooperation kommt.







