Wahrscheinlich war es ein reicher Keltenfürst, vielleicht aber auch eine bedeutende Frau oder ein weiser Druide? Sicher ist nur, dass der Tote in dem Keltengrab an der Autobahn 3 bei Bad Camberg zur Elite der Eisenzeit gehörte. Der Fund des Grabes ist von archäologischer Bedeutung, die weit über die hessischen Landesgrenzen hinausreicht. Das Landesamt für Denkmalpflege hat am Montag gemeinsam mit dem Ministerium für Forschung, Kunst und Kultur im Schloss Biebrich vorgestellt, was die Experten bislang in dem Grab fanden. Die endgültige Auswertung wird noch Jahre dauern.Der Fund im Goldenen Grund bei Bad Camberg ist dem Bau eines Solarparks zu verdanken. Bei der üblichen Voruntersuchung des Bauplatzes mithilfe eines Magnetmessgeräts fand das Team um den zuständigen Bezirksarchäologen Kai Mückenberger parallele Linien, einen Kreis und in diesen eingebettet ein Rechteck. Im Scherz sprachen die Experten zu diesem Zeitpunkt von einem „Fürstengrab“, berichtete Mückenberger. „Greifen Sie mal mutig rein“, habe er dem beauftragten Bauunternehmen zu Beginn der Grabungen noch gesagt, bevor klar wurde, dass dort wirklich Funde aus der Eisenzeit liegen. In der Folge wurde erheblich behutsamer weitergegraben.Eine etruskische Schnabelkanne zeigt HandelsverbindungenDie bisherigen Ergebnisse der Grabungen sind beeindruckend: Es wurden unter anderem drei Goldringe für Finger, Arm und Hals gefunden. Besonders spannend ist aus Sicht des Leiters des Forschungszentrums der Keltenwelt am Glauberg, Axel Posluschny, dass in dem Grab auch eine importierte etruskische Schnabelkanne entdeckt wurde. Das wiederum belege die Handelsverbindung der Kelten mit Italien.Ebenfalls als herausragend bewerten die Experten, dass es sich bei dem Grab um die seltene Bestattungsform handele, bei der ein zweirädriger Wagen nachgewiesen wurde. Die beiden Räder waren abmontiert in dem Grab aufgestellt worden. Zwei Radnabenbeschläge, Aschenkappenbeschläge aus Buntmetall sowie eiserne Radreifenbeschläge konnten die Forscher schon identifizieren. Funde keltischer Wagenbestattungen seien in Hessen selten, sie ließen sich an einer Hand abzählen. Keine der bisherigen entdeckten Wagenbestattungen reiche jedoch an die Qualität des Bad Camberger Grabes heran, sagte Hessens Landesarchäologe Udo Recker.Klein, aber bedeutend: eine Augenperle und andere Funde aus dem Grab bei Bad CambergSamira SchulzAuf der Suche nach weiteren Funden wurde die Grabungsfläche laut Mückenberger schichtweise freigelegt. Er bedauerte, dass aufgrund der Bodenbeschaffenheit kaum organisches Material erhalten geblieben ist. „Ich hätte mir gerne ein paar Knochenreste oder Zähne gewünscht“, sagte er. Die Funde werden derzeit in der Restaurierungswerkstatt der Hessen-Archäologie und dem Glauberg-Forschungszentrum unter anderem mit Röntgenstrahlen untersucht. Für die CT-Aufnahmen arbeiten die Hessen mit ihren Mainzer Kollegen vom Leibniz-Zentrum für Archäologie zusammen.Bei den Kelten handelte es sich nicht um ein einheitliches Volk, sondern sie bestanden aus verschiedenen Stämmen, die in Europa lebten. Die Bezeichnung Kelten soll vom griechischen „Keltoi“ stammen und auf den griechischen Geschichtsschreiber Herodot zurückgehen. Es bedeutet „die Tapferen“. Die Kelten bauten Städte, und die Metallgewinnung war einer ihrer wichtigsten Wirtschaftszweige. Sie lebten während der Eisenzeit in ganz Europa, etwa von 800 vor Christus bis zum 1. Jahrhundert vor Christus.„Mit dem frühlatènezeitlichen Fürstengrab von Bad Camberg können wir nunmehr die bis dato nur angenommene Präsenz einer lokalen keltischen Elite nachweisen“, bewertet Recker den Fund und ist überzeugt: „Das Grab und die Möglichkeit, dieses nun mittels neuester Untersuchungsmethoden erforschen zu können, ist von großer Bedeutung für die Eisenzeitforschung in Hessen.“ Nach Einschätzung des Landesarchäologen handelt es sich zwar um ein Fürstengrab, aber um ein völlig anderes als auf dem Glauberg in der Wetterau. Er ordnet den Keltenfürsten im Taunus der sogenannten Hunsrück-Eifel-Kultur zu.In den Grabhügeln des Glaubergs in der Wetterau wurde in Hessen der bislang bedeutendste Fund aus der Eisenzeit gemacht. Dort soll etwa um 400 vor Christus ein bedeutender Keltenfürst geherrscht haben, dessen Sandsteinstatue und Grabhügelanlage gefunden worden war. Heute ist die Keltenwelt am Glauberg Museum und Forschungszentrum. Bei dem Fund in Bad Camberg handelt es sich zwar um ein Wagengrab, wohl aber nicht um einen Fürstensitz. Gleichwohl dürfte der Fürst von Bad Camberg als Zeitgenosse des Fürsten vom Glauberg in der keltischen Geschichte Hessens eine bedeutende Rolle gespielt haben, sind die Experten überzeugt.Dafür spricht nach Einschätzung von Posluschny auch, dass es sich bei dem Gold um massiv geschmiedeten Schmuck handelt. Insgesamt besteht der Schmuck aus fast 200 Gramm Gold. Im Grab wurden zudem zwei Lanzenspitzen und auch die Reste eines Schwerts und eines kleinen Messers gefunden. Es datierte das Grab auf die Zeit von 430 bis 380 vor Christus, was auch der Zeit des Grabes am Glauberg entspreche. Für Posluschny steht daher fest, dass das Bad Camberger Grab ebenso bedeutsam ist, wie das des Glauberger Keltenfürsten.