Drei Monate vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt liegt die AfD bei der Landratswahl im Saalekreis deutlich vorne. Der AfD-Kandidat Uwe Arendt erreichte dort am Sonntag 43,3 Prozent der Stimmen. Der CDU-Kandidat, der 43 Jahre alte Landtagsabgeordnete Sven Czekalle, erhielt 36,6 Prozent.Am 28. Juni kommt es nun zu einer Stichwahl zwischen diesen beiden Bewerbern. Der sachsen-anhaltische AfD-Landesvorsitzende Martin Reichardt bewertete das Ergebnis als „politischen Paukenschlag“ und als Beweis dafür, dass die AfD auch bei der anstehenden Landtagswahl am 6. September 43 Prozent und mehr erreichen könne. Ein solches Ergebnis könnte dann sogar für eine Alleinregierung der AfD reichen, falls ansonsten nur die CDU und die Linkspartei die Fünf-Prozent-Hürde überwinden. In den Umfragen lag die AfD zuletzt bei mehr als 40 Prozent.Der 59 Jahre alte AfD-Kandidat Uwe Arendt sitzt für seine Partei bereits im Kreistag sowie im Stadtrat von Merseburg und ist seit 35 Jahren im Polizeidienst tätig. Gegen Arendt läuft allerdings derzeit ein Disziplinarverfahren, weil er mehrere Monate lang krankgeschrieben war, laut Medienrecherchen aber in der Zeit Wahlkampf gemacht haben und als DJ aufgetreten sein soll. Arendt weist die Vorwürfe zurück.Landkreis ist wegen Leuna ein industrielles Zentrum des LandesDer Ausgang der Stichwahl gilt als offen. Eine bedeutende Rolle könnte spielen, wie sich die Wähler der Linkspartei-Kandidatin Kersten Eisenreich verhalten, die am Sonntag 13,2 Prozent der Stimmen erhielt sowie die Wähler des Einzelbewerbers Lars Zaruba, der 6,9 Prozent bekam. Die Beteiligung an der Landratswahl im Saalekreis stieg im Vergleich zu 2019 deutlich von 32 auf 49 Prozent. Damals wurde der parteilose Hartmut Handschak gewählt, der von CDU, SPD und FDP unterstützt wurde. Handschak trat aus Altersgründen nicht wieder an.Der Saalekreis umschließt die kreisfreie Stadt Halle und ging im Jahr 2007 aus einer Fusion des Saalkreises mit dem Landkreis Merseburg-Querfurt hervor. Im Landesvergleich ist der Saalekreis sehr wirtschaftsstark. In seinem östlichen Teil liegen die Leuna-Werke, die sich aber wie viele andere chemische Betriebe derzeit in einer schwierigen Lage befinden. Auch deshalb blickt man in der sachsen-anhaltischen Politik mit Spannung auf den Ausgang der Landratswahl, da eine enge Koordination zwischen Kreis- und Landesebene als wichtig für die Bewältigung der Krise in der örtlichen Chemieindustrie gilt.Bisher stellt die AfD in Sachsen-Anhalt noch keinen Landrat, sondern mit Hannes Loth in Raguhn-Jeßnitz lediglich einen hauptamtlichen Bürgermeister.