Parlamentswahl in Kosovo: Albin Kurtis linksnationale Partei siegt mit deutlichem VerlustNach der dritten Parlamentswahl innerhalb von 15 Monaten droht Kosovo in die nächste politische Blockade zu rutschen. Das ist frustrierend für die Bevölkerung und könnte teuer werden.08.06.2026, 08.54 Uhr3 LeseminutenMinisterpräsident Albin Kurti gewinnt mit seiner Partei Vetevendosje vom Sonntag die Parlamentswahl.Valdrin Xhemaj / ReutersDie Partei von Ministerpräsident Albin Kurti hat die vorgezogene Parlamentswahl am Sonntag in Kosovo erwartungsgemäss gewonnen. Nach mehr als 99 Prozent der ausgezählten Wahlzettel holte seine Partei Vetevendosje laut offiziellen Ergebnissen 43 Prozent der Stimmen. Im Vergleich zur vergangenen Wahl muss sie spürbare Verluste hinnehmen. Schwerer wiegt jedoch, dass die linksnationale Kraft die notwendige Mehrheit verfehlte, um die politische Krise im Land zu beenden. Kosovo droht die nächste Blockade.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Wahlbeteiligung auf historischen TiefAuf Platz zwei liegt nach Angaben der Wahlkommission die liberale Demokratische Partei mit 21,1 Prozent der Stimmen. Es folgt die bürgerliche Demokratische Liga Kosovos mit 17,7 Prozent. Kurtis Partei wird Koalitionspartner brauchen, um eine Regierung zu bilden. Sie wird auch Kompromisse mit der Opposition eingehen müssen, um die für die Wahl eines neuen Präsidenten erforderliche Zweidrittelmehrheit zu sichern. Ob das gelingen wird, ist allerdings fraglich. Denn daran war Kurti bereits im Frühjahr gescheitert.Zwar holte Kurtis Vetevendosje bei den vergangenen Wahlen im Dezember mit 51,1 Prozent der Stimmen einen triumphalen Sieg. Weil sich das Parlament jedoch nicht fristgerecht auf einen neuen Staatspräsidenten einigen konnte, mussten die Kosovaren diesen Sonntag erneut an die Urnen: zum dritten Mal binnen 15 Monaten.Der Dauer-Wahlmodus ermüdet die Bevölkerung. Die Wahlbeteiligung erreichte am Sonntag laut offiziellen Angaben nicht einmal 37 Prozent. Das sind acht Prozentpunkte weniger als noch im Dezember. Es ist der niedrigste Wert seit der Unabhängigkeitserklärung im Jahr 2008. Die Kosovarinnen und Kosovaren wünschen sich ein Ende des politischen Stillstands, in dem ihr Land seit über einem Jahr feststeckt. Dieser könnte das Land teuer zu stehen kommen: Kosovo droht angesichts anhaltender Instabilität der Verlust von EU-Fördergeldern in Millionenhöhe.Zwar war es dem Parlament im Februar gelungen, den EU-Wachstumsplan zu verabschieden und sich so die Auszahlung von 62 Millionen Euro zu sichern. Brüssel hat Kosovo aber insgesamt 883 Millionen Euro bis Ende 2027 in Aussicht gestellt, wenn es konkrete Reformen zur Stärkung von Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Wirtschaft umsetzt. Zudem knüpft die EU die finanzielle Hilfe an Fortschritte bei der Normalisierung der Beziehungen zum Nachbarland Serbien.90,7 Millionen Euro akut gefährdetAkut gefährdet ist nun die Auszahlung von 90,7 Millionen Euro. Sie hängt von 13 Reformschritte ab. Dazu zählen ein neues Gesetz für öffentliche Ausschreibungen, das die weitverbreitete Vetternwirtschaft eindämmen soll, ein Antikorruptionspaket gegen Geldwäsche und Bestechung sowie die Digitalisierung der Verwaltung. Weil die Frist zur Verabschiedung der Reformen Ende Juni verstreicht, gilt es als nahezu sicher, dass die Geldtranche vorerst in Brüssel bleibt.Denn selbst wenn alle politischen Streitigkeiten beigelegt würden, fehlt die Zeit, um die nötigen Gesetze durchzubringen. Die EU-Erweiterungskommissarin Marta Kos warnte bei ihrem Besuch in Mai in Pristina unmissverständlich davor. Sollte sich die politische Blockade nach der Wahl vom Sonntag fortsetzen, zeichnet sich eine neuerlichen Parlamentswahl im Herbst ab. Das Land geriete damit noch tiefer in die Sackgasse: Ende des Jahres läuft die Frist für weitere Reformen im Umfang von 165,9 Millionen Euro ab.Passend zum Artikel
Kosovo nach der Wahl: Bevölkerung frustriert, weil die Blockadegefahr bleibt
Nach der dritten Parlamentswahl innerhalb von 15 Monaten droht Kosovo in die nächste politische Blockade zu rutschen. Das ist frustrierend für die Bevölkerung und könnte teuer werden.











