Ende Mai eröffnete das Mokka*Milch an der Karl-Marx-Allee nach jahrelangem Leerstand neu. Gelbe Fliesen, große Schaufensterfronten, leuchtende Schriftzüge – der Pavillon neben dem Kino International war zurück. Der Andrang war so groß, dass das Lokal wieder schließen musste: Stromausfall, kaputte Kaffeemaschine, überfordertes Personal. Am 12. Juni soll es weitergehen, diesmal mit voller Karte und – so versprechen die Betreiber – mehr Ruhe.Das klingt nach einer klassischen Berliner Gastro-Posse. Kultort, Comeback, Fehlstart. Aber der Moment ist größer als die kaputte Kaffeemaschine.

DDR-Moderne mit neuem Leben: Die Mokka-Milch-Eisbar an der Karl-Marx-Allee

© Jürgen Ritter/imago

Schlager, Zensur und Milchbar-Träume – jetzt auch auf der Opernbühne

Zwei Tage nach dem geplanten Neustart, am 14. Juni, startet in der Komischen Oper Berlin die Revue „Mokka-Hits und Milchbar-Träume“. Regisseur Axel Ranisch und Musikalischer Leiter Adam Benzwi bringen vier DDR-Jahrzehnte auf die Bühne: Frank Schöbel, Helga Hahnemann, den Lipsi-Tanz, Brecht/Eisler, Wolf Biermann – und zensiertes Material aus dem Ost-Berliner Kabarett Distel. Ausdrücklich keine harmlose Schlagershow, sondern ein Programm durch Widersprüche: Aufbruch, Unterhaltung, Erstarrung, Wende-Kater.Zwei Institutionen, eine Gleichzeitigkeit: Berlin inszeniert DDR an zwei Orten gleichzeitig. Das ist kein Zufall.