Im vergangenen November erst hatte die Stadt Düsseldorf ihr wohl ambitioniertestes stadtplanerisches Projekt vorgestellt. Mitten in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt, am Werhan, sollte das norwegische Architekturbüro Snøhetta ein nagelneues Opernhaus errichten, komplett mit Riesenlobby und Musikschule. Snøhettas Mitbegründer Kjetil Thorsen sprach gar von einer Chance zur „Stadtreparatur“. Doch nun hat Düsseldorfs CDU-Bürgermeister Stephan Keller den Ambitionen ein jähes Ende gesetzt: Wie die Stadt am Freitag mitteilte, wird der prestigeträchtige Neubau komplett gestrichen. Stattdessen soll der Bestandsbau der „Deutschen Oper am Rhein“ saniert werden.Begründet wird dieser Schritt mit den zu erwartenden Baukosten. Es sei seine „Pflicht, die finanzielle Autonomie der Landeshauptstadt sicherzustellen“, so Keller in der offiziellen Verlautbarung der Stadt. Die neue Oper hatte einen Kostendeckel von einer Milliarde Euro. Einschließlich der Finanzierungskosten wurden zuletzt aber rund 1,8 Milliarden Euro vorhergesagt.Architektur:Großes für die InnenstadtDas norwegische Büro Snøhetta hat den Architekturwettbewerb für den Neubau der Düsseldorfer Oper gewonnen. Ob es aber auch bauen darf, muss sich erst noch zeigen.Diese Kosten wären, wie der katastrophale Verlauf der Sanierung der Kölner Bühnen ein Stück rheinaufwärts belegt, im Zweifel noch erheblich gestiegen. Die Landeshauptstadt müsse die Opernpläne gegen andere Projekte wie Schul- und Brückensanierungen abwägen, so die Begründung der Absage. Auch der Abriss des alten Kaufhof-Gebäudes, den die Stadt im Zusammenhang mit der Opernplanung erworben hatte, soll auch nicht erfolgen. Stattdessen ist nun von einer Umnutzung die Rede.Damit endet eine viele Jahre währende, bereits als abgeschlossen geltende Düsseldorfer Debatte mit dem für alle Beteiligten denkbar enttäuschendsten Ergebnis. Nicht nur wird der hervorragende Entwurf der Norweger nicht realisiert, der sich ortsverträglich in das Grundstück zwischen Karstadt und Oststraße eingepasst hätte. Die Stadt steht zugleich, genau wie vor fünf Jahren, vor der Frage, wie der marode Bestandsbau an der Heinrich-Heine-Allee wieder nutzbar gemacht werden kann.Im Jahre 1875 nach Plänen des Architekten Ernst Giese erbaut und 1943 bei Bombenangriffen stark beschädigt, wurde er nach dem Zweiten Weltkrieg, notdürftig repariert und schließlich von Paul Bonatz wiedererrichtet und erweitert. Bisher war das Gebäude nur übergangsweise weitergenutzt worden. Nun muss die Stadt bis 2030 geschätzte 25 Millionen Euro für die anstehende Sanierung aufbringen.
Zu teuer: Neubau der Düsseldorfer Oper abgesagt
Der prestigeträchtige Bau des Architekturbüros Snøhetta wird gestrichen. Stattdessen soll die „Deutsche Oper am Rhein“ saniert werden.
Düsseldorf bricht das 1,8-Milliarden-Opernneubau-Projekt (Snøhetta) ab; Kosten explodierten von 1 Milliarde auf 1,8 Milliarden Euro. Stattdessen Sanierung des 1875er Bestandsbaus für 25 Millionen Euro bis 2030. Die Budgeteskalation zeigt das klassische Risiko von Megaprojekten: Finanzielle Realität überschreibt urbane Ambitionen.









