Heute möchte ich Ihnen eine Geschichte erzählen, in der es viel um Käse geht und doch um viel mehr als nur würziges Essen. Mein Kollege Leo Klimm hat sie in Frankreich recherchiert, wo er seit vielen Jahren lebt. Im Pariser Vorort Clichy hat er Michaël Belissa getroffen, der dort handgeschöpften Camembert verkauft, würzigen Bergkäse aus der Schweiz, auch guten Pecorino. Und der sagt: »Ich verkaufe keinen Käse, ich verkaufe Geselligkeit.«Was nach eleganter Werbung klingt, nach französischer Folklore, ist tatsächlich viel mehr. Belissa ist ein Diplomat, ein Vermittler, der mit Käse unterschiedlichste Menschen zusammenbringt. Gemeinsam mit der französischen Unesco-Botschafterin nutzt er seit Jahren das kulinarische Erbe seines Landes, um Verbindungen zu knüpfen. Warum aber Käse?»Er verkörpert einerseits oft eine Region oder ein Land, andererseits schließt es niemanden aus«, sagt die Spitzendiplomatin von der Unesco. Im Gegensatz etwa zu Alkohol. Oder zu Schweinefleisch.

Mit einem Käsefestival haben die beiden über mehrere Jahre das Verhältnis zwischen Frankreich und Algerien aufgebessert. Es gab Verkostungen, Kurse zum Kochen und zum Servieren der Milchspezialitäten, Workshops zu Herstellungstechniken und Wettbewerbe, bei denen die besten Käser beider Länder aufeinandertrafen.»Am Anfang haben wir Misstrauen gespürt«, erzählt Belissa. »Dann haben die Leute gemerkt, dass wir da sind, um gemeinsam eine gute Zeit zu verbringen.«