Kurz vor Ende der Spielzeit kommt aus dem Berliner Maxim-Gorki-Theater ein Hilferuf: Der Personalrat warnt vor „existenzbedrohenden“ Einschnitten. Den Werkstätten des Theaters droht eine saftige Mieterhöhung von 160 000 Euro und – wenn sich das Theater nicht mit dem Vermieter einigen kann – die Kündigung der Räumlichkeiten zum Jahresende. Nach den rabiaten Sparrunden der vergangenen Jahre sind die Rücklagen des kleinsten der Berliner Staatstheater aufgebraucht. Torben Schumacher, der Geschäftsführende Direktor, zieht im Gespräch mit der SZ eine nüchterne Bilanz: „Wir können die drohenden Mieterhöhungen in unserem Budget nicht kompensieren, wir haben keinen Puffer mehr.“ Sparen könnte das Theater nur im flexiblen künstlerischen Etat. Schumacher rechnet vor, dass das Theater mindestens auf eine große Produktion verzichten müsste, um die höhere Miete aufzubringen: Der Apparat würde die Kunst fressen, die er ermöglichen soll.
Erst bekommt das Theater weniger Geld, dann werden seine Kosten willkürlich erhöht
Der Vermieter, der plötzlich mehr will, ist kein raffgieriges Privatunternehmen, sondern der Bühnenservice Berlin, ein Tochterunternehmen der Berliner Opernstiftung – also eine Einrichtung des Landes Berlin. Die Mieterhöhung ist kein Schicksalsschlag, auch kein externer Kostentreiber wie die Inflation, sondern schlicht eine politische Entscheidung. Zu verantworten haben sie die gescheiterte Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson (parteilos) und ihr Interimsnachfolger, der Finanzsenator Stefan Evers (CDU). Es ist kein Wunder, dass sich die Belegschaft des Theaters von der Politik im Stich gelassen fühlt, zumal schon die bisherigen Spareinschnitte am Gorki überproportional ausgefallen sind: Erst bekommt das Theater weniger Geld, dann werden seine Kosten willkürlich erhöht. Dass CDU-Politiker das Theater, das unter der bisherigen Intendantin Shermin Langhoff mit einem prononciert linken, gerne lautstarken Programm erhebliche Ausstrahlung entwickelt hat, so rüde behandeln, wirkt ein wenig, als wollten sie die Theatermacher für deren politische Haltung abstrafen.










