PfadnavigationHomePolitikAuslandManfred Weber„Entweder wir wehren uns, oder China macht Teile unserer Industrie platt“Von Albert LinkStand: 06:04 UhrLesedauer: 3 MinutenEVP-Chef und CSU-Vize Manfred Weber Quelle: Philipp von Ditfurth/dpaEVP-Chef Manfred Weber sagt, Europas „Zeit der Naivität“ gegenüber China sei vorbei. Er fordert einen härteren Kurs. Der CSU-Vize sieht eine Blaupause in den EU-Zöllen auf chinesische Autos.Es sind entscheidende Tage für die Beziehungen der EU mit China: Im Vorfeld des EU-Gipfels am 18. Juni drängt vor allem Frankreich auf eine härtere Gangart gegenüber Peking. Denn China schadet mit seiner Überproduktion zu Dumping-Preisen unserer ohnehin angeschlagenen Wirtschaft.Als Reaktion fordert EVP-Chef und CSU-Vize Manfred Weber in „Bild am Sonntag“, das wie WELT zum Axel Springer Global Reporters Network gehört, einen neuen, härteren Kurs. Der Chef der Konservativen im EU-Parlament sagt: „Die Zeit der Naivität ist vorbei. Wir müssen europäische Interessen klarer, härter und konsequenter verteidigen.“ Europa müsse „endlich ein neues Kapitel in den Beziehungen zu China aufschlagen“.Lesen Sie auchDas „Handelsdefizit von fast einer Milliarde Euro pro Tag“ gefährde laut Weber „unsere industrielle Basis und hochwertige Arbeitsplätze“. Weber ergänzt: „Entweder wir wehren uns, oder China macht Teile unserer Industrie platt. Die EU muss ihre handelspolitischen Instrumente jetzt entschlossen und ohne Zögern einsetzen.“Die Blaupause, auf die Weber verweist, sind die EU-Zölle auf chinesische Autos. Wie Weber anmerkt, habe man diese trotz Kritik aus Deutschland umgesetzt: „Noch vor wenigen Monaten gab es in Deutschland heftige Kritik an den EU-Zöllen auf chinesische Autos. Wir haben die Zölle trotzdem eingeführt, und heute sehen wir, dass wir noch mehr solcher Schutzmaßnahmen brauchen.“EU-Steuergeld fließt weiter in chinesische WirtschaftPeinlich für die EU-Kommission: Bisweilen fließt Geld der EU-Steuerzahler sogar weiterhin in die Unterstützung der chinesischen Wirtschaft. Für Aufsehen sorgte zuletzt der Kauf von 380 Erdgasbussen für den Senegal, der mit Mitteln aus der EU-Entwicklungshilfe finanziert wurde. Ein chinesischer Hersteller setzte sich mit einem günstigen Angebot gegen das schwedische Unternehmen Scania durch.So etwas darf sich aus Webers Sicht nicht wiederholen. Er sagt: „Europäische Entwicklungshilfe aus Steuermitteln darf nicht chinesischen Unternehmen zugutekommen.“ Und generell müsse in Zukunft gelten: „Wer in Europa verkaufen will, muss europäische Regeln einhalten.“Was wäre das Risiko, wenn die EU mit den Zöllen ernst macht? Chinesische Lieferstopps für Rohstoffe, wie Seltene Erden, und Produkte. Diese Lücken kann selbst der EU-Freihandel mit Kanada, den Mercosur-Staaten (Südamerika) und Indien kaum schließen – Gift für die deutsche Industrie. Ob die Bundesregierung mitzieht, ist deshalb noch nicht ausgemacht. Das Portal „Bloomberg“ berichtete, dass Kanzler Merz (70, CDU) aber für die härtere Gangart offen sei.Weber setzt darauf, dass Peking einlenkt. Er sagt: „China braucht uns.“ Der Zugang zum europäischen Binnenmarkt sei für China von enormer Bedeutung – und genau diesen Hebel müsse die EU nutzen, „um fairen Wettbewerb durchzusetzen“.Das Axel Springer Global Reporters Network bündelt die Ressourcen der Redaktionen des Unternehmens, um umfangreiche Recherchen, Interviews, Meinungsbeiträge und Analysen zu veröffentlichen. Dadurch können Journalisten – darunter von „Politico“, Business Insider, WELT, „Bild“, Onet und Fakt – bei großen Geschichten für ein internationales Publikum von Hunderten Millionen über verschiedene Plattformen hinweg zusammenarbeiten: online, Print, TV und Audio.