Konkurrenz in der Art-Familie: Bleibt die wichtigste Kunstmesse in Basel, oder wandert sie nach Paris ab?Nach zwei schwierigen Jahren wächst der Kunstmarkt wieder. Aussteller und Sammler strömen kommende Woche nach Basel an die weltgrösste Kunstmesse. Doch eine Frage treibt die Stadt um: Wie lange noch?07.06.2026, 05.30 Uhr6 LeseminutenKonkurrenz aus dem eigenen Haus: die Art Basel Paris.Illustration NZZaSWenn in Basel wieder ein Flair von Weltstadt zu spüren ist, dann weiss man, was es geschlagen hat. Die schicken Gäste sind wegen der Kunstmesse Art Basel und der zahlreichen Parallelausstellungen in town.Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Sie folgen dem Ruf des Originals: 1970 wurde die Art in Basel von den lokalen Galeristen Trudl Bruckner, Balz Hilt und Ernst Beyeler ins Leben gerufen. Sie war von Anfang an ein durchschlagender Erfolg. Mittlerweile ist die Art Basel so gross geworden, dass sie weltweit Ableger hat: in Hongkong, Miami, Katar und seit fünf Jahren auch in Paris.Doch der Art Basel Paris – wie sie offiziell heisst – begegnet man in Basel mit zunehmendem Argwohn. Denn es bestehen die Befürchtungen, dass auf Dauer zwei ähnlich geartete Ausstellungen innerhalb weniger Monate (Juni in Basel, Oktober in Paris) nicht bestehen werden. Zumal die beiden Städte mit dem TGV nur drei Stunden Fahrtzeit auseinanderliegen. Und wenn eine Messe aufgegeben würde, dürfte das kleine Basel gegen die Metropole an der Seine kaum Chancen haben.Nachdem die Uhren- und Schmuckmesse Baselworld 2019 abgezogen ist, ist die Art Basel die letzte grosse Ausstellung auf dem Messegelände der einstigen Mustermesse Basel. Noch handelt es sich um Gerüchte. Aber ein Verlust der Art wäre für das Selbstverständnis der Stadt Basel schwer zu verkraften.Die Art Basel ist mit Abstand die wichtigste Messe des Veranstalters MCH Group. Hauptaktionär ist James Murdoch, Sohn des australischen Milliardärs Rupert Murdoch. Seine Lupa Investment Holding hält rund 42 Prozent der Aktien. Doch auch die Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft sind massgeblich am Unternehmen beteiligt.GettyJames Murdoch hat das SagenDer in der Region wohnhafte Kunstsammler Alex Grossenbacher zeigt sich optimistisch. Basel habe gegenüber Paris verschiedene Vorteile. So sei die Art in Basel qualitativ noch immer die höchststehende Messe. Zudem würden sich die Besucher in Basel immer wieder begegnen, sei dies an den verschiedenen Parallelausstellungen, in den Museen wie dem Kunstmuseum oder der Fondation Beyeler oder in den Restaurants. In Paris sei dies kaum der Fall, in der weitläufigen Millionenstadt würde das Feeling des «Klassentreffens» völlig fehlen.Auch für die Messe-Direktorin Maike Cruse hat Basel durchaus Platz neben Paris: «Absolut. Europa verfügt über eine der am tiefsten verwurzelten Sammeltraditionen der Welt sowie über ein aussergewöhnlich dichtes Netzwerk an Museen, Stiftungen, Galerien und Mäzenen. Wir sehen keinen Widerspruch zwischen Basel und Paris – im Gegenteil: Ihr Nebeneinander ist Ausdruck der Stärke und Vitalität der europäischen Kulturlandschaft.»Für eine Woche werde eine ganze Stadt zum Zentrum der Kunstwelt. «Galerien zeigen ihre ambitioniertesten Präsentationen, Institutionen eröffnen bedeutende Ausstellungen, Künstlerinnen und Künstler, Sammler, Kuratorinnen und Museumsdirektoren reisen aus aller Welt an. Diese Konzentration von Expertise, Einfluss und kulturellem Austausch ist einzigartig für Basel», sagt Cruse.Der baselstädtische Regierungsrat Kaspar Sutter, Vorsteher des Departements für Wirtschaft, Soziales und Umwelt, setzt den Spekulationen – zumindest vorerst – ein Ende: «Beim Einstieg der Lupa Investment Holding als Ankeraktionär der MCH Group im Jahr 2020 hat Lupa eine Standortgarantie von mindestens 15 Jahren für die Durchführung der rentablen Messen an ihren bisherigen Standorten in der Schweiz gegeben», erklärt er.Kaspar Sutter.CH MediaIm Klartext: So lange die Messen Geld einspielen, sind sie nicht gefährdet.Die Standortfrage ist das eine, das Kunst-Business das andere: Für das Publikum beginnt die Messe mit der Vernissage am Mittwochabend, 17. Juni. Tatsächlich öffnen sich die Türen für geladene Sammler bereits am Montagnachmittag. In den ersten zwei Tagen werden denn auch die grössten Geschäfte getätigt. Sobald ein Kunstwerk verkauft wird, ersetzen die Galeristen die Bilder durch neue Werke, denn der Platz ist begrenzt, und die Mieten sind sehr teuer. Der Quadratmeter kostet – so erzählt ein Galerist, der nicht genannt werden will – 1000 Franken.Wer durch die Messehallen schlendert, wähnt sich im Erdgeschoss bei vielen Galerien eher in einem Museum als an einer Kunstmesse. Denn in den grossen Galerien, allen voran bei den Big Five – Gagosian, Hauser & Wirth, Pace, White Cube und David Zwirner – hängen Werke der bekanntesten Meister des 20. und des 21. Jahrhunderts: Picasso, Braque, Rothko, Warhol und Richter. Daneben findet man insbesondere im ersten Obergeschoss jüngere Kunst.Galerien, die Künstler aufbauen und bekannt machen, sind gegenwärtig unter Druck, sagt Alex Grossenbacher, der im Stiftungsrat der Liste war, einer Parallelmesse zur Art Basel für junge Künstler. Ein Grund dafür: Die Transportkosten sind aufgrund der geostrategischen Situation explodiert. Für die Galerien stellt dies ein Problem dar. Selbst die grossen Fünf werden von dieser Entwicklung nicht verschont.So hat die New Yorker Pace Gallery erst am Donnerstag bekanntgegeben, 50 Künstler sowie 50 Mitarbeiter zu entlassen. Die Galerie reduziert die Zahl der vertretenen Künstler von rund 135 auf 85 und die Belegschaft von etwa 250 auf 200. Marc Glimcher, CEO und Sohn des Pace-Gründers, sagte: «Das Galeriemodell ist gescheitert; die heutige kommerzielle Kunstwelt ist zu gross, zu unternehmerisch und zu unpersönlich geworden, und Pace unternimmt etwas dagegen.»Umso gespannter blickt die Kunstwelt auf die bevorstehende Art Basel. Sie dient mit 290 Galerien aus 43 Ländern als Gradmesser für den Zustand des Marktes. Gemäss dem Art Market Report 2026 erzielte der weltweite Kunstmarkt im Jahre 2025 einen Gesamtumsatz von geschätzten 59,6 Milliarden Dollar, was einem Wachstum von 4 Prozent entspricht. Nach zwei Jahren mit sinkenden Umsätzen erholte er sich damit endlich wieder leicht.Interessant wird sein, ob sich der Trend fortsetzen wird, der die traditionellen Frühjahrsauktionen der Traditionshäuser Christie’s, Sotheby’s und Phillips geprägt hat. Insgesamt wurde die Saison als eine der besten der vergangenen Jahre bewertet. Spitzenpreise erzielten vor allem Werke der Nachkriegsmoderne und des abstrakten Expressionismus. Bei Christie’s wechselte Jackson Pollocks Werk «Number 7A» aus dem Jahre 1948 für 181,2 Millionen Dollar den Besitzer. Stark verkauften sich auch Gemälde von Rothko, Jean-Michel Basquiat und Andy Warhol – allesamt Klassiker also.Museale Kunst ist gefragtDie Art-Direktorin Cruse sagt auf die Frage, welche Kunst denn nun wirklich gefragt sei: «Besonders stark bleibt die Nachfrage nach museumstauglichen Werken mit herausragender Provenienz und kunsthistorischer Bedeutung. Die jüngsten Auktionen in New York haben dies eindrücklich bestätigt. Für aussergewöhnliche Werke besteht ein sehr starkes internationales Interesse. Gleichzeitig sehen wir ein allgemein wachsendes Interesse an Künstlerinnen.»Gemäss dem «Wall Street Journal» stammten die Rekordkäufe vorwiegend von «ultra-high-net-worth individuals», Family-Offices und zunehmend von privaten Museen. Nur: Werden diese Sammler angesichts der unsicheren geopolitischen Situation den Weg nach Basel finden?Maike Cruse sagt dazu: «Trotz geopolitischen Unsicherheiten sehen wir bis jetzt keine wesentlichen Auswirkungen auf die Nachfrage. Die Anmeldungen durch Sammlerinnen und Sammler bewegen sich auf einem vergleichbaren Niveau wie in den vergangenen Jahren. Auch von Seiten der Galerien erleben wir eine hohe Nachfrage und starke Beteiligung.»Maike Cruse.CH MediaDie Messe beobachtet weiterhin eine starke Präsenz europäischer und amerikanischer Sammler, dazu seit einigen Jahren eine wachsende Zahl von Gästen aus Asien sowie aus dem Nahen Osten und Nordafrika. «Diese Entwicklung hängt auch mit der globalen Entwicklung unseres Netzwerks zusammen: Unsere Messen in Hongkong, Paris und Katar schaffen neue Beziehungen und Zugänge, die sich langfristig auch in Basel bemerkbar machen», sagt Cruse.An der Art Basel im vergangenen Jahr erzielte der britische Künstler David Hockney mit seinem Gemälde «Mid November Tunnel» gemäss artsy.net den höchsten Verkaufspreis. Das Werk der Londoner Galerie Annely Juda Fine Art wechselte für schätzungsweise 13 bis 17 Millionen Dollar in eine Privatsammlung. Die Galerie David Zwirner verkaufte die Skulptur «Untitled» von Ruth Asawa für 9,5 Millionen Dollar und Gerhard Richters «Abstraktes Bild» für 6,8 Millionen Dollar.Und solange solche Beträge fliessen, muss sich Basel wohl keine Sorgen um den Verbleib seiner Kunstmesse am Rheinknie machen.Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel
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Nach zwei schwierigen Jahren wächst der Kunstmarkt wieder. Aussteller und Sammler strömen kommende Woche nach Basel an die weltgrösste Kunstmesse. Doch eine Frage treibt die Stadt um: Wie lange noch?






