Diesen Talenten gehört die Zukunft – WM-Debütanten der ExtraklasseAn der Fussball-WM intonieren Ronaldo, Messi und Neymar den Schwanengesang. Doch für das Spektakel könnten die besten Spieler der neuen Generation sorgen.07.06.2026, 05.30 Uhr6 LeseminutenDésiré Doué: In Frankreichs Sturm gesetztLängst kein Geheimtipp mehr: Désiré Doué, hat mit 21 Jahren schon zweimal die Champions League gewonnen.Benoit Tessier / ReutersDésiré Doué hat soeben den 21. Geburtstag gefeiert und ist doch längst kein Geheimtipp mehr. Als Stammspieler von Paris Saint-Germain gewann der vielseitige Angreifer gerade zum zweiten Mal die Champions League. Dennoch debütiert er erst an dieser WM an einem grossen Turnier. 2024 spielte er noch für Frankreichs Olympiaauswahl. Der Nationaltrainer Didier Deschamps definierte ihn nach seinem Fanion-Einstand im vergangenen Jahr kurz und bündig: «Er hat alles, was es braucht.»Optimieren Sie Ihre BrowsereinstellungenNZZ.ch benötigt JavaScript für wichtige Funktionen. Ihr Browser oder Adblocker verhindert dies momentan.Bitte passen Sie die Einstellungen an.Zu sehen war das zuletzt auch beim neuerlichen PSG-Triumph. In einem komplizierten Final gegen die Defensivkünstler von Arsenal war es Doué, der mit enormem Aktionsradius das Pariser Angriffsspiel ankurbelte. Von seiner Startposition auf rechts aussen changierte er immer wieder auf den anderen Flügel, in die Mitte oder nach hinten. Doué ist dribbelstark, aber auch passsicher und spielintelligent. Bei Deschamps gilt er trotz der grossen Konkurrenz als gesetzt und soll an der WM mit dem Weltfussballer Ousmane Dembélé, Kylian Mbappé und Michael Olise ein mobiles Angriffsquartett von historischer Qualität bilden.Doué ist der Neffe eines ehemaligen Fifa-Schiedsrichters von Côte d’Ivoire, nennt Neymar als Vorbild und wurde in der renommierten Akademie von Stade Rennais ausgebildet. Sein zwei Jahre älterer Bruder Guéla wird an der WM auch zu sehen sein. Der Verteidiger von Racing Strassburg spielt für das Geburtsland des Vaters. (fhp.)Pau Cubarsí: Der Mann mit den besten PässenMit 18 Jahren hatte er bereits 100 Ligaspiele für Barça in den Beinen: Pau Cubarsí.Maciej Rogowski / ImagoKurz vor Weihnachten wurde der Spanier Pau Cubarsí für seinen 100. Profimatch geehrt. Dabei war der Innenverteidiger erst 18 Jahre alt, und dabei spielt er nicht für irgendeinen Klub, sondern im FC Barcelona. Die Marke erreichte er als zweitjüngster Spieler der Geschichte nach seinem Teamkollegen Lamine Yamal. Doch während dieser Spanien vor zwei Jahren schon zum EM-Titel führte, musste Cubarsí sich da noch mit Olympiagold begnügen.Nun debütiert auch er an einem grossen Turnier. Der inzwischen 19-Jährige aus dem katalanischen 187-Seelen-Dorf Estanyol ist ein Paradevertreter der ballsicheren Barça-Schule. In der abgelaufenen Saison war er in La Liga der Spieler mit den meisten Pässen (2768) wie der mit der besten Passerfolgsquote (95 Prozent). Dabei gelang ihm in der Partie bei Betis Sevilla ein Rekord von 87 gelungenen Zuspielen bei 87 Versuchen. Mit seiner Souveränität am Ball soll Cubarsí nun auch im Nationalteam das gegnerische Pressing ohne Befreiungsschläge überspielen und so die Passstafetten des Teams initiieren.Zu Cubarsís weiteren Stärken zählt das Stellungsspiel. Bei Barça leidet er allerdings wie jeder Verteidiger bisweilen unter der ultrahohen Abwehrlinie des Trainers Hansi Flick, im Champions-League-Viertelfinal gegen Atlético Madrid kassierte er für eine Notbremse eine folgenreiche rote Karte. Im etwas solideren Verbund des Nationalcoachs Luis de la Fuente kann es insofern nur besser werden. (fhp.)Aleksandar Pavlovic: Er spielt im Takt eines MetronomsSpielt ballsicher und passgenau: Aleksandar Pavlovic.Annegret Hilse / ReutersAleksandar Pavlovic ist der Traum eines jeden Fussballtraditionalisten. Er, der serbischer Herkunft ist, spielt seit seiner Jugend beim FC Bayern – keinen anderen Verein hat er seitdem von innen kennengelernt. Und so ist es nur konsequent, dass er sich auch für das deutsche Nationalteam entschieden hat. Spricht man von ihm, tönt es manchmal geradezu sensationell, wenn es um seine Ballsicherheit geht oder um die Quote der Pässe, die er beim Mitspieler platziert.Eine Passmaschine: Ganz ähnlich wurde auch Joshua Kimmich einmal bezeichnet, der längst zu den Stützen im Nationalteam und beim FC Bayern zählt. Über Pavlovic urteilte die ortsansässige «Süddeutsche Zeitung»: «Er spielt, wie er redet. Und er redet, wie er spielt. Beides wie im Takt eines Metronoms. Nicht immer nach vorn. Sehr gerne auch mal quer.»Allerdings gibt es auch Stimmen, die an Pavlovics Qualitäten dezente Zweifel anmelden: Ob er allerhöchstem Druck gewachsen sei, kann durchaus zu einer Definitionsfrage werden, wenn man seine Leistungen auf internationalem Niveau betrachtet. Befürworter verweisen auf ein immenses Potenzial, allerdings bringt er nicht in jedem Augenblick die Ruhe mit, die einen Weltklassespieler auszeichnet.Angesichts seiner 22 Jahre ist das noch verzeihlich auf seiner Position als defensiver Mittelfeldspieler. Der Trainer Kompany jedenfalls setzt grosses Vertrauen in ihn – aus gutem Grund: Einen Spieler mit Pavlovics Entwicklungsmöglichkeiten zu verpflichten, wäre selbst für die Bayern eine ruinöse Angelegenheit. (sos.)Yan Diomande: Er beflügelt die PhantasieHat bei Leipzig eine spektakuläre Saison hinter sich: Yan Diomande.Motivio / ImagoKaum ein anderer Fussballer wird gegenwärtig so sehr von Transfergerüchten umweht wie Yan Diomande. Das hat Gründe, denn der Aussenstürmer von Côte d’Ivoire hat eine spektakuläre erste Saison in Leipzig hinter sich gebracht. Unmittelbar nach den Bayern-Stars Luis Díaz und Michael Olise wird sein Name genannt, wenn es um die besten Flügel der Bundesliga geht. Das beflügelt die Phantasie: Mehr als 100 Millionen Euro wert sei der 19-Jährige mittlerweile, meinen manche Experten. Ob er Paris Saint-Germain schon zugesagt habe, fragte jüngst die «Bild»-Zeitung.In neun Länderspielen hat der Linksaussen drei Tore erzielt, für Leipzig waren es 12 Treffer in 33 Spielen und 9 Torvorlagen. Seine augenfälligsten Stärken sind Tempo und Dribbling – in Europas grossen Ligen kam diese Saison nur Lamine Yamal (4,8) auf mehr erfolgreiche Dribblings pro Match als Diomande (3,6). Als Nachfolger von Olise wurde der Ivoirer zum Bundesliga-Neuling des Jahres gewählt.Diomandes Karriere führte über die USA, wohin die Familie umgezogen war, zum spanischen Klub Leganés, wo er die Leipziger in solchem Masse überzeugte, dass er ihnen 20 Millionen Euro wert war. Sollte Diomande mit seinem Team bei der WM brillieren, dürfte den Sachsen ein gutes Geschäft winken. Früher oder später wird er gewiss gehen – so wie vor ihm Naby Keïta, Xavi Simons und Dayot Upamecano, die ihren Marktwert im RB-Universum tüchtig steigern konnten. (sos.)Luka Vuskovic: Stark in Taktik und ZweikampfDas grösste Innenverteidiger-Talent des Kontinents: Luka Vuskovic.Fabian Bimmer / ReutersFällt in der Bundesliga ein junger Abwehrspieler durch aussergewöhnliches Talent auf, ist ihm europaweite Aufmerksamkeit sicher. So ist es auch mit Luka Vuskovic, den der Hamburger SV in der vergangenen Spielzeit von Tottenham Hotspur ausgeliehen hatte. Der 19-jährige Kroate half kräftig dabei mit, den Aufsteiger in der Liga zu halten. 1,93 Meter ist Vuskovic gross. Neben erstaunlichen Zweikampfwerten für sein Alter verfügt er über ein bemerkenswertes taktisches Verständnis.Der Fussball liegt bei ihm in der Familie: Auch der ältere Bruder Mario ist Profi und spielte für den HSV – allerdings verbüsst er gerade eine vierjährige Sperre wegen EPO-Dopings. Im November darf Mario, ebenfalls Innenverteidiger, zurückkehren. Ob Luka dann noch in Hamburg ist, darf als zweifelhaft gelten, die Leihe läuft aus.Blickt man auf das internationale Interesse an ihm, lässt sich festhalten: Kroatische Innenverteidiger stehen hoch im Kurs. Vor drei Jahren war es der Leipziger Josko Gvardiol, der Manchester City stattliche 91,5 Millionen Euro wert war. Einschätzungen, wonach es sich bei Gvardiol um den prägenden Innenverteidiger der kommenden Jahre handelt, haben sich in Manchester noch nicht uneingeschränkt bestätigt. Ähnliche Etiketten sollten bei Vuskovic also mit Vorsicht behandelt werden. Das grösste Innenverteidigertalent des Kontinents sollte mehr sein als ein weiterer Gvardiol. (sos.)Endrick: Das ungestüme KraftpaketSein Talent rettete die Familie aus der Armut: Endrick.Richard Callis / Sports Press / ImagoEndrick, 19, wurde schon als Knirps vermarktet: Sein Vater publizierte Youtube-Videos von ihm, um Brasiliens Spitzenklubs von seinem Talent zu überzeugen. Palmeiras, einer der grossen Vereine aus São Paulo, schlug zu, als Endrick 11 war, und bot bald auch dem Vater einen Job als Putzkraft. Zuvor war die Familie so arm gewesen, dass Endrick sich schon in dem Moment geschworen haben soll, ein Fussballstar zu werden, als er seinen Vater weinen sah – weil dieser ihm kein Essen geben konnte.Mit 16 debütierte der Angreifer bei den Profis von Palmeiras, mit 17 avancierte er bei einem 1:0 Brasiliens in England zum jüngsten Torschützen der Geschichte im Fussballtempel Wembley. Doch als er mit dem 18. Geburtstag den bereits Jahre zuvor für eine Ablöse von 72 Millionen Euro fixierten Wechsel zu Real Madrid vollzog, lief es erst einmal nicht so gut wie beim ähnlich jung zu Real transferierten Landsmann Vinícius Júnior. Der Junge mit dem Babyface wirkte bei seinen Einwechslungen zu ungestüm und zeigte in seinem Beweisdrang etwas arg viel Stürmeregoismus.Diese Saison kam er nur auf elf Ligaminuten – so dass er im Winter zu Olympique Lyonnais ausgeliehen wurde. Dort qualifizierte er sich mit 8 Toren und 8 Torvorlagen noch für das WM-Kader. Der Nationaltrainer Carlo Ancelotti kennt ihn aus seiner ersten Saison in Madrid und dürfte die Energie des 1,73 Meter grossen Kraftpakets nutzen wollen, um in festgefahrenen Spielen produktives Chaos zu stiften. (fhp.)Ein Artikel aus der «NZZ am Sonntag»Passend zum Artikel
WM 2026: Junge Spieler, die schon jetzt Geschichte schreiben wollen
An der Fussball-WM intonieren Ronaldo, Messi und Neymar den Schwanengesang. Doch für das Spektakel könnten die besten Spieler der neuen Generation sorgen.













