In Österreichs Medienlandschaft sind derzeit Entwicklungen zu beobachten, die besorgniserregend sind. Es wird zusammengelegt und zentralisiert und damit die Vielfalt massiv abgebaut. Doch wo bleibt der Aufschrei?In dieser Woche verkündete die Vorarlberger Russmedia, die Tiroler Moser Holding übernehmen zu wollen. Das ist ein Paukenschlag, der sich auf die Berichterstattung im Westen der Republik auswirken wird. Die Tiroler Tageszeitung und die Vorarlberger Nachrichten sowie ihre Onlineangebote und Radiosender sollen, die kartellrechtliche Zustimmung vorausgesetzt, künftig unter einem Dach erscheinen. Zwar wird beteuert, die „publizistische Eigenständigkeit“ solle beibehalten werden: Doch Zusammenarbeit bedeutet Einsparungen, also wird es weniger Journalistinnen und Journalisten geben, die kritisch berichten und genau hinschauen – in Wien, wie in der Region.Publizistische Vielfalt geht zudem verloren, wenn dieselben Inhalte nicht in einem, sondern gleich in zwei Medien erscheinen: Genau das passiert bei der Kleinen Zeitung und der Presse, beide Tageszeitungen gehören seit Jahren zur Styria. Anfang Mai wurde bekannt, dass redaktionelle Inhalte künftig gemeinsam genutzt werden sollen. Die Kleine Zeitung fokussiere sich auf regionale Inhalte, die überregionalen Berichte zu Politik und Wirtschaft kämen vor allem von der Presse.Die Gleichung ist einfach: Weniger journalistische Angebote, die von weniger Eigentümern kommen, führen zu noch mehr Medienkonzentration. In Österreich gibt es mit bloß einem Dutzend Tageszeitungen ohnehin wenige Titel: Deutschland zählt 660, die Schweiz 245. Zudem nehmen Boulevardzeitungen in Österreich eine dominierende Stellung ein; die Kronen Zeitung, Österreich und Heute kommen auf einen Marktanteil von rund 60 Prozent. In den Bundesländern – mit Ausnahme der Ostregion – waren bisher die Regionalzeitungen stark verankert.Zusammenlegungen und zentralisierte Berichterstattung bewirken eine fatale Selbstverzwergung. Diese gefährliche Entwicklung fällt mit einer Krise des ORF zusammen. Was in den vergangenen Wochen an Affären und Skandalen ans Licht kam, ist nicht nur ungustiös, sondern beschädigt die Glaubwürdigkeit des größten Medienunternehmens des Landes. Es gibt Gehälter für einzelne Führungskräfte, die für einen öffentlich-rechtlichen Rundfunk nicht zu rechtfertigen sind. Warum braucht zum Beispiel ein kleiner Info-Sender wie ORF 3 gleich zwei Geschäftsführer, die noch dazu zu den Spitzenverdienern gehören? Wieso gibt es generell so viele Direktorinnen und Chefredakteure? Und kann man sich tatsächlich Dokumentationen beim ORF kaufen? Es sind so viele Missstände aufgetaucht, die dringend extern aufgeklärt und dann abgestellt werden müssen.Für eine grundlegende Neuaufstellung des ORF reicht es nicht, wenn der von Parteien dominierte Stiftungsrat am 11. Juni einen neuen Generaldirektor wählt. Im Hintergrund wird schon wieder gepackelt, wer zu welchen Bedingungen welchen Posten kriegt. Durch die Generaldirektorswahl wird sich nichts grundsätzlich ändern. Politikerinnen und Politiker halten den ORF weiter am Gängelband. So wird die Aufgabe, als vierte Macht den Mächtigen auf die Finger zu schauen, schwierig!Die Medien machen es der Politik einfach, indem sie sich durch Sparwellen und Skandale selbst beschädigen. Längst müsste es eine Initiative „Rettet die Medien“ geben – und zwar aus der Mitte der Gesellschaft heraus. Denn was gerade passiert, geht alle an. Jeder kann dazu beitragen, die unabhängige Medienlandschaft und damit die Demokratie zu stärken: Als Leserin und Leser mit einem Abo oder als Unternehmen durch die Vergabe von Werbebudgets, die nicht bei US-Tech-Konzernen landen.Diese Kolumne erscheint auch im Österreich-Newsletter, der die Berichterstattung der SZ zu Österreich bündelt. Hier gleich kostenlos anmelden.