Nippon Connection, das ist das Festival, das Frankfurt einmal im Jahr in knalliges Rosa taucht. Und selbst bei hartgesottenen Puristen zu einem extremen Herabsenken der Niedlichkeitsschwelle führt. All die T-Shirts, Sticker und Keramikstücke im japanischen Animé-Look, all die Plüschwesen, ob es Tiere sind, lässt sich selten sagen, ziehen die Blicke mindestens ebenso auf sich wie das Filmprogramm. Und die Dichte an Kirschblütenrosa, der Festivalfarbe, ist beim größten japanischen Filmfestival rund um Mousonturm und Naxoshalle extrem.Schwarz gibt es aber auch. Nicht nur schwarzes Sesameis – obwohl es Leute geben soll, die nur des Essens wegen zu Nippon Connection kommen. Was verständlich, aber ein Fehler ist. Denn selbstredend geht es in allererster Linie ja doch um das Kino. Und da gibt es neben viel Buntem, zum Beispiel neuen Animé-Filmen wie „Chao“ und „A New Dawn“, nicht nur in handfesten Thrillern wie „Suzuki=Bakudan“ oder in Horror wie „Mag Mag“ eben auch Dunkles und Schwarz. Dramen über Menschen, die mit großen Verlusten umgehen müssen, Dokumentationen über Einsamkeit als Volkskrankheit in einem Land, das überaltert ist. Viel ist im diesjährigen Programm zu lernen über Sexarbeit, über Frauen und über junge Leute, die traditionelle Rollen ablegen, über die Traumata der japanischen Geschichte.Wieder sehr viel schwarzen Humor auf der Leinwand gibt es aber auch, von Haschplantagen in der Schule bis zu plötzlichen Todesfällen im Supermarkt. Diese Verbindung aus bitterem Ernst, aus Horror oder Gewalt mit Komik und Satire findet man oft in japanischen Filmen, und auch in diesem Jahr fährt Nippon Connection im Mousonturm und in Frankfurter Kinos eine Menge davon auf. Der Eröffnungsfilm „Fujiko“ von Taichi Kimura hat mit seiner Mischung aus Ernst und Komik das Publikum begeistert, er erzählt von einer alleinerziehenden Mutter im Japan der Siebzigerjahre.Denn auch scheiternde Beziehungen sind nicht nur schwarz. Obwohl es sogar einen Fleck im Festivalprogramm gibt, an dem absichtsvoll Beziehungen ins Schwarze gezogen werden: Ein bisschen erinnert die Ausstellung der Künstlerin Keiko Yamagiwa in der Naxoshalle an das „Bag Piece“ (1964) von Yoko Ono. Seit 20 Jahren lässt Yamagiwa Leute, meist zu zweit, oft aber auch in Gruppen, unter einen schwarzen Stoff schlüpfen und in der verschleierten Form gewissermaßen ihre Beziehung abbilden. Das ist nicht nur als Fotoausstellung zu sehen – alle Besucher sind bis zum Festivalende am Abend des 7. Juni eingeladen, selbst in die schwarze Hülle zu schlüpfen. Und rosaroten Spaß zu haben.