Der Halbfinaltag der Männer bei den French Open erlebte am Freitagabend ein Ende, das ungewöhnlich war. Der deutsche Tennisprofi Alexander Zverev, 29, hatte gerade mit einem letztlich überzeugenden 7:5, 6:2, 3:6, 6:3 gegen den Tschechen Jakub Mensik, 20, zum zweiten Mal nach 2024 das Endspiel bei dem Sandplatzklassiker in Paris erreicht, als die Medienvertreter über die Lautsprecher im Medienzentrum die Nachricht erfuhren: Matteo Arnaldi, 25, kann nicht zu seinem Match im zweiten Halbfinale gegen Flavio Cobolli, 24, antreten. Kurz darauf wurde die offizielle Mitteilung des Grand-Slam-Turniers versandt, in der es hieß, Arnaldi musste seinen Start „aufgrund einer Viruserkrankung“ zurückziehen. Damit stand in diesem italienischen Duell der Weltranglisten-14. kampflos als Sieger fest. Für Cobolli wird es am Sonntag (15 Uhr) das erste Grand-Slam-Finale seiner Karriere sein. Nicht überraschend war, dass er wenige Minuten später zur Pressekonferenz erschien. Aber er kam nicht alleine. Der zweite Finalist der French Open brachte im Schlepptau den erkrankten Arnaldi mit. Im Tennis kommt das verständlicherweise so gut wie nie vor, dass sich Spieler, die eine Virusinfektion in sich haben, sich öffentlich erklären. Diesmal schon.Beide setzten sich in einem Abstand von wenigen Metern auseinander, die Fragerunde wurde von einem Moderator mit den Worten eingeleitet, Arnaldi werde ein paar Fragen beantworten und wieder gehen, er fühle sich nicht wohl. So begann Arnaldi, 104. der Weltrangliste, der das Turnier seines Lebens gespielt hatte, mit seinen Ausführungen. „Es ist schwer, hier zu sein“, sagte er und schilderte, er hätte sich noch am Tag zuvor gut gefühlt, er sei essen gegangen. „Danach bekam ich Probleme mit dem Magen. Ich dachte mir: Na ja, das Essen liegt mir wohl etwas schwer im Magen.“ Aber dann sei er um ein Uhr nachts aufgewacht, musste sich übergeben. Schlafen konnte er nicht mehr, „um sechs oder sieben Uhr morgens musste ich mich erneut übergeben“. Ein Arzt kam, er bekam ein Mittel verabreicht, „aber im Laufe des Tages konnte ich nichts essen. Jedes Mal, wenn wir etwas unternahmen oder ich etwas trank, musste ich sofort wieder auf die Toilette“, sagte Arnaldi. Fieber hätte er tagsüber auch gehabt. Er konstatierte: „Ausgerechnet vor meinem ersten Grand-Slam-Halbfinale zurückziehen zu müssen, ist etwas, das man niemandem wünscht.“Cobolli, der ernst blickend zugehört hatte, sprach danach. Arnaldi verließ nach einer Weile den Raum, und Cobolli bedauerte den sportlichen Rückzug seines Profikollegen. Da er vom Zustand Arnaldis wusste, war es umso erstaunlicher, dass er sich in Nähe zu ihm aufgehalten hatte, in einem engen, fensterlosen Raum. Und keiner der beiden trug aus Sicherheitsgründen eine Maske. Es war auch nicht klar erkennbar, ob – als auch Cobolli hinausging – Desinfektionsmittel angewandt wurden, um der unmittelbar nächsten Gesprächsperson im sogenannten Main Interview Room bestmöglichen Schutz zu bieten. Zverev kam direkt im Anschluss an Arnaldi und Cobolli.Zverev, auch er maskenlos, sprach kurz und knapp. So sagte er etwa, dass er sich natürlich über das Erreichen des Finales freue und er sich gut fühle. Sein Kommentar zu Arnaldi? „Ich glaube, so wünscht man sich kein Grand-Slam-Halbfinale, aber ich habe Matteo auch in der Umkleidekabine gesehen, und er sah schrecklich aus. Ich kann das verstehen. Er kann da nicht viel machen.“ Zwei Finalisten eines Grand-Slam-Turniers, die keinen großen Bogen um Arnaldi, den Mann mit der Viruserkrankung, machten, das war zumindest bemerkenswert. Nachfragen zu den Abläufen und ob es keine Sicherheitsbedenken gab, ließen sowohl das Turnier als auch Zverevs Management vorerst unbeantwortet. Bleibt nur zu hoffen, dass keiner am Sonntag das sagen muss, was Arnaldi abschließend in Bezug auf die Zuschauer vortrug: „Es tut mir leid für alle, die die Tickets bekommen haben.“
French Open: Ungewöhnliche Pressekonferenzen mit Cobolli und Zverev.
French Open: Ungewöhnliche Pressekonferenzen mit den Finalisten Cobolli und Zverev.












