„Dieses Projekt hat für mein Haus absolute Priorität“, versichert Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU), als er am Freitagnachmittag vor der linksrheinischen Zufahrt der Friedrich-Ebert-Brücke in Bonn angekommen ist, wo eine große Gruppe Anwohner ihn erwartet. Am Mittwochnachmittag musste die bundeseigene Autobahn GmbH die Friedrich-Ebert-Brücke der Autobahn 565 von jetzt auf nachher für den Verkehr sperren, weil bei einer Prüfung schwere strukturelle Schäden an Teilen des Tragwerks festgestellt worden waren.Umgehend habe er eine Lenkungsgruppe mit seiner Staatssekretärin an der Spitze eingesetzt, berichtet der Bundesverkehrsminister. Und Michael Güntner, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Autobahn GmbH versichert, sein Unternehmen werde nun „alle Ressourcen auf diese Brücke setzen, sie ist das wichtigste Projekt, an dem wir rund um die Uhr arbeiten“.„Das ist eine sehr, sehr ernste Situation“Die 1967 eröffnete Friedrich-Ebert-Brücke, die nördlichste der drei Bonner Rheinbrücken, ist für den innerstädtischen, den regionalen und auch den überregionalen Verkehr von großer Bedeutung. Mehr als 100.000 Fahrzeuge täglich nutzten die Querung bisher. Entsprechend heftig trifft Bonn und die Region die Sperrung. „Die ganze Dramatik wird wohl erst am Montag klar, wenn nach dem langen Wochenende wieder alle arbeiten“, sagt der Bonner Oberbürgermeister Guido Déus (CDU). „Das ist eine sehr, sehr ernste Situation.“Wie lange wird sie andauern? Die Autobahn GmbH prüfe das Bauwerk derzeit unter Hochdruck, versichert Dirk Brandenburger, Technischer Geschäftsführer der Autobahn GmbH. Danach seien umfangreiche Berechnungen nötig. Zwei Wochen werde das auf jeden Fall noch brauchen, sagt der Ingenieur. Die Schäden seien enorm, auch wenn man sie der Brücke von außen nicht ansehe.Man sieht ihr die Schäden nicht an: die gesperrte Brücke am FreitagdpaNoch ist nicht klar, ob die Rheinbrücke überhaupt noch einmal wenigstens für einen Teil des Verkehrs freigegeben werden kann, ob also vielleicht Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen Gesamtgewicht passieren dürfen, so wie das bei der Leverkusener Autobahnbrücke bis zur Fertigstellung einer neuen Rheinquerung der Fall war. Oder ob wenigstens Fahrradfahrer und Fußgänger die Nordbrücke wieder nutzen dürfen. „Das wäre für die Anwohner schon eine Erleichterung“, sagt Oberbürgermeister Déus. Er habe dafür Verständnis, erwidert Brandenburger. „Aber bitte keine Spekulationen.“„Wir sind das neue Rahmedetal“Zu dem Termin sind auch der Chef der nordrhein-westfälischen Staatskanzlei, Nathanael Liminski, der Bonner CDU-Bundestagsabgeordnete Hendrik Streeck und NRW-Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) herbeigeeilt. Oberbürgermeister Déus sagt, er sei sehr dankbar für den Beistand, den Bonn in diesen Tagen von allen Seiten und vor allem von der Autobahn GmbH erfahre. „Aber wir sind auf diese Hilfe auch dringend angewiesen. Wir sind jetzt das neue Rahmedetal.“Déus spielt auf die Brücke der Autobahn 45 über das Rahmedetal bei Lüdenscheid an, die Ende 2021 ebenfalls von jetzt auf gleich wegen akuter Gefahr für den gesamten Verkehr gesperrt werden musste und zum Symbol dafür wurde, wie marode viele Brücken in Deutschland sind. Mittlerweile gilt die Rahmedetalbrücke als Beispiel dafür, dass die Dinge in Deutschland doch schnell vorangehen können. Denn die erste Hälfte des sogenannten Ersatzneubaus konnte nach vier Jahren Bauzeit Ende vergangenen Jahres und damit früher als eigentlich geplant eröffnet werden.In Deutschland habe man über Jahrzehnte – egal wer jeweils Verantwortung trug – einen Sanierungsstau entstehen lassen, sagt Déus. Gleichwohl warnt der Bonner Oberbürgermeister, der erst seit vergangenem September im Amt ist, vor einem Schwarzer-Peter-Spiel. Alle müssten das ihnen Mögliche tun. Seine Verwaltung arbeite unter Hochdruck an besseren Umleitungsstrecken und mehr Bus- und Bahnverkehr. „Wenn alle auf Bundesebene, auf Landesebene und auf kommunaler Ebene ihre Hausaufgaben machen, dann bin ich zuversichtlich, dass wir die Schäden und die Beeinträchtigungen so gering wie möglich halten können.“ Er wolle die Situation aber auch nicht schönreden. „Wir haben eine Situation sehr ernsten Ausmaßes für Monate, wenn nicht für Jahre vor uns.“Das sieht auch Bundesverkehrsminister Schnieder so. Am Geld werde es keinesfalls scheitern, versichert er. Im Bundeshaushalt gebe es einen eigenen „Brückentitel“. „Wir müssen uns um die Finanzierung keine Sorgen machen“, sagt Schnieder und wiederholt noch einmal: „Dieses Projekt hat für uns Priorität.“