Das norwegische Königshaus teilte am Freitagvormittag mit, dass Mette-Marit ab sofort auf der Liste für eine Lungentransplantation stehe. Die Kronprinzessin war am Donnerstag für kurze Zeit im Osloer Rikshospitalet gewesen, dem einzigen norwegischen Krankenhaus, das in der Lage ist solche Operationen durchzuführen.Bereits 2018 hatte das Königshaus bekannt gegeben, dass Mette-Marit an Lungenfibrose leidet. Bei dieser chronischen Krankheit mit oftmals tödlichem Ausgang versteift sich das Lungengewebe, das dem Gasaustausch dient, und wird durch narbiges Bindegewebe ersetzt. Dadurch verliert die Lunge ihre Elastizität und der Sauerstoff gelangt schlechter ins Blut, was zu immer stärkerer Atemnot und starkem Husten führt.In der Pressemitteilung vom Freitag bezeichnete das Königshaus die Erkrankung nun als „lebensbedrohlich“. Auf die Liste für Transplantationen kommt man nur, wenn die erkrankte Person ohne Operation voraussichtlich nur noch ein bis zwei Jahre zu leben hat. Gleichzeitig muss die OP aber erfolgen, solange der Patient noch gesund genug ist, um die Belastung eines größeren Eingriffs zu verkraften.Mette-Marits behandelnder Arzt, der Lungenspezialist Are Holm vom Rikshospitalet, sagte am Freitagnachmittag in einer Pressekonferenz, die Lungenfunktion der Kronprinzessin habe sich „in den letzten drei Monaten deutlich verschlechtert. Das ist gefährlich. Deshalb wurde sie heute auf die Warteliste für eine Lungentransplantation gesetzt“.Die Ankündigung kommt für die Norweger nicht aus heiterem Himmel. Mitte Dezember hatte Mette-Marit selbst im Fernsehen verkündet, dass diese Operation demnächst nötig werde. Anfang der Woche hatte Kronprinz Haakon dann seinen Besuch in Japan vorzeitig abgebrochen, um, wie er selbst in Tokio sagte, in der Nähe seiner kranken Frau sein zu können. Am Mittwoch war dann auch noch die Tochter der beiden, Prinzessin Ingrid Alexandra, aus Australien zurückgekehrt, wo sie aktuell studiert.Momentan stehen acht Namen auf der Warteliste, die Kronprinzessin erhält keine VorzugsbehandlungMette-Marit hat in den vergangenen Jahren immer weniger offizielle Termine wahrnehmen können, in den vergangenen Monaten sah man sie nur noch zweimal bei öffentlichen Anlässen, wie sie mit Atemmaske tapfer winkte, neben ihr eine Mitarbeiterin des Hofes, die ein Köfferchen mit Sauerstofflasche trug.Der Lungenspezialist Are Holm betonte, dass Mette-Marit keine Vorzugsbehandlung erfahre, also nicht vor anderen Norwegern behandelt werde, die auf ein Organ warten. Momentan stehen acht Namen auf der Warteliste. Die Auswahl erfolgt aufgrund eines transparenten Kriterienkataloges: Schweregrad der Erkrankung, Wahrscheinlichkeit, dass der Wartende mit der transplantierten Lunge mehr als fünf Jahre leben wird und dem Alter. Je jünger ein Patient, desto größer die Chancen.Das Krankenhaus schreibt außerdem auf seiner Website, dass in Norwegen jährlich etwa 30 Lungentransplantationen durchgeführt werden. „Die Fünf-Jahres-Überlebensrate liegt bei etwa 70 Prozent, die Zehn-Jahres-Überlebensrate bei etwa 50 Prozent.“ Are Holm sagte dazu, die Operation sei „mit einem hohen Risiko verbunden“. Jeder achte Patient überlebe das erste Jahr nicht.Mette-Marit hatte zuletzt ohnehin schwere Monate. Zum einen musste sich ihr unehelicher Sohn Marius Høiby wegen Vergewaltigung, Gewalt gegen mehrere Ex-Freundinnen und Drogendelikten vor Gericht verantworten. Das Urteil steht noch aus, die Staatsanwaltschaft fordert sieben Jahre und sieben Monate Haft.Prozess gegen Marius Borg Høiby:„Er wusste, was er tat“Der Staatsanwalt fordert sieben Jahre und sieben Monate Haft für Marius Borg Høiby, den Sohn von Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit. Unter anderem wegen Vergewaltigung und schwerer Körperverletzung. Der 29-Jährige sei anscheinend überzeugt, „dass die gesellschaftlichen Normen und Regeln nicht für ihn gelten“.Kurz vor dem Beginn des Prozesses, der in Norwegen enormen Platz in der Berichterstattung einnahm, wurde dann auch noch bekannt, dass die Kronprinzessin zwischen 2011 und 2014 eine enge E-Mail-Freundschaft mit dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein unterhalten hatte. Ihr Name tauchte in den Unterlagen, die im Januar vom US-Justizministerium freigeschaltet wurden, über tausendmal auf. Die veröffentlichten Nachrichten klangen freundschaftlich, ja streckenweise intim. Als der verurteilte Sexualstraftäter ihr einmal schrieb, er sei „auf Ehefrauen-Jagd“ in Paris, antwortete Mette-Marit: „Paris ist gut für Ehebruch. Skandinavierinnen sind besseres Ehefrauen-Material.“„Ich bedauere meine Freundschaft mit Jeffrey Epstein zutiefst“Einige der Mails lieferten aber auch überraschende Einblicke in die Sorgen und Nöte einer Kronprinzessin, deren Haupttätigkeit nun einmal darin besteht, zu repräsentieren, zu lächeln und bella figura zu machen. „Komm, rette mich. Ich sterbe vor Langeweile“, schrieb sie 2012 in einer E-Mail an Epstein. In einer schriftlichen Stellungnahme im Februar schrieb die Kronprinzessin: „Ich bedauere meine Freundschaft mit Jeffrey Epstein zutiefst. Es ist mir wichtig, mich bei allen zu entschuldigen, die ich enttäuscht habe“.Das nützte ihr wenig: Jahrelang war Mette-Marit die beliebteste Thronanwärterin aller europäischen Königshäuser und das populärste Mitglied der norwegischen Königsfamilie. Nach der Affäre um die veröffentlichten Epstein-Akten sagten dann 40 Prozent der Norwegerinnen und Norweger, dass sie die Rolle der Kronprinzessin als Vertreterin Norwegens in offiziellen Kontexten negativ oder sehr negativ bewerten. Reihenweise wurden Schirmherrschaften gekündigt, der Vorstand des norwegischen Mädchenchors, die Organisation Sex und Gesellschaft, der norwegische Bibliotheksverband, das Nynorsk Cultural Center, der norwegische Rat für psychische Gesundheit - sie alle brachen die Kooperationen entweder gänzlich ab oder setzten sie zumindest vorerst aus.Epstein-Akten:„Einfach nur peinlich“In den neuen Epstein-Akten taucht der Name von Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit Hunderte Male auf. Sie hatte über Jahre engen Mail-Kontakt mit dem Sexualstraftäter. Die Enthüllungen könnten kaum zu einem schlechteren Zeitpunkt für sie kommen.Die bevorstehende Operation hat nun zu einem merklichen Stimmungsumschwung in der Öffentlichkeit geführt: Premierminister Jonas Gahr Støre sagte am Donnerstag, er glaube, „dass ganz Norwegen nun Sympathie für die Familie hat, die sich hinter die Kronprinzessin stellt“. Und in einem Kommentar im norwegischen Rundfunk hieß es, es sei „durchaus möglich, kritisch zu sein und gleichzeitig Fürsorge zu zeigen. Die meisten von uns haben hier noch einiges aufzuholen“.Das Krankenhaus will nicht nur nicht vorab bekanntgeben, wann Mette-Marits Operation genau stattfindet, sondern auch danach möglichst lange geheim halten, dass die Operation stattgefunden hat: Schließlich schreibe das norwegische Gesetz vor, dass Spender und Empfänger die Identität des jeweils anderen nicht kennen. „Je genauer man also den Zeitpunkt einer Spende preisgibt, desto eher trägt man dazu bei, gegen das Gesetz zu verstoßen“, so Holm. Wenn die neugierige Öffentlichkeit aber weiß, wann die OP stattfand, besteht die Gefahr, dass herauskommt, wessen Lunge Mette-Marit erhalten hat, denn die Operation muss innerhalb weniger Stunden nach dem Tod des Spenders oder der Spenderin erfolgen.Das Krankenhaus werde daher aus Sorge um die Anonymität des Spenders nur ungern Auskunft über den Zeitpunkt der Operation geben, so Holm. Wie der geheim bleiben soll, wenn eine ganze Nation auf den Zustand seiner Kronprinzessin starrt, ließ er unbeantwortet.
Norwegische Kronprinzessin Mette-Marit auf Warteliste für Lungentransplantation
Die Kronprinzessin leidet seit Jahren an einer tödlichen Lungenkrankheit. Jetzt bestätigt das Königshaus, dass eine Transplantation näher rückt.











