Nur so ein Verdacht: Wie eine Gesellschaft auf ihre Jugend schaut, sagt vor allem etwas über sie selbst aus. Hätte man nicht selbst Tag für Tag mit dieser immer kleiner werdenden Bevölkerungsgruppe zu tun, könnte man auf den Gedanken kommen, so gut wie alle, die ihr angehören, befänden sich in einem überaus desolaten Zustand: nabelschnurartig mit dem Smartphone verbunden, ängstlich in die Zukunft blickend, psychisch belastet. Blasse, kraftlose Schattenwesen, Opfer des digitalen Zeitalters, was soll nur aus ihnen werden? Und dann müssen sie vielleicht noch zur Bundeswehr! Mit der KI klarkommen! In der Klimakrise leben!Man hat sie gerne schwach. Und ja, schon klar, es gab die Pandemie mit ihren vor allem für die Jüngeren verheerenden Folgen, und ja, natürlich gibt es Studien, Statistiken, Umfragen, die nicht gerade ein verheißungsvolles Bild von der Verfassung all derjenigen zeichnen, die heute grob zwischen 14 und 24 Jahren alt sind.Und doch gibt es eben auch die anderen. Die, die eigentlich recht munter durch die Welt spazieren, und zwar mit lustigen Ideen und erstaunlichen Gedankengängen. Die wild und welpenhaft zugleich sind und einen sehr, sehr rühren.Manche können sich minutenlang mit einer gewissen Ernsthaftigkeit darüber unterhalten, ob sie es schaffen würden, zu dritt den MMA-Kämpfer Francis Ngannou, einen 120 Kilo schweren Muskelberg, umzuschmeißen („Safe, müssten halt von hinten kommen“, „Ich sag: keine Chance!“). Andere fertigen an der Nähmaschine aus abgelegten Kleidungsstücken so noch nie gesehene Taschen, Röcke, T-Shirts, ohne großen Plan, aber mit viel Geschick an. Wieder andere schleppen durch die halbe Stadt ein Sofa vom Sperrmüll, weil sie es gerne unweit stillgelegter Gleise aufstellen würden – offiziell „zum Chillen“, naja, wohl auch, um möglichst weit weg vom Radar der Eltern zu sein.So viele von ihnen verfügen über großartige Fähigkeiten, und allein deswegen bewundert man sie. Aber auch, weil sie oft sagen, was ihnen gerade in den Sinn kommt, und sie einfach mal machen, wenn ihnen danach ist. Beides geht erfahrungsgemäß verloren, je älter man wird, das bringen die Verformungen des Erwachsenwerdens so mit sich.Und damit nun zu Vincent Nack. Der ist 19 Jahre alt, wohnt in der Nähe von München und macht gerade sein Abitur. Der Schüler scheint ein sehr neugieriger Typ zu sein, auf Bildern strahlt er etwas Verschmitztes aus. Mit 15 erfand er einen automatischen Bremsassistenten für Fahrräder, jetzt hat er den Bundeswettbewerb „Jugend forscht“ gewonnen, für die „innovativste Arbeit“. Nack hat eine Software entwickelt, die Schockanrufe erkennt und nach einem Piepston automatisch beendet, ein technisches Tool, um Enkeltrickbetrügern das Handwerk zu legen. Bei seinen eigenen Großeltern haben die auch schon mal angerufen.Ein Junger, der an die Alten denkt – was, wenn nicht das, macht Hoffnung?
Vincent Nack, 19, entwickelt Software gegen Schockanrufe
Vincent Nack hat ein Mittel gegen Enkeltrickbetrüger entwickelt und damit den Wettbewerb „Jugend forscht“ gewonnen.












