Ist es gut, Berlin komplett ersetzen zu wollen? Kann es für die Stadt sogar eine Chance sein, noch mal von vorn anzufangen? Das behauptet jedenfalls der Kunstverein n.b.k.: Sein am Donnerstagabend startendes Festival „Berlin plant“ stellt die 80 Jahre alte Ausstellung gleichen Namens auf Wiedervorlage: mit neuen Argumenten. Zentrales Schaustück ist, heute wie damals, der sogenannte Kollektivplan – die radikalste Vision, welche diese Stadt je hatte.
Wer die Schau aufsucht, hat seine liebe Not, Berlin überhaupt wiederzufinden. Von der berühmt-berüchtigten Metropole lässt der Kollektivplan nämlich nur zwei Alleen übrig: die Schlossstraße in Charlottenburg und den Boulevard Unter den Linden. Dessen Baumreihen und Vorderhäuser liegen nun eingebettet in einem renaturierten Urstromtal. Das wirkt so verloren, dass es zunächst rot hervorgehoben wurde.
Der riesige Rest der Stadt, die Mietskasernen und Villen, verschwindet zugunsten von Wohnzeilen und Wolkenkratzern, wie sie heute das Hansaviertel oder das Westende der Karl-Marx-Allee besetzen. Erschlossen werden sollte die neue Stadtlandschaft per Autobahn-Raster und 63 Kleeblatt-Kreuzungen. Behutsam ist das so wenig wie die Nazi-Gewaltfantasie von „Germania“, welche dem Kollektivplan unmittelbar vorausging und jetzt danebenliegt.









