Deutsche Unternehmen liefern genau das, was afrikanische Volkswirtschaften für ihre Industrialisierung brauchen: Kapital, Technologietransfer, Ausbildung. Warum Deutschland das Potenzial des Kontinents trotzdem kaum nutzt – und was sich ändern müsste, haben Hannah Grupp, Industrial Development Officer bei der Organisation der Vereinten Nationen für industrielle Entwicklung (Unido), und Paul M. Lubeck, Soziologieprofessor an der University of California, in ihrer kürzlich erschienenen Studie für das Carnegie Endowment for International Peace untersucht.
Ihr Artikel erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem Deutschland unter erheblichem wirtschaftlichen Druck steht. Warum ist gerade jetzt der richtige Zeitpunkt für ein verstärktes deutsches Engagement in Afrika?Grupp: Was meiner Meinung nach in der deutschen wirtschaftspolitischen Debatte oft übersehen wird, sind die externen Schocks. Wir glauben beispielsweise, dass längere Arbeitszeiten und Bürokratieabbau alleine die deutsche Wirtschaft wieder beleben würden. Doch das eigentliche Problem ist, dass unsere hier produzierten Autos und Maschinen immer weniger wettbewerbsfähig sind. China produziert heute Elektrofahrzeuge und Roboter, die nicht nur günstiger, sondern auch qualitativ mithalten, wenn nicht gar besser sind. Dazu kommt der Wirtschaftsnationalismus in den USA, der deutsche Produkte in Amerika weniger kompetitiv macht. Wir müssen also dringend neue Märkte erschließen.Afrika ist aus zwei Gründen strategisch wichtig für Deutschland: Erstens müssen wir die Anzahl der Länder, aus denen wir Rohstoffe beziehen, erhöhen. Afrikanische Volkswirtschaften verfügen über viele der für Deutschland und Europa notwendigen Rohstoffe – von Erdgas im Senegal bis Bauxit in Guinea für die Aluminiumproduktion bis hin zu Kupfer und Kobalt in Sambia und im Kongo für die Batterieherstellung. Diese Lieferketten müssen wir diversifizieren. Gleichzeitig benötigen wir neue Absatzmärkte für deutsche Produkte. Afrika ist die Region mit der am schnellsten wachsenden Bevölkerung der Welt und vielen der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften. Unsere südlichen Nachbarn in Sachen Außenwirtschaft zu ignorieren, wäre ein Fehler.







